20
Apr
2015
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Marokko Wüstentour durch das Atlas Gebirge in die Sahara

Um 7 Uhr morgens fahren wir mit dem Van los. 356 Kilometer liegen bis zu unserem Ziel vor uns. Aus Marrakesch bestaunen wir in der Sonne den schneebedeckten Atlas. Wir fahren etliche Kilometer ins Gebirge, an abenteuerlichen Schluchten vorbei, die einen hoffen lassen, nicht abzustürzen bei der verrückten Fahrweise. Es erinnert mich ein wenig an Autoscooter. Wir fahren an Dörfern und Berbern vorbei. Jedes kleine Dorf hat seine eigene Moschee, in der auch gleichzeitig Kinder unterrichtet werden. Hier lernen sie die Basics wie Lesen und Schreiben und natürlich auch den Koran. Die Fahrt führt weiter über den Tizi n`Tichka Pass, der mit seinem 2.260 Metern der höchste Gebirgspass im Hohen Atlas darstellt. Auf der Strecke halten wir immer wieder an traumhaften Aussichtspunkten. Die Kulisse ist einmalig und die frische Luft tut nach der Großstadt Marrakesch richtig gut.

Tizi n`Tichka Pass im Atlas Gebirge

Tizi n`Tichka Pass im Atlas Gebirge

 

© Jaro Pustul: Berber Dorf

© Jaro Pustul: Berber Dorf

 

Im Atlasgebirge liegt noch Schnee :)

Im Atlasgebirge liegt noch Schnee :)

 

Aït Ben Haddou

Unser erstes Ziel ist Aït Ben Haddou. Es ist ein uraltes Dorf, das nicht nur seit 1987 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt ist, sondern als Drehort für viele zahlreiche Hollywoodfilme und Serien diente wie: Gladiator (2000), Die Mumie (1999), Prince of Persia (2010) oder Game of Thrones (2012). Das Dorf erinnert mich an eine riesige Sandburg. Um dahin zu gelangen müssen wir den Fluss auf Steinen überqueren.

Der Ort wirkt unwirklich. Kein Wunder, dass diese Lehmbausiedlung die ideale Filmkulisse für Abenteuerfilme darstellt. Durch den Boom der Filmindustrie wurden die jahrhunderte alten Bauten im Laufe der Zeit restauriert. In einer der verschachtelten Wohnungen genießen wir einen marokkanischen Minztee und fühlen uns ein wenig wie in Gladiator.

An dem höchsten Aussichtspunkt der Stadt hat man Ausblick auf ein atemberaubendes Panorama der gesamten Gegend, den Felsen und grünen Oasen. Die imposante Landschaft lässt einen verstummen.

Weg nach Aït Ben Haddou

Der steinige Weg über den Fluss nach Aït Ben Haddou

 

© Jaro Pustul: Aït Ben Haddou in Marokko

© Jaro Pustul: Aït Ben Haddou

 

Ich in Aït Ben Haddou

Ich in Aït Ben Haddou

 

Ausblick von Aït Ben Haddou ins Tal

Ausblick von Aït Ben Haddou ins Tal

 

Ouarzazat

Die gerade mal 30-kilometer entfernte Filmstadt ist die Größte in Marokko. Neben dem Filmmuseum finden sich hier auch die Atlas Corporation Studios. In Quarzazat nehmen wir ein kleines Mittagessen zu uns, bevor es weiter zur letzten Stadt vor der Sahara Wüste geht.

Zagora

Die im Süden liegende Stadt Marokkos ist eine Oase aus Dattelpalmen. Es ist der letzte Halt, bevor wir auf die Kamele übersiedeln und bei Mondlicht in die Sahara Wüste zu den Nomaden reiten. Auf einem schaukelnden Kamelrücken zieht unsere kleine Karawane Richtung Zelt. Wie es sich für eine Wüste gehört gibt es keine Toiletten oder fließendes Wasser. Zumindest war es bei den Damen der Fall, die Herren hatten in ihrem „Bad“ große Wasserkanister. Bei uns waren sie leer. Über die vorhandene Elektrizität war ich sehr erstaunt. Da wir nur eine Nacht in der Wüste verbrachten, waren wir nicht allzu weit von der Zivilisation entfernt, so dass Stromleitungen zu den Zelten verlegt worden sind. Obwohl wir 1 bis 1 ½ Stunden mit dem Kamel ritten, legen diese Tiere keine weiten Strecken zurück. Kameltouren gehen maximal vier Stunden am Tag, dabei legen die Tiere gerade mal 12 Kilometer zurück. Das erklärt auch, warum man von weitem auch noch die Lichter der Stadt erkannte. Das Zeltlager bot mehr Komfort als ich erwartet hätte. Wer das sogenannte Wild Camping sucht, sollte für mehrere Tage eine Expedition in die Wüste machen. Denn dann geht es tiefer in die Sahara, wo Elektrizität und Co. in jedem Fall ausgeschlossen sind.

© Jaro Pustul: Das war mein Kamel :).

© Jaro Pustul: Das war mein Kamel :).

 

In der Sahara Wüste

Angekommen nach dem langen Tag gibt es erst einmal leckeren Minztee. Die Berber bereiten unser Abendessen zu. Es gibt das traditionelle, marokkanische Gericht Tajine. Für mich sogar extra vegetarisch zubereitet, denn ursprünglich ist es ein Fleischgericht. In Marrakesch selber habe ich so gute Tajine bislang nicht gegessen.

Die Nomaden machen unter dem gewaltigen Sternenhimmel ein Lagerfeuer und musizieren für uns. Es kann kaum romantischer sein. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und wir lauschen den Klängen auf Berber-Teppichen.

Berber musizieren für uns in der Wüste

Berber musizieren für uns in der Wüste

 

In der Nacht ist es trotz der dicken Decken sehr eisig. Wir hatten tagsüber ungefähr 25 Grad und in der Dunkelheit sanken die Temperaturen rapide auf gerade mal 6 Grad ab.

Morgens pünktlich vor Sonnenaufgang weckt man uns. Sonnenaufgänge sind in der Wüste bei der unendlichen Weite überwältigend. Selten habe ich so etwas Schönes gesehen. Es wirkt alles so friedlich. Die Kamele liegen noch und fressen während hinter den Hügeln die tief gelb-orangene Sonne zum Vorschein kommt. Zum Frühstück gibt es für uns Tee, Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen.

Kurzer Zeit später schnappt sich jeder sein Kamel und wir schaukeln in der morgendlichen Sonne zurück. Kamele sind für mich fabelhafte Tiere und ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen.

© Jaro Pustul: Sonnenaufgang in der Sahara Wüste

© Jaro Pustul: Sonnenaufgang in der Sahara Wüste

Berber bringen uns die Kamele zum weiter reiten.

Berber bringen uns die Kamele zum weiter reiten.

© Jaro Pustul: Wir reiten den Sonnenaufgang entgegen :).

© Jaro Pustul: Wir reiten den Sonnenaufgang entgegen :).

 

Draa Valley

Am Van angekommen, führt uns unser Guide auf dem Rückweg noch nach Draa Valley, bevor es durch den Hohen Atlas wieder zurück nach Marrakesch geht. Draa Valley ist eine Palmenoase direkt an dem größten Fluss Marokkos (Länge 1100 Kilometer), der Wadi Draa. Hier gibt es 15 – 20 unterschiedliche Dattelpalmen. Ich hätte noch nicht mal gewusst, dass es so viele Dattel-Sorten gibt. Die Oase besteht aus wunderschönen Gärten und märchenhaften Palmenwäldern direkt am Fluss. Halt wie man sich eine Oase vorstellt :).

© Jaro Pustul: Draa Valley

© Jaro Pustul: Draa Valley

 

© Jaro Pustul: Draa Valley mit Blick auf den längsten Fluss Marokkos.

© Jaro Pustul: Draa Valley mit Blick auf den längsten Fluss Marokkos.

Ein Abenteuer geht zu Ende. Meine persönlichen Highlights dieser einzigartigen Erfahrung sind auf jeden Fall der Kamelritt und die Übernachtung in der Wüste.

Könntest Du dir auch vorstellen in der Sahara Wüste zu übernachten? Hast Du vielleicht schon ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht? Schreib es gerne in die Kommentare :).

 

14 Responses

  1. Hallo Janine,

    ich habe nur einmal in der Wüste übernachtet. Im Death Valley. Aber das war schon im Dezember 2000. Den Temperatursturz dort fand ich auch faszinierend. Tagsüber 20 Grad und Nachts waren es fast Minusgrade. Aber so richtig Wüste war es nicht. Da war ein Zeltplatz und noch einige andere. Allerdings waren wir die Einzigen im Zelt, die anderen hatten bei der Kälte einen Camper :-)

    Zu dem Games of Thrones-Dorf möchte ich auch mal. Hast du viel aus dem Film wiedererkannt?

    Alles Liebe
    Tanja

    1. Reisenomadin

      Hallo Tanja,

      ja die Temperaturen können enorm sein ☺.
      Game of Thrones habe ich bislang nicht geschaut, aber nach unserem Wüsten-Trip habe ich die Mumie noch mal gesehen und tatsächlich alles wiedererkannt ☺.

      Liebe Grüße,
      Janine

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  4. Salam :)

    ein schöner Reisebericht mit tollen Fotos u. Videos.
    Über die Temperaturunterschiede habe ich mich auch gewundert – krass.
    So ein morgendlicher Kamelritt muss wunderschön sein.
    Wir haben auch Marokko zum erstenmal bereist und waren sehr beeindruckt von dem Land, das so nah ist und doch so ganz anders.
    (Marrakesch, Essaouira und Agadir) – für den Anfang :D.

    Viele Grüße,
    Elke

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  7. Wolfgang Einer

    Liebe Janine,

    wir wollen heuer im späten Frühjahr ebenfalls nach Marokko reisen. Kannst Du mir bitte ein paar Tipps geben, wie man am besten individuell reisen kann, und doch am meisten mitbekommt.

    Vielen Dank, liebe Grüße aus Wien

    Wolfgang

    1. Reisenomadin

      Lieber Wolfgang,

      Marokko ist toll und ich war auch im Frühjahr da. Sehr schöne Reisezeit. Ich war allerdings nur in Marrakesch, im Atlas-Gebirge und in der Wüste und kann dir zu weiteren Individualreisen in Marokko leider keine Tipps geben. Über diesen Anbieter hatte ich jedoch unseren Roadtrip gebucht: http://www.marrakech-expedition-4×4.com/

      Hier findest du noch Empfehlungen und Tipps zu Marrakesch einschl. Links:
      http://www.bereisediewelt.de/willkommen-im-food-paradies-von-marrakesch/

      http://www.bereisediewelt.de/marrakesch-eine-stadt-wie-aus-1001-nacht/

      Viele Grüße,
      Janine

    1. Reisenomadin

      Das klingt wundervoll :)! Dann wünsche ich euch jetzt schon einmal viel Spaß. Den Wüsten-Trip kann ich sehr empfehlen.

      Liebe Grüße,
      Janine

  8. Isabella

    Hallo Janine,
    Das hört sich alles sehr toll an!
    Ich bereise Ende März für 10 Tage Marokko, habe die ersten 2 Nächte in Marrakesch gebucht und würde dann auch gerne ins atlasgebirge und in die Wüste. Hast du die Tour vor Ort gebucht und womit muss man denn da preislich rechnen? Oder ist es auch möglich alle Fahrten spontan von A nach B zu buchen?
    Danke im Voraus und
    Ganz liebe Grüße
    Isa

    1. Reisenomadin

      Hallo Isa,

      ich nutzte für meine Recherche Tripadvisor und wurde dann auf einen Anbieter aufmerksam (siehe obigen Kommentar). Ich hatte für den kompletten Trip 80 Euro bezahlt, was ich für das Angebot ok fand. Individualreisen vor Ort mit Mietwagen oder Bus sind immer möglich um von A nach B zu kommen, allerdings erfordert das ein wenig Planung.

      Ich wünsche dir ganz viel Spaß in Marokko ☺!

      Liebe Grüße,
      Janine

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