16
Aug
2015
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Auslandsjobs: Tanzchoreografin im ROBINSON Club

In meiner Interviewserie „Reisen & Arbeiten“ stelle ich hier regelmäßig Menschen vor, die im Ausland arbeiten und das mit ihrer Leidenschaft, dem Reisen, verbinden. Die Welt entdecken und dabei noch Geld verdienen? Ja, dass geht! Bei den Möglichkeiten an Auslandsjobs sind keine Grenzen gesetzt: Roland ist beispielsweise schon seit mehr als 20 Jahren als analoger Nomade unterwegs, Mel arbeitete vier Jahre als Schlittenhund-Guide in Skandinavien und Julia war auf den Meeren der Welt unterwegs. Heute stelle ich Dir Dany vor, die fünf Jahre als Tanzchoreografin im ROBINSON Club war. Wie sie an den Job heran kam, was ihre Erfahrungen waren und welche Tipps sie für Dich parat hat, erfährst Du hier:

Dany

  1. Was waren Deine Beweggründe Dich damals beim ROBINSON Club zu bewerben?

Ehrlich gesagt, hatte ich keine, denn ich habe mich nie beworben ;).

Ich bin zufällig dort gelandet. Mit einer Freundin bin ich nach Österreich in den ROBINSON Club Landskrone gereist, weil sie dort mal gearbeitet hat.

Wir haben uns auf der Musicalschule in Hamburg kennengelernt und bereiteten uns zu dem Zeitpunkt auf eine Audition vor. Wir wollten für „Cats“ vortanzen und dafür musst Du steppen können.  Für die Vorbereitung hatte meine Freundin die Idee mit ROBINSON, denn die haben einen ganz tollen Tanzsaal mit Spiegel, Stange und Co. Sie hatte die notwendigen Kontakte, somit gingen wir nach Österreich. Wir konnten also trainieren, uns vorbereiten und ein wenig Urlaub machen und das zu einem Minipreis (bei ROBINSON gibt es Mitarbeiterpreise).

Wie der Zufall es so wollte, wurde die dortige Tanzchoreografin krank. Der Club stand mit zwei Shows vor der Premiere und die waren noch nicht fertig einstudiert. Da die natürlich wussten, woher wir kamen, wurden wir gefragt, ob wir bei dem Problem nicht aushelfen könnten. Deal: Wir halfen ihnen die zwei Shows einzustudieren und über die Bühne zu bringen, dafür bekamen wir die letzten vier Wochen im ROBINSON Club gratis.

Die Shows sind richtig gut gelaufen und kamen sehr gut an.

Wir reisten dann wieder nach Hause und ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf vom ROBINSON Club Ampflwang. Die Choreografin war schwanger, somit wurde eine Stelle frei. Für die Wintersaison arbeitete ich also als Tanzchoreografin.

Wieder drei Monate später bekam ich einen Anruf, dass in Djerba – Tunesien, eine Stelle als Choreografin frei wäre. So nahmen die Dinge dann ihren Lauf.

Clubanlage

  1. Als was hast Du wo gearbeitet?

Ich habe immer als Tanzchoreografin gearbeitet. Nach Djerba, war ich in Griechenland im Club Nea Sivota und dann ging es nach Fuerteventura.

  1. Wie viele Saisons hast Du gemacht?

Ich arbeitete fünf Jahre für den ROBINSON Club, meistens von einer Saison in die Nächste.

  1. Wie sah so ein typischer Robin-Alltag bei Dir aus? 
  • Morgens um 7:30 Uhr hatte ich die erste Probe im Theater.
  • Um 08:30 Uhr bin ich zum Team-Meeting gegangen.
  • Dann hatte ich noch 15 Minuten Zeit für das Frühstück.
  • Danach gingen weitere Proben los bis zum Mittagessen.

Der Showanspruch im ROBINSON Club Esquinzo ist sehr hoch, somit fanden nicht nur Proben für Neulinge oder für neue Shows statt, sondern auch für die Bestandsmitarbeiter. Im ROBINSON Club musst du jeden Mitarbeiter, ob mit oder ohne Talent zum Tanzen, Schauspielern und/oder Singen bringen. Die Ensembles bestanden teilweise aus bis zu 60 Leuten. Die Gäste buchten teilweise ihren Urlaub im Esquinzo nur wegen den Shows. Das Musical Robin Hood, was bei uns entwickelt worden ist, wurde später sogar in Deutschland auf der Bühne etabliert.

  • Nach einer halben Stunde Mittagessen gab es die Generalprobe für die jeweils laufende Show am Abend (1 – 1 ½ Stunden).
  • Daraufhin folgten die nächsten Proben mit verschiedenen Kollegen für weitere Shows bis zum Abendessen.
  • Abends fand die Show statt.
  • Nach der Show hieß es, dass Theater aufzuräumen, Requisite helfen, eventuell noch eine Probe. Mitternachtsproben habe ich gerne gemacht, weil ich somit von der Anwesenheitspflicht befreit war. (Anmerkung: Im ROBINSON hat jeder ungefähr fünf Mal in der Woche eine Barpflicht bis Mitternacht. Was das genau ist, liest Du in diesem Post.
  • Um 00:30 Uhr ging es dann auf das Zimmer. Das war in Ordnung für mich, denn ich war das noch zu meiner Musicalzeit gewohnt. Auch dort war es völlig normal, dass man um 23 Uhr noch in Trainingsklamotten im Saal stand.

K 14_edited

  1. Was hat Dir besonders gut gefallen?
  • Das ich im Theater sein durfte.
  • Das ich die Möglichkeit hatte jeden Abend auf der Bühne zu stehen und das zu tun, was mir am Herzen lag.
  • Ich musste mich um nichts kümmern: Du gehst im Restaurant essen, du verdienst nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass das reines Taschengeld ist.
  • Es gab keinen Konkurrenzdruck wie zur Musicalzeit, als man zu Auditions musste.
  1. Was hat Dir weniger gut gefallen?

BARPFLICHT! Immer die Verpflichtung sich da täglich aufhalten zu müssen. Jeden Tag hörst Du Dir die zehn gleichen Sätze von unzähligen Gästen an.

  1. Was hat Dich geprägt und vielleicht sogar verändert?

Verändert und geprägt hat mich auf jeden Fall, dass ich meinen Mann/meine Frau stehen musste. Ich musste mich bei 60 Leuten durchsetzen, was mir am Anfang sehr schwer fiel. Anfangs dachte ich, dass sind alles erwachsene Menschen, die machen brav mit, aber Pustekuchen. Du musst Dich durchsetzen können und das konnte ich bis dato nicht. Durch ROBINSON wurde ich tougher.

Strand von Fuerteventura

  1. Warum hast Du irgendwann aufgehört?

Ich hatte irgendwann sehr viel Urlaub noch übrig und machte alleine ein Inselhopping durch die kanarischen Inseln. Ich war von meinem Freund getrennt und musste viel Nachdenken. Nach fünf Jahren merkte ich, dass ich zu vielem nicht mehr bereit war und einiges nicht mehr mit mir vereinbaren konnte. Meine Zeit war vorbei. Somit beschloss ich nach Vertragsende im Oktober zu gehen. Als ich aus meinem Urlaub wieder kam, näherten sich mein Ex-Freund und ich uns wieder an, aber es stand fest, dass ich im Herbst gehen würde. Das Clubleben macht auch sehr einsam, Geborgenheit und Nähe ist ein absolutes Defizit im Club.

Bei einer Show brach ich mir das Sprunggelenk und musste im September nach Deutschland für die OP. Ich wollte ja weiter tanzen. Vor der OP kommt die berühmte Frage: „Sind Sie schwanger?“. Ich war unsicher. Ich kann es noch nicht mal erklären warum, aber ich konnte nicht mit aller Überzeugung verneinen. Der OP-Ärztin habe ich zu lange gezögert, also schickte sie mich zum Test. Ich bekam die Ergebnisse und dann war klar „Das war´s mit der OP!“. Ich flog zurück, musste es offenbaren und dann war klar, dass ich gehen würde. Letztendlich ging ich dann im Januar. Die letzten Monate waren super. Ich habe das Beste mitgenommen, hatte keine Verpflichtungen mehr, war noch mal richtig aufgeblüht und freute mich auf meine Rückkehr. Die Zeit war so entspannt, wie die fünf Jahre zuvor nicht.

Mein Freund beendete noch die Saison und kam zu mir nach Deutschland. Clubleben ist anders als Alltag in Deutschland. Das mussten wir für uns erst herausfinden, wie das funktioniert ;).

Dany in Action im Robinson Club

  1. Kannst Du es Dir für die Zukunft noch mal vorstellen?

Nein! Ich könnte mir höchstens vorstellen in der Saison für zwei Wochen zu unterstützen. Aber nur in den Bereichen, die mir richtig Spaß machen, ohne diese Zusatzverpflichtungen, die Dir auferlegt werden als Robin.

  1. Was würdest du anderen empfehlen, die sich für ROBINSON entscheiden?
  • Verwehr Dich dem Alkohol! Du wirst schnell dazu verleitet im Club.
  • Schau, dass Du genügend Schlaf bekommst. Es macht Dich sonst krank und kaputt.
  • Gehe nicht jede Nacht in den Night Club und lass Dich nicht zu Geschichten verleiten, weil es gerade Hip ist. Viele Dinge würdest Du in Deutschland auch nicht machen. Bleib den Gruppenzwang gegenüber standhaft und vergiss Dich selbst nicht dabei.
  • Achte auf Deine Gesundheit!

ROBINSON ist eine Erfahrung wert, es macht richtig viel Spaß, aber Gesundheit ist das A und O.

 

 

 

 

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende, Weltentdecker und angehende analoge Reisenomaden, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 13 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer infiziert :).

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