26
Okt
2015

Ein Traumjob? Als Flugbegleiterin um die Welt! 13 Fragen an Franzi

Was gibt es geileres, als die schönsten Orte der Erde zu bereisen und dafür auch noch bezahlt zu werden? In meinem heutigen Interview zu der Serie Reisen & Arbeiten stand mir Franzi von Coconut Sports Rede und Antwort. In den letzten sechs Monaten bereiste sie 19 Länder. Vom klassischen Büroalltag entschied sie sich für die Fliegerei und erfüllte sich damit ein Kindheitstraum. Sie erzählt von ihrem Alltag, berichtet über skurrile Situationen und wie sie mit Flugzeugkatastrophen, wie zum Beispiel der Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015 umgeht.

Franzi Profilbild Malibu Beach

  1. Wie bist Du dazu gekommen Flugbegleiterin zu werden?

Flugbegleiterin zu werden war immer so ein Kindheitstraum von mir, den ich aber nie verwirklicht und irgendwann verworfen habe. Ich dachte immer, ich müsste den klassischen Weg einschlagen: Abi, Studium, Arbeit. Aber mit der Zeit habe ich mich im Büro einfach immer mehr gefangen gefühlt. Obwohl ich einen tollen Job und nette Kollegen hatte, dachte ich mir oft: „Jetzt sitzt du hier, bis du stirbst.“ Ich wollte einfach so viel wie möglich von der Welt sehen, und dafür haben die paar Urlaubstage im Jahr nicht gereicht.

Als ich dann die Ausschreibung meiner Airline für ein Teilzeitmodell sah, habe ich mich spontan beworben. Jetzt besteht nicht nur mein Job zu einem großen Teil aus Reisen. Ich habe auch noch richtig viel Zeit, länger unterwegs zu sein und dabei selbständig zu arbeiten.

  1. Welche Voraussetzungen und Qualifikationen muss man dafür mitbringen? (Alter, Gewicht, Ausbildung, sonstige Qualifikationen etc.)

Das hängt ganz von der Airline ab. Ein Schulabschluss ist immer Voraussetzung – eine abgeschlossene Ausbildung wird von den Fluggesellschaften aber oft nur empfohlen. Die Mindestgröße liegt meistens bei 1,60 Meter – auf Kurzstreckenfliegern wird manchmal ein bisschen weniger verlangt. Voraussetzung für den Job sind natürlich auch sehr gute Englischkenntnisse – jede weitere Sprache ist ein Pluspunkt.

Viele Airlines, vor allem die asiatischen und arabischen, stellen tendenziell eher junge Flugbegleiter ein. Bei den europäischen Gesellschaften ist das Alter (von der Volljährigkeit mal abgesehen) allerdings eher nebensächlich. Das Gewicht muss sich im gesunden Rahmen bewegen. Zu dick sollte man natürlich nicht sein. Zum einen, weil man sich im engen Flugzeug viel bewegen muss. Aber auch, weil die Fliegerei für Übergewichtige eine besonders große gesundheitliche Belastung darstellt. Zu niedrig darf der BMI allerdings auch nicht liegen. Da gehen die Fliegerärzte gern davon aus, dass man für die oft körperlich anstrengende Arbeit nicht geeignet ist. Insgesamt wird auf ein gepflegtes Äußeres sehr viel Wert gelegt.

Viel wichtiger als diese Rahmenbedingungen sind aber die Softskills, die beim psychologischen Teil des Einstellungstests geprüft werden. Als Bewerber habt Ihr im Idealfall eine hohe Sozialkompetenz, eine gute Ausdrucksweise, Improvisationstalent und Nerven wie Drahtseile. Wichtig sind natürlich auch Teamfähigkeit, Durchsetzungskraft und eine positive Grundeinstellung.

Hier beginnt und endet Franzis Arbeitstag. Bei der Condor arbeite ich übrigens nicht,

Hier beginnt und endet Franzis Arbeitstag. Bei der Condor arbeite sie übrigens nicht.

  1. Wie sieht Dein Alltag bei Dir aus? (Aufgaben, Arbeitszeiten, wie viele Tage bist Du zu Hause bzw. on the road etc.)?

Die Flüge selbst laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Auf Langstrecke gibt es den Cocktail, dann Getränke- und Essenservice, gegebenenfalls Zwischenservice und zum Schluss den zweiten Service. Zwischendurch hat die eine Hälfte des Teams Wache, die andere Pause – danach wird gewechselt. Auf Kurzstrecke fliegen wir mehrere Legs am Tag, meistens zwei bis maximal vier. Dabei gibt es oft nur einen Getränkeservice und – je nach Flugzeit – einen kleinen Snack oder sogar ein warmes Essen. Die Layover gehören zur bezahlten Arbeitszeit. Verpflichtungen haben Flugbegleiter in dieser Zeit aber keine.

In meinem Teilzeitmodell werde ich auf Anschlag geplant. Trotzdem habe ich pro Monat ca. 15 Tage komplett frei. Die restliche Zeit bin ich im Flugzeug oder im Layover. Die Mindest- und Maximalflugstunden sowie die Ruhezeiten unterscheiden sich allerdings von Airline zu Airline. Bevor man sich bewirbt, sollte man sich da gut informieren.

  1. Welche Länder hast Du aufgrund Deines Jobs zu schon bereist?

In den letzten sechs Monaten war ich in Kanada, USA, Brasilien, Mexiko, China, Japan, Südkorea, Indien, Dubai, England, Bulgarien, Norwegen, Finnland, Griechenland, Spanien, Türkei, Ungarn, Frankreich und in verschiedenen deutschen Städten.

Nach Sao Paulo fliegt sie wahnsinnig gerne, vor allem wegen der Surfstrände.

Nach Sao Paulo fliege sie wahnsinnig gerne, vor allem wegen der Surfstrände.

  1. Du hast ein bestimmtes Teilzeitmodell. Wie sieht das genau aus?

Ich fliege im Sommer sechs Monate Vollzeit und habe im Winter sechs Monate komplett frei. Mein Teilzeitgehalt bekomme ich über die vollen zwölf Monate. Spesen und Schichtzulage natürlich nur in der aktiven Zeit.

  1. Wie verbringst Du die restliche Zeit?

Diesen Winter fliege ich zuerst mit meinem Freund nach Bali und danach alleine weiter auf die TBEX nach Bangkok. Danach geht es für zwei Monate nach Indien, wo ich für eine Organisation bloggen werde. Weihnachten und Silvester möchte ich auf jeden Fall im schönen München verbringen und so oft wie möglich Skifahren gehen. Anfang 2016 steht noch eine längere Südostasienreise an. Aber natürlich will ich während der freien Monate auch meine Selbständigkeit und meinen Blog Coconut Sports weiter voranbringen.

Unterwegs im Norden von Vancouver. Kanada liebt sie ganz besonders.

Unterwegs im Norden von Vancouver. Kanada liebt sie ganz besonders.

  1. Wie gehst Du mit Flugzeugkatastrophen (Beispiel: Germanwings) um? Entwickeln sich dadurch zum Beispiel Phobien bei Dir?

Die Germanwings-Katastrophe hat mich schon sehr getroffen und ich habe sehr mit den Opfern und ihren Angehörigen gelitten. Auf das Fliegen hat sich der Vorfall bei mir aber zum Glück nicht ausgewirkt. Ich habe absolut keine Flugangst und kann sogar besser schlafen, wenn es ein bisschen wackelt.

  1. Gab es bei Dir schon einmal eine brenzlige Situation?

Ich habe bisher nur erlebt, dass der Pilot bei der Landung durchstartete und das Flugzeug zu einem anderen Flughafen umgeleitet werden musste. Aber brenzlig waren beide Situationen nicht. Ansonsten habe ich zum Glück noch nie etwas Gefährliches erlebt. Ich drücke die Daumen, dass es so bleibt.

  1. Hast Du Tipps für andere, die Flugangst haben?

Oft hilft es den Gästen schon sehr, wenn sie sich jemandem anvertrauen. Das kann ein Flugbegleiter sein oder auch der Sitznachbar. Wenn es bestimmte Geräusche oder Turbulenzen sind, die Euch nervös machen: Fragt einfach mal nach, was los ist. Oft können Euch die Flugbegleiter erklären, wodurch die Bewegungen oder die Geräusche gerade zustande kommen. Wenn nicht, können sie im Cockpit nachfragen. Meistens sind die Gäste schnell beruhigt, wenn sie wissen, dass wir gerade nur ein paar Wolken durchfliegen oder ein anderes Flugzeug an uns vorbeigezogen ist.

Die luxuriösen Hotels gehören zu den schönsten Seiten des Jobs.

Die luxuriösen Hotels gehören zu den schönsten Seiten des Jobs.

  1. Was hilft Dir gegen den Jetlag?

Ehrlich gesagt: Nichts. Ich habe ja nie lange Zeit, mich an eine neue Zeitzone zu gewöhnen. Da hilft es einfach nur, den Jetlag zu akzeptieren. Ich lege mich lieber direkt nach dem Flug ein paar Stunden hin, anstatt mich künstlich wachzuhalten und bis abends wie ein Zombie durch die Gegend zu steuern. Wichtig ist nur, für die Nacht immer genug zu essen und zu trinken mitzunehmen bzw. vor Ort einzukaufen. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als um zwei Uhr morgens mit knurrendem Magen aufzuwachen und nicht mal ein paar Kekse im Gepäck zu haben.

  1. Was gefällt Dir besonders gut an dem Job und was weniger?

Der Job hat schon sehr viele Vorteile: Ich darf ständig die aufregendsten Orte der Welt bereisen, bekomme Spesen und ein luxuriöses Hotelzimmer. Außerdem habe ich viel Freizeit und kann sehr günstig fliegen und Reisen buchen. Wenn ich shoppen gehen möchte, fliege ich nach New York. Wenn ich Party machen möchte, fliege ich nach Shanghai. Und wenn ich Lust auf ein Curry habe, fliege ich nach Mumbai. Dabei lerne ich unglaublich viele spannende Menschen kennen, denn die Crews werden für jeden Flug neu zusammengewürfelt.

Nicht so schön finde ich, dass ich sehr viel von zu Hause weg bin. Im Urlaub oder auf Reisen hatte ich noch nie Heimweh. Im Layover wünsche ich mich aber schon oft nach Hause zurück, wenn ich abends alleine im Hotelzimmer sitze. Außerdem kann man schlecht planen, weil der Dienstplan relativ spät veröffentlicht wird. Ich habe durch den Job schon viele Geburtstage verpasst und musste oft Freunden absagen. Durch den Jetlag und die ungewöhnlichen Arbeitszeiten bin ich auch daheim oft müde und kann mich nicht aufraffen, zum Sport oder überhaupt vor die Tür zu gehen. Dann vermisse ich manchmal einen ganz normalen Alltag – aber man kann nun mal nicht alles haben.

New York - ihre große Liebe. Hier würde sie gerne mal länger leben.

New York – ihre große Liebe. Hier würde sie gerne mal länger leben.

  1. Gibt es auch skurrile Anekdoten? (z.B. häufige Fragen, witzige, nervige oder schräge Situationen)

Eigentlich ständig. Neulich hat ein Gast den Reset-Knopf am Bildschirm abgeklebt, um sich ein Upgrade in die Business Class zu erschleichen (wie unauffällig). Ein Inder hatte mich mal aufgefordert, sein Nackenkissen für ihn aufzublasen – nachdem er zuvor schon zehn Minuten vergeblich daran rumgelutscht hatte. Meine entgeisterte Reaktion („Sir, I cannot do this!“) fand er vollkommen unverständlich. Skurrile Fragen kommen aber auch immer wieder. Ein paar Klassiker:

Gast: Is it vegetarian?

Ich: No, it`s chicken.

Gast: Yes, but is it vegetarian?
Gast: It`s very hot in here. Could you please open the window for me?

Ich: …

Gast (zeigt aus dem Fenster nach unten): Ist das der Mond?

Gast: Ich hätte gerne das Rind.

Ich: Das Rind ist leider aus, ich kann Ihnen nur noch die Pasta anbieten.

Gast: Können Sie nicht schnell noch eins zubereiten?

Gast: Könnten Sie den Piloten bitten, etwas ruhiger zu fliegen?

Ich: …

  1. Welche Tipps hast Du für andere, die den selben Weg einschlagen möchten?

Wenn Ihr Euch selbst als Flugbegleiter bewerben möchtet, würde ich Euch auf jeden Fall empfehlen, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Die Situation in der Fliegerei ist aktuell so unsicher. Alles tendiert in Richtung Billigfliegen und viele Fluggesellschaften stehen kurz vor der Pleite. Deshalb ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sich die Jobsituation und auch die Arbeitsbedingungen für Flugbegleiter in den nächsten Jahren immer weiter verschlechtern werden. Ihr solltet also unbedingt ein Studium oder eine Ausbildung in der Tasche haben, sodass Ihr im Ernstfall nicht ohne Perspektiven da steht.

Außerdem würde ich Euch ganz dringend von den Golf-Carriern abraten. Auch wenn die hohen Gehälter und das bequeme, steuerfreie Leben in den Emiraten verlockend erscheinen – die Arbeitsbedingungen sind eine Katastrophe.

 

Kannst Du es Dir vorstellen Flugbegleiterin zu sein? Was wäre Dein absoluter Traumjob, dass Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden?

 

8 Responses

  1. Ein super interessanter Artikel über einen ziemlich spannenden Job! Ich glaube, dass jedes Mädel irgendwann einmal davon träumt Flugbegleiterin zu werden. Mir ging es damals ähnlich, als ich nach einer Möglichkeit gesucht habe, das Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden. Ich habe mich dann allerdings für ein Kreuzfahrtschiff entschieden und bin auf hoher See anstatt in der Luft gelandet. Die skurrilen Fragen kommen mir allerdings sehr, sehr bekannt vor. Ich erlebe tagtägliches Ähnliches 🙂
    Alles Liebe,
    Julia

    1. Reisenomadin

      Danke liebe Julia ☺! Da hast du wohl Recht. Vor über 12 Jahren bewarb ich mich auch mal bei einer Fluggesellschaft. Das hatte aber nicht geklappt. Letztendlich landete ich im Clubhotel 😉. Durch meine jahrelangen Erfahrungen in der Hotellerie kommen mir solche Fragen und weitere skurrile Erlebnisse sehr bekannt vor 😂.

      Liebe Grüße,
      Janine

  2. Gast: It`s very hot in here. Could you please open the window for me? <– ein echter Klassiker, hätte nicht gedacht das diese Frage tatsächlich mal gestellt wird.

    Viel Spass noch beim Fliegen
    Olli

  3. Tolles Interview! Eine Freundin von mir ist auch Flugbegleiterin und ich habe ihr den Link zum Artikel weiter geschickt und sie konnte sich in vielen der ANtworten wieder finden 🙂

    Liebe Grüße,
    Martin

    1. Reisenomadin

      Hallo Martin,

      Danke dir :)! Habe schon von anderen Flugbegleiterin gehört, dass sie sich 1 zu 1 hineinversetzen können ;).

      Liebe Grüße,
      Janine

  4. Tolles Interview! Ich habe mich über die skurilen Fragen köstlich amüsiert. Ein „vegetarian chicken“ hatte ich übrigens tatsächlich mal in Laos auf einer Speisekarte entdeckt und bestellt. Nicht ganz klar war mir danach, ob das Huhn Regenwürmer verschmäht hat oder ob einfach Hühnchen mit Gemüse gemeint war… 🙂

    Nebenbei: Wenn ein Flugzeug so nahe vorbeifliegt, dass man es hören kann, dann finde ich, dass das schon etwas besorgniserregend ist.

    Gruss,
    Oli

    1. Hi Oli,

      Ja die Fragen sind super und mancher Gast ist einfach zu geil ☺. Habe einige Jahre in der Hotellerie gearbeitet und kann auch die eine oder andere Anekdote erzählen 😉.

      LG,
      Janine

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