12
Okt
2015
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Erfahrungsbericht Ayurvedakur in Indien – Teil 1

Als ehemalige Ayurveda Therapeutin stand eine Panchakarma, sprich eine traditionelle Ayurvedakur in Kerala, schon lange auf meiner Bucket List. Die meisten Behandlungen kenne ich einzeln, habe jedoch nie eine Kur erfahren. Aufgrund meines gesundheitlichen Zustands zog ich die Reißleine, kündigte meinen Job und wollte die willkommene Auszeit sinnvoll nutzen, um wieder auf die Beine zu kommen. Anfang August buchte ich spontan meinen Trip ins Somatheeram Ayurvedic Health Resort, das als Ayurveda Hospital klassifiziert ist und die mehr als 3.000 Jahre alte Lehre authentisch und ursprünglich ausführt. Wenn schon Ayurveda dann richtig, dachte ich mir.

Tropisch, grün und paradiesisch ist das Somatheeram Ayurvedic Health Resort

Tropisch, grün und paradiesisch ist das Somatheeram Ayurvedic Health Resort

Der wunderschöne Strand direkt vom Somatheeram

Der wunderschöne Strand direkt vom Somatheeram

Über das Visum für Indien machte ich mir trotz meiner kurzfristigen Buchung keine Gedanken, denn seit der Einführung des e-TV (Tourist Visa on Arrival) letzten November, kannst Du das Visum binnen vier Tagen erhalten.

Noch am Tag der Anreise beginnt meine Kur. Am Nachmittag treffe ich meine zuständige Ärztin Dr. Sreelatha, Director Ayurveda, für die Erstkonsultation. Sie führt die Pulsdiagnose durch und trifft mit ihrer Diagnose direkt ins Schwarze – ohne jegliche Hintergrundinformationen über mich zu haben. Der Grund warum ich im Somatheeram bin ist unter anderem mein Burnout, meine Migräne und Schlafstörungen.

Treffpunkt für die ärztliche Konsultationen und den ayurvedischen Behandlungen im Somatheeram

Treffpunkt für die ärztliche Konsultationen und den ayurvedischen Behandlungen im Somatheeram

Meine Ärztin Dr. Sreelatha führt die Pulsdiagnose bei mir durch.

Meine Ärztin Dr. Sreelatha führt die Pulsdiagnose bei mir durch.

Nach dem Ausfüllen meines Anamnesebogens folgen weitere ausführliche Gespräche. Sie stellt Fragen wie, welche Geschmacksrichtungen ich beim Essen bevorzuge, ob ich unter Alpträumen leide, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalte etc. Nicht unerheblich bei der Feststellung meiner Konstitution und meiner „Störung“. Wenn ich von Konstitution spreche, meine ich die drei Doshas im Ayurveda, die unser Ich bestimmen: Vata (Luft + Äther), Pitta (Feuer) und Kapha (Wasser + Erde). Jeder von uns hat diese drei Doshas in sich, wobei das eine oder andere mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Zum Beispiel bin ich von Grund auf ein Pitta-Vata-Typ. Doch durch falsche Ernährung, Lifestyle oder Gewohnheiten entsteht über kurz oder lang ein Ungleichgewicht, somit ist eine der Konstitutionen stärker ausgeprägt und kann Beschwerden oder Krankheiten hervorrufen. Mehr zu dem Thema „Ayurveda“ findest Du in diesem Beitrag. In meinem Fall ist mein Vata zu hoch. Ursprünglich buchte ich eine Stress Management Kur, doch aufgrund meines Befindens schlägt die Ärztin eine Mischung aus Body Purification und Stress Management vor.

Kurze Zeit später erstellt sie einen individuellen Therapie- und Diätplan für mich. Die nächsten zehn Tage sind geprägt von ayurvedischer Kräutermedizin, therapeutischen Behandlungen (3 – 4 Stunden), Yoga und einer schmackhaften, abwechslungsreichen Ernährung. Zigaretten, Alkohol oder Süßkram sind hier tabu. WLAN gibt es nur, und das mehr schlecht als Recht, in der Lobby. Das ist gewollt. Hier soll sich jeder auf die Kur konzentrieren. Für mich sind die ersten Tage eine Herausforderung.

Der Artikel beschreibt mein auf mich abgestimmten Behandlungsplan und mein subjektives Befinden dabei. Die Art der Anwendungen sind bei jedem unterschiedlich, ebenso wie der gesundheitliche Zustand und die Wirkungsweisen.

  1. Tag

Befinden: mittelmäßig, Jetlag, müde, erschöpft

Symptome/Nebenwirkungen: keine

  1. Behandlung: Kopfmassage und General Massage mit Kräuteröl mit anschließendem 20-minütige Stirnölguss (Shirodhara)

Am Ankunftstag bin ich durch den Schlafmangel gerädert. Nach der Erstkonsultation soll ich heute zum Ankommen erst einmal nur eine Kopf- und General Massage mit einem kleinen Stirnölguss erhalten. Bindu, meine zuständige Ayurvedatherapeutin, wird hauptsächlich die ayurvedischen Behandlungen bei mir durchführen. Vor jeder Anwendung spricht sie ein Mantra, das meine Genesung fördern soll und macht dazu noch ein Räucherstäbchen an. Ich bin gerade so fertig, dass es mir egal ist, was mit mir passiert. Ich genieße einfach nur. Beim Shirodhara schlafe ich fast ein.

Zum Abendessen futtere ich mich durch die gesamte Küche, denn ab morgen gilt mein Ernährungsplan.

Das Restaurant im Somatheeram Ayurvedic Health Resort

Das Restaurant im Somatheeram Ayurvedic Health Resort

Die fantastische und abwechslungsreiche Küche im Ayurveda.

Die fantastische und abwechslungsreiche Küche im Ayurveda.

  1. Tag

Befinden: schlecht, extreme Müdigkeit, Schläfrigkeit und Erschöpfung

Symptome/Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Migräne, Appetitlosigkeit

  1. Behandlung: Ghee trinken (Snehapanam), General Massage, Ölbad (Pizhichil), Kräuterbad (Herbal Dhara)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara), Nasenreinigung mit Ghee (Nasyam)

Ab heute muss ich morgens und abends Medizin einnehmen und habe zwei Behandlungen am Tag. Dazu gehört auch Ghee trinken (igitt!), um die Toxine auszuspülen. Ghee ist geklärte Butter, die in dem Fall medizinisch angereichert ist. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber was tut man nicht alles für die Gesundheit. Meine erste Behandlung heißt Pizhichil (ein Ölbad). Zur Vorbereitung darauf gibt mir Bindu eine Kopf- und Ganzkörpermassage. Eine zweite Therapeutin kommt hinzu. Rhythmisch gießen mir beide warmes Kräuteröl über meinen Körper. Ein unglaublich schönes und wohliges Gefühl.

Nachmittags habe ich wieder einen Shirodhara. Ich bin völlig tiefenentspannt, so dass ich kurz weg nicke. Hinterher wird mir zur Behandlung meiner Migräne zusätzlich Ghee in die Nase eingeflößt. Nach der Behandlung machen sich starke Kopfschmerzen breit, die sich bis zum Abend zur Migräne entwickeln. Auch meine Haut reagiert und ich kriege durch die Öle einen Neurodermitis-Schub. Ich bin völlig gelähmt, übermüdet, habe Schmerzen, die Haut brennt und ich liege bis zum nächsten Morgen komplett flach. Das Abendessen lasse ich ausfallen.

So schön die Behandlungen sind, aber es ist auch sehr intensiv und anstrengend. Der Körper fängt jetzt schon an zu entgiften und es zeigen sich heftige Nebenwirkungen.

Indien Stirnölguss

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: So sieht das Ganze aus, wenn die Nase gereinigt wird.

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: So sieht das Ganze aus, wenn die Nase gereinigt wird.

  1. Tag

Befinden: schlechter, extreme Müdigkeit, Schläfrigkeit und Erschöpfung

Symptome/Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Migräne, Neurodermitis (Gesicht, Hals, Arme), Appetitlosigkeit

  1. Behandlung: Snehapanam (Ghee trinken), General Massage, Pizhichil (Ölbad), Herbal Dhara (Kräuterbad)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara), Nasyam (Nasenreinigung mit Ghee)

Um 7:30 Uhr klingelt mein Wecker. Ich bin total gerädert. Obwohl ich keinen Hunger verspüre, zwinge ich mich ins Restaurant. Ich fühle mich total mies. Mir ging es schon in Deutschland schlecht, aber dass das noch getoppt werden kann….  Als ehemalige Ayurveda Therapeutin ist mir die Erstverschlimmerung bekannt, habe sie aber nie am eigenen Leib erfahren. Ich muss gestehen, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass es so schlimm ist und es mich so aus den Latschen wirft. Das kann aber bei jedem anders verlaufen! Im Moment denke ich gerade nur, ich will nach Hause in mein Bett.

Nach dem Essen beginnt meine erste Behandlung. Bevor diese losgeht, hat man immer eine kurze Besprechung mit dem Arzt. Ich berichte ihr von meinem Zustand. Sie ändert den Behandlungsablauf ein wenig ab. Der Körper darf nicht zu gestresst sein. Ich erhalte die gleiche Anwendung wie am Vortrag, nur dass ich statt mit warmem Kräuteröl mit Buttermilch übergossen werde. Das beruhigt und kühlt die Haut.

Sie meint, der Zustand sei völlig normal. Der Körper entgiftet, alle Beschwerden die ich habe verschlimmern sich gerade. Wenn ich müde bin, soll ich dem nachgeben. Mein Körper holt sich das was er braucht. Dabei wollte ich doch jeden Tag zum Yoga, zur Meditation und ans Meer. Doch die vier Stunden Behandlungen am Tag haben es in sich. Ich habe keine Kraft und bin nur fertig.

Nach der Anwendung verspüre ich leichte Kopfschmerzen. Am Nachmittag habe ich wieder eine Kopfmassage, einen Shirodhara mit anschließendem Nasyam (Ghee in der Nase). Nach dieser Anwendung sind die Kopfschmerzen weg. Aber ich bin wieder total platt und müde. Die 125 Stufen zur Rezeption und zum Restaurant sind ein Kraftakt. Auch heute lasse ich das Abendessen wieder ausfallen.

© Somatheerem Ayurvedic Health Resort: Herbal Dhara, der Kräuterguss, ausgeübt mit warmen Öl oder Buttermilch

© Somatheerem Ayurvedic Health Resort: Herbal Dhara, der Kräuterguss, ausgeübt mit warmen Öl oder Buttermilch

  1. Tag

Befinden: besser als gestern, immer noch müde und erschöpft, mattes Kopfgefühl

Symptome/Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Neurodermitis, Appetitlosigkeit

  1. Behandlung: Snehapanam (Ghee trinken), General Massage, Pizhichil (Ölbad), Herbal Dhara (Kräuterbad)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara), Nasyam (Nasenreinigung mit Ghee)

Heute wache ich zum ersten Mal vor dem Wecker auf. Ich sehe aus wie ein Streuselkuchen bzw. als ob ich Masern hätte. Nach vielen Jahren ist meine Neurodermitis im Gesicht, am Hals und den Armen komplett ausgebrochen. Schrecklich sieht das aus! Meine Haut brennt, juckt und tut weh. Das Kräuteröl ist zu aggressiv für meine sensible Haut. Auf irgendetwas reagiere ich allergisch.

Doch erst einmal frühstücken, bevor ich mit der Ärztin spreche. Es gibt Banana Stew, ein unglaublich leckerer Brei. Danach stehen auch heute wieder Pizhichil (Buttermilchbad) und am Nachmittag Kopfmassage, Shirodhara und Nasyam auf dem Plan. Die Ärztin gibt mir eine weitere Medizin zum Trinken für meine Neurodermitis. Statt Kräuteröl, dürfen nur noch pflanzliche Öle wie Kokosöl an meiner Haut. Das Ölbad wird wieder mit Buttermilch durchgeführt. Na, ich bin mal gespannt, ob das alles besser wird. Aber heute habe ich zum ersten Mal zumindest keine Kopfschmerzen mehr.

Das Wetter ist traumhaft schön. Ich raffe mich auf, um endlich einmal ans Meer zu gehen. Ich laufe durch die Anlage und halte sämtliche Eindrücke mit meiner Kamera fest. Mir zeigt sich eine unglaubliche Fauna. Und wenn man sich ganz still verhält zeigen sich auch seltene Tiere.

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: General Massage

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: General Massage

Hängematte und Schaukel....

Hängematte und Schaukel….

  1. Tag

Befinden: etwas besser als gestern, immer noch sehr müde und erschöpft

Symptome/Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Neurodermitis (besser), Bauchschmerzen, Durchfall

  1. Behandlung: Snehapanam (Ghee trinken), General Massage, Pizhichil (Ölbad), Herbal Dhara (Kräuterbad)
  2. Behandlung: Fußreflexmassage, Kopf- und Schultermassage

Um 6 Uhr morgens reißen mich laute Bässe aus dem Schlaf – trotz Ohropax. Ich habe das Gefühl auf dem „indischen Wacken“ zu sein. Ab heute beginnt (unglücklicherweise) das Church Festival, ein Fest der Katholiken, am Strand direkt vorm Somatheeram, das genau sieben Tage anhalten soll und durchgehend von circa 5 Uhr in der Früh bis 21 Uhr abends Musik spielt. Wer feiert denn bitte morgens um so eine inhumane Uhrzeit? Du würdest jetzt wahrscheinlich sagen, feier doch einfach mit, aber da es ein religiöses Festival ist, ist es uns Touristen leider untersagt daran teilzunehmen. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren. Ein wenig ärgerlich, denn eigentlich bin ich hier, um wieder runterzukommen, Kraft zu tanken und vor allem Ruhe zu finden. Schauen wir mal wie es wird … .

Morgens nach dem Aufstehen verspüre ich ein heftiges Bauchgrummeln, das sich durch den ganzen Tag zieht. Den Rest erspare ich Dir an dieser Stelle. Wie jeden Morgen darf ich wieder Ghee und meine Medizin trinken. Ich schaue in den Spiegel und sehe, dass mein Neurodermitis allmählich zurückgeht. Na immerhin und puuhhh, Gott sei Dank! Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, weil mir in normalerweise nur noch Kortison hilft und ich habe in meinen 33 Lebensjahren schon einiges probiert.

Heute erhalte ich zum letzten Mal Pizhichil (Ölbad), wo mich drei Therapeuten mehrfach mit heißer Buttermilch übergießen. Hinterher verspüre ich wieder Kopfschmerzen und bin fix und foxi. Ich esse eine Kleinigkeit und lege mich direkt danach hin. Ich schlafe bis zur zweiten Anwendung um 16 Uhr. Bindu verpasst mir wieder eine Kopf- und Nackenmassage und gibt mir danach mit einer weiteren Therapeutin eine Synchron-Fußreflexzonenmassage. Die Kopfschmerzen sind passé.

Ich liebe Fußmassagen! Die bringen mich immer so wunderbar runter.

Wie verläuft die restliche Kur? Werden meine Beschwerden der Vergangenheit angehören? Erfahre es im zweiten Teil. Hast Du vielleicht auch schon mal eine Ayurvedakur gemacht oder ziehst es in Betracht? Teile mir gerne Deine Gedanken dazu mit!

Die Ayurvedakur wurde freundlicherweise durch das Somatheeram Ayurvedic Health Resort unterstützt. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für diese wundervolle Erfahrung! Meine Meinung und Erfahrung sind meine eigenen.

 

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