15
Feb
2016
0
Arbeitslosengeld nach einer Reise

Arbeitslosengeld nach einer Reise

In einer Facebook-Gruppe sorgte das Thema Arbeitslosengeld nach einer Reise für rege Diskussionen. Das ist nicht verwunderlich. Tatsächlich ist es ein wenig tricky, wenn Du Dich nicht auskennst. Vor allem weil sich die Rechtslage auch immer schnell ändern kann. Das Thema habe ich schon mehrfach durch mit allen bürokratischen Hürden, endlosen Diskussionen mit dem Arbeitsamt und vielen Nerven, die es mich gekostet haben. In dem Artikel gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen wieder, wo der eine oder andere Hinweis mit Sicherheit relevant für Dich sein könnte. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass ich keine Rechtsberatung bin und der Text Dir lediglich eine erste Hilfestellung bietet.

Arbeitslosengeldanspruch

Leider muss ich Dir schon zu Anfang den Zahn ziehen: Grundsätzlich hast Du während einer Reise keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 oder 2 – losgelöst von der Art der Kündigung. Wer Arbeitslosengeld bezieht, muss dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung stehen. Das wird kontrolliert indem Du Bewerbungen nachweisen und zu Vorstellungsgesprächen gehen musst. Also falls Du an dieser Stelle schon gedacht hast, das Arbeitsamt zu täuschen, das funktioniert definitiv nicht! Jedoch gilt es sich umgehend arbeitssuchend zu melden, sobald das Ende des Arbeitsverhältnisses bekannt ist. Bei befristeten Arbeitsverträgen sogar spätestens drei Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit.

Vor Deiner Reise musst Du Dich auch arbeitslos melden, den Antrag auf Arbeitslosengeld stellen und dem Arbeitsamt persönlich mitteilen, dass Du Dich auf Reisen begibst. Am besten zeigst Du Dein Flugticket vor. Das kann nämlich einige Diskussionen ersparen. Wenn Du mindestens einen Tag vor Abreise arbeitslos gemeldet warst, wird Deine dreimonatige Sperrzeit (z. B. bei Eigenkündigung) während Deiner Abwesenheit angerechnet. Somit beziehst Du direkt nach Deiner Rückkehr Arbeitslosengeld. Auf das Thema Sperrzeit gehe ich unten noch genauer ein. Wichtig ist auch, dass Du Dich einen Tag vor Abreise arbeitslos abmeldest. Denn wie oben beschrieben, stehst Du dem Arbeitsmarkt während Deiner Reise nicht zur Verfügung.

Erforderliche Unterlagen für das Arbeitslosengeld nach einer Reise

  • Personalausweis mit aktueller Meldeadresse
  • Lebenslauf
  • Kündigungsschreiben
  • Sozialversicherungsnummer

Diese Unterlagen erhältst Du zum Ausfüllen vom Arbeitsamt:

  • Ausgefüllte Arbeitspakete (Antrag auf Arbeitslosengeld)
  • Falls schon vorhanden, die vom Arbeitgeber ausgefüllte Arbeitsbescheinigung
  • Erklärung für den Grund der Kündigung (nur bei Eigenkündigung)
  • Gutachten/Attest vom Arzt (nur bei Eigenkündigung oder Aufhebungsvertrag)

Du wirst gekündigt

Ich könnte jetzt schreiben „prima“, weil es Dir sehr viel bürokratischen Aufwand erspart. Doch die Freude wäre bei einer Kündigung vielleicht doch ein wenig unangebracht ;). Sobald Du gekündigt wurdest und vorher 12 Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast, hast Du sofortigen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Angenommen Du wirst am 20.2. zum 31.3. gekündigt, dann hast Du ab dem 1.4. Anspruch auf Arbeitslosengeld. Hier gilt wie oben beschrieben, sich nach Erhalt der Kündigung umgehend arbeitssuchend zu melden. Am ersten Tag der Arbeitslosigkeit sprichst Du persönlich beim Arbeitsamt vor, reichst Deine Unterlagen ein und teilst gleichzeitig mit, ab wann Du außer Landes bist. Nach Deiner Rückkehr besteht dann Anspruch auf die Restlaufzeit Deiner Leistungen.

Du kündigst selber

Wer selber kündigt, dem droht eine Sperrzeit von drei Monaten. Das gilt auch bei Aufhebungsverträgen. Der Gesamtanspruch auf Arbeitslosengeld mindert sich somit von 12 Monaten auf neun Monate. Auch hier gilt, sich unmittelbar arbeitssuchend zu melden, Antrag auf Arbeitslosengeld zu stellen und am Tag der Arbeitslosigkeit persönlich beim Arbeitsamt vorzusprechen. Das ist wichtig! Denn wie oben beschrieben, wird Deine dreimonatige Sperrzeit während Deiner Reise nur angerechnet, wenn Du mindestens einen Tag vor Abreise arbeitslos gemeldet warst. Nach Deiner Rückkehr meldest Du Dich direkt wieder arbeitslos und hast Anspruch auf das restliche Arbeitslosengeld.

Anmerkung: Solltest Du nach Absprache mit Deinem Arzt aus gesundheitlichen Gründen kündigen, tritt die Sperrzeit außer Kraft. Hierbei musst Du in ausführlichen Unterlagen, die du vom Arbeitsamt bekommst, Deine Gründe für die Kündigung darlegen. Der Arzt muss zudem eine Erklärung abgeben, das die Kündigung zur Verbesserung Deines Gesundheitszustandes notwendig war.

Du bist länger als 12 Monate auf Reisen

Innerhalb einer Anwartschaftszeit, die zwei Jahre beträgt, musst Du mindestens 12 Monate versicherungspflichtig gearbeitet haben. Wenn Du also länger als ein Jahr auf Reisen bist, ist Dein Anspruch auf Arbeitslosengeld verwirkt. Wenn Du Dich jedoch vor Deiner Reise arbeitslos meldest, kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld vier Jahre bestehen bleiben. Tust Du das nicht, bleibt nach Deiner Rückkehr nur noch das Arbeitslosengeld 2, auch als Hartz IV bekannt. Die Höhe des Arbeitslosengeld 2 hängt dann von Deinen Vermögenswerten ab.

 

Zusätzlicher Tipp: Sobald Du Deine Rückkehr nach Deutschland absehen kannst, würde ich mich von unterwegs bewerben. Teile den Unternehmen mit, ab wann Du für Vorstellungsgespräche zur Verfügung stehst. Ich habe meine Bewerbungsunterlagen immer auf einem Stick und in der Dropbox gespeichert.

Hast Du noch Fragen zu dem Thema Arbeitslosengeld nach einer Reise? Dann schreib mir. Ich versuche alle Fragen zu beantworten, kann Dir jedoch keine Garantie auf Richtigkeit gewährleisten. Grundsätzlich gilt, immer beim Arbeitsamt direkt nachzufragen.

 

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende, Weltentdecker und angehende analoge Reisenomaden, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 13 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer infiziert :).

10 Responses

  1. ich bin kein Fan davon, dass der Steuerzahler Reiserückkehrer finanzieren soll. Unabhängig davon, ob man darauf anspruch hat.
    Entweder man legt sich ein finanzielles Polster an und verbraucht NICHT alles auf Reisen oder man besorgt sich schon vor Abfahrt einen Job für die Rückkehr.

    1. Reisenomadin

      Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass man ein finanzielles Polster haben sollte und sich vor der Rückkehr um einen Job kümmert. Jedoch finde ich es nicht verwerflich, wenn vorerst auf Arbeitslosengeld zurück gegriffen wird. Dafür hat man jahrelang seine Beiträge eingezahlt.

  2. Akosua

    Arbeitslosengeld 1 ist eine Versicherungsleistung. Jemand hat dafür eingezahlt also steht es ihm auch zu. Dieses Geld bekommt man ja nicht einfach so wie bei Hartz 4 als Sozialleistung, sondern nur wenn man auch tatsächlich mindestens ein Jahr in die Versicherung eingezahlt hat. Es hat also nichts damit zu tun dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen. Ein finanzielles Polster sollte natürlich trotzdem vorhanden sein. Dies erleichtert das Zurückkommen ungemein.

  3. Hallo Janine,

    ich sehe das wie Helga. Mir wäre nicht wohl bei dem Gedanken, direkt nach einer Reise Arbeitslosengeld zu beziehen, einbezahlte Beiträge hin oder her.

    1. Reisenomadin

      Hallo Norah,

      da hat jeder seine Ansicht dazu. Letztendlich ist es dein Geld, was du einbezahlt hast. Ich verstehe jedoch was du meinst und habe mich auch immer um einen Anschlussjob bemüht.

      Viele Grüße,
      Janine

  4. Joana

    Hallo, ich kündige zum 31.12.16. Fliege allerdings schon am 15.12.16 nach Australien. Mir hat man gesagt, dass ich Anspruch auf ALG 1 habe. Ich muss nur im Dezember wieder da sein und die Sperrfrist funktioniert auch wenn ich im Ausland bin.
    Du sagtest ja, dass man sich unbedingt arbeitslos melden muss!? Aber das kann ich ja gar nicht!
    Lg Joana

    1. Janine

      Hallo Joana,

      die Begebenheiten variieren von Bundesland zu Bundesland und manchmal auch von Stadt zu Stadt. Hat das dir das Arbeitsamt mitgeteilt? Ich kenne es nur, dass man sich zumindest vorher Arbeitssuchend melden muss, damit die Sperrfrist auch auf Reisen greift und man nach dem Auslandsaufenthalt unmittelbar Arbeitslosengeld bezieht.

      Ich würde das zumindest vorher genau mit denen abklären, damit du auch wirklich safe bist.

      Liebe Grüße,
      Janine

Leave a Reply