12
Apr
2015
6

Marrakesch – Eine Stadt wie aus 1001 Nacht

Die Überschrift ist nicht übertrieben. Morgens starten wir noch aus dem dunklen, tristen Deutschland und befinden uns 4 ½ Stunden später auf dem pulsierenden, zentralen Marktplatz Marrakeschs, dem Djemaa el Fna, der tausendundeine Nacht förmlich wiederspiegelt. Wir bewegen uns zwischen Gauklern, Schlangenbeschwörern, Henna-Malerinnen, Bauchtänzerinnen, Geschichtenerzählern und zahlreichen Straßenhändlern. Die Geräuschkulisse ist enorm: Aus allen Ecken hört man Sackpfeifen, schrille Flötenklänge und Trommeln. Düfte von gekochten Schnecken, frischem Zitronensaft, Gewürzen und weiteren leckeren Essensständen umgeben uns. So viele Eindrücke prasseln auf uns ein! Wir wissen nicht, wo wir als erstes hinschauen sollen. Wir trinken erst einmal einen frisch gepressten Orangensaft und schauen uns das Spektakel völlig fasziniert aus der Ecke an.

Marrakesch

Tor zur Medina in Marrakesch

Marrakesch Highlights – Abenteuer Djemaa el Fna, Souks und Medina

Erschöpft von der Reise sind wir dennoch völlig überwältigt von der Djemaa el Fna, den Souks und der Medina. Von jeder Seite versuchen uns Händler anzulocken. Wir bewegen uns durch die engen Gassen der Souks. Mopeds, die teilweise turmhoch bepackt  sind, und Eselskarren zwängen sich durch die Masse der schmalen Gassen. Neben, über und vor uns sind wir von Gewürzbergen, Lampen, Teppichen und weiteren farbenfrohen Ständen umgeben. Wir müssen aufpassen wohin unser Blick geht. Händler interpretieren schnell ein Interesse hinein. Hierbei muss man höflich sehr standhaft bleiben und eine gewisse Distanz bewahren. Händler und Gaukler können schnell extrem aufdringlich werden. Wer sich dennoch zum Kauf verleiten lässt, sollte an dieser Stelle wissen, dass man Händler mit guten Gewissen auf mindestens 50 Prozent herunterhandeln kann. Mit Humor, Freundlichkeit und viel Geduld handelte ich sogar meistens um 60 Prozent herunter, sprich zahlte 40 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises. Der endgültige Preis des Handels ist oftmals halt auch Sympathiesache. Nimm es auf jeden Fall gelassen!

Djeema el Fna

 

 

Stände auf dem Djeema el Fna

Gewürze in den Souks

 

In den Souks von Marrakesch

Lass Dich von dem Schauspiel treiben, genieße einen marokkanischen Whiskey auf den vielen Terrassen der Cafés auf dem Marktplatz oder in den Souks. Den marokkanischen Whiskey habe ich jeden Tag literweise getrunken. Keine Sorge, ich war nicht dauerbetrunken ;). Der sogenannte Whiskey ist ein traditioneller Minztee mit tonnenweise Zucker. Dabei genießen wir den Ausblick vom Balkon auf den Trubel des Gauklerplatzes.

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Blick auf das Atlas Gebirge in Marrakesch

Bahia Palast

Die gesamte Stadt glänzt unter dem Atlas Gebirge in Ocker- und Terrakottafarben. Kein Wunder, dass es „die Perle des Südens“ heißt. Im Süden der Altstadt befindet sich der El-Badi Palast. Für mich einer der schönsten Paläste der Stadt und eher zu empfehlen als der Bahia Palast. Die gewaltigen Mauerreste lassen heute nur noch erahnen wie prachtvoll der Palast einmal ausgesehen haben muss. El-Badi bedeutet „der Unvergleichliche“, der von Sultan Ahmed el-Mansour zwischen 1578 und 1608 erbaut wurde. Ich bin völlig fasziniert von der Bau-Ruine, die heute von Störchen besetzt ist. Besonders die unterirdischen Kammern sind sehenswert. Der Einfall der Sonnenstrahlen lässt die Gänge fast mystisch wirken und erzeugt ein wunderschönes Licht. Der Eintritt kostet 10 Dirham (ca. 1 Euro). Für weitere 10 Dirham gibt es noch die kleine Moschee dazu, die aber weniger empfehlenswert ist. Es ist lediglich ein klitzekleiner Raum mit einer Holztreppe.

Bahia Palast in Marrakesch

Bahia Palast in Marrakesch

 

Bahia Palast in Marrakesch

 

Bahi Palast in Marrakesch

Jardin Majorelle

Der botanische Garten, der einst vom französischen Modedesigner Yves Saint Laurent bewohnt wurde, gehört zu den schönsten der Stadt und ist wahrlich etwas besonderes. Im Garten findet man Pflanzen aller fünf Kontinente. Blaue Bauten, Palmen, Riesenkakteen und Bambussträucher umgeben uns. Nach dem Tod von Yves Saint Laurent wurde seine Asche im Rosengarten verstreut. Der Eintritt ist mit 50 Dirham (ca. 5 Euro) nicht gerade ein Schnapper, aber dennoch sehr sehenswert. Im Café lässt sich eine leckere Tarte au límon genießen.

Jardin Majorelle in Marrakesch

Jardin Majorelle in Marrakesch

Maison de la Photographie

Das Museum für Fotografie befindet sich mitten in der Medina, der Altstadt Marrakeschs. Das Museum ist ein Riad und bietet eine willkommene Ruhe und Auszeit vom Trubel der Stadt. Wechselnde Fotoausstellungen veranschaulichen das alte Marokko zur Pionierzeit auf mehreren Etagen. Doch das wirkliche Highlight ist für mich die Dachterrasse, die eine phänomenale Aussicht über die Medina und das Atlas Gebirge bietet. Der Eintritt für das Museum liegt bei 40 Dirham (ca. 4 Euro).

Hammam und Massage

So viel Sightseeing macht müde und bei einer Reise nach Marrakesch, darf der Besuch ins Hammam natürlich nicht fehlen. Das tolle an Marrakesch ist, dass man nie weiß, was sich hinter der nächsten Ecke befindet. So kommt es, dass wir in einer sehr versteckten und nicht gerade einladenden Gasse, das Paradies auf Erden finden. Im Heritage Spa genießen wir zwei Stunden Wellness pur. Bei der Begrüßung gibt es Tee und wir dürfen uns die Paste für das Hammam wie auch das Bio-Öl für die Massage selbst aussuchen. Die Preise sind hier etwas höher als in normalen Marrakesch Standard-Spas, aber durchaus erschwinglich und dafür ist das Personal auch ausgebildet, versteht sein Handwerk und der Service ist sehr gut. Das gesamte Set-Up war von Anfang bis Ende einfach top und wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Heritage Spa: Hammam und Massage in Marrakesch

Henna

Zu einer Marokko-Reise gehört für mich auch das Henna-Tattoo dazu. Lasse Dir hier ein professionelles Henna in einem zertifizierten Laden wie im Henna Café machen, wo die Malerinnen in diesem Handwerk ausgebildet sind und Du keine gepanschte Pampe auf die Haut bekommst, die eventuell allergische Reaktionen hervorrufen.  Das Café betreibt noch ein angeschlossenes, gemeinnütziges Bildungsprojekt. Neben Englisch- und Französischunterricht für die Allgemeinheit, werden noch vielerlei andere Kurse und Ausbildungen angeboten. Für mein Tattoo zahlte ich zwar 12 Euro, aber dass ließ sich sehen und fließt auch noch in ein wohltätiges Projekt. Geschmacklich ist das Essen zwar hier eher durchschnittlich, jedoch auch nicht der vorrangige Grund dem Henna Café einen Besuch abzustatten.

Henna Café in Marrakesch

Henna Café in Marrakesch

Henna Café in Marrakesch

Unterkunft

Wer das orientalische Flair genießen möchte und es authentisch mag, nächtigt am besten in einem Riad. Diese kleinen Stadtpaläste bieten mit ihrem Innenhof/-garten eine Ruhe der Oase. Die Dachterrassen ermöglichen einen traumhaften Ausblick über die Medina. Ich habe selbst nicht in einem Riad übernachtet, jedoch hat das Riad Fez Yamanda bei Tripadvisor sehr gute Bewertungen erhalten.

Wir waren im Le Meridien N`Fis. Das Hotel überzeugt mit einem prachtvollen, grünen Garten und einer schönen Poolanlage. Wasserläufe und Springbrunnen wie auch das orientalische Interieur verleihen dem Hotel einen gewissen Charme. Sämtliche Sehenswürdigkeiten sind von dort aus fußläufig erreichbar.

Le Meridien Nfis

Le Meridien Nfis

Wertvolle Tipps und wichtige Hinweise

  • Die Stadt bietet Fotoliebhabern unglaubliche Motive. Doch hier ist Vorsicht geboten! Die Menschen immer erst fragen, ob Du fotografieren dürftest. Das gilt ebenso auch für Stände. Manche möchten nicht fotografiert werden, doch die meisten lassen sich das bezahlen. Das nervt zwar jedes Mal tierisch, gehört jedoch zu den Gepflogenheiten des Landes. Ich habe meistens zwischen 10 – 20 Dirham gegeben. Wer das nicht tut muss mit aggressiven Leuten und anstrengenden Diskussionen rechnen, die unter Umständen auch ausarten können.
  • Erkunde die Stadt zu Fuß. Solltest Du doch längere Strecken zurücklegen müssen, nehme ein Taxi. Die Petit Taxis sind günstiger als die Grand Taxis. Unbedingt vorher den Preis aushandeln!
  • Vorsicht vor den sogenannten Stadtführern, denen Du in den Souks begegnest. Jeder will zertifiziert sein und zeigt Dir angeblich den richtigen Weg. Letztendlich setzen sie Dich in der dunkelsten Gasse aus und wollen Geld dafür haben, dass sie Dich wieder rausführen. In den Souks kann man leider tatsächlich sehr schnell verloren gehen. Ich nutzte daher zwei kostenlose Offline Apps, die für meine Reise unabdingbar wurden: Google Maps und den Marrakech City Guide von Tripadvisor.
  • Nichts ist umsonst in Marrakesch! Auch ist Vorsicht mit der angeblichen Hilfsbereitschaft geboten. Viele wollen Dir den richtigen Weg zeigen, wo es das beste Restaurant gibt, wo Du dieses oder jenes kaufen kannst, aber sie lassen sich das mit einem saftigen Trinkgeld bezahlen. So freundlich sie anfangs erscheinen, wenn Du Dich darauf einlässt und kein Geld gibst, musst Du auch hier mit einem aggressiven, aufdringlichen Verhalten rechnen. Ich habe immer alles höflich abgelehnt und gesagt, dass ich keine Hilfe benötige und zu Recht komme.
  • Wie in jedem Land sollten auch hier die Gepflogenheiten respektiert werden. Zu viel Freizügigkeit wird hier nicht gern gesehen. Daher bitte bedecke Deine Schultern und Knie, das gilt ebenso für Weiblein wie auch Männlein.
  • Die Wintermonate sind ab Dunkelheit sehr kalt (ca. 4 – 7 ° Grad), daher packe Jacke und Schal ein. In den Sommermonaten können die Temperaturen bis zu 50° Grad hochgehen. Die beste Reisezeit ist meiner Meinung nach der Frühling wie auch der Herbst.
  • Landessprachen sind Arabisch und Französisch! Aber auch mit Englisch kommst Du größtenteils weiter, ansonsten hilft im worst case immer noch der Notizblock ;). So haben wir zumindest teilweise gehandelt.

 

Mehr zu Marrakesch, seiner Kulinarik und wo es das beste Food Porn gibt, erfährst Du in meinen nächsten Posts :) . Auch darfst Du auf meinen Ausflug in die Sahara Wüste gespannt sein.

 

 

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende, Weltentdecker und angehende analoge Reisenomaden, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 13 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer infiziert :).

16 Responses

  1. Sehr schöner und authentischer Artikel. Als jemand der selbst schon knapp 15 mal in Marokko war (marokkanischer Stiefvater von klein auf), fühl ich mich direkt wieder hinein versetzt. Besonders empfehlen kann ich dir noch die wunderschöne Stadt Fes, mit seinen alten Ledergerbereien. Wirklich spektakulär. Viel viel Spaß auf deinem Sahara Trip!!

    1. Reisenomadin

      Lieben Dank Bastian ☺! Schön, dass dir der Artikel gefällt. Dann bist du ja sehr eng mit der Kultur aufgewachsen ☺. Ich finde auch das Essen super lecker. Danke auch für deinen Städte-Tipp! Das könnte etwas für die nächste Marokko-Reise sein.

      Liebe Grüße,
      Janine

  2. Hey, ein schöner Artikel! Wir waren im Dezember dort und haben auch ein paar Artikel dazu geschrieben. Deine Erfahrungen decken sich sehr mit unseren. Wir haben uns eher die ruhigen Ecken der Stadt gesucht- dort war es wirklich wunderschön. Der El-Badi-Palast war unser absolutes Highlight der Stadt und auch die Gärten an der Koutoubia Moschee, sowie die Saadischen Gräber. Was uns tierisch genervt hat war das Geschäftsgebaren und die lästigen Anquatschereien und das Hinterherrennen. Echt schade, das hat viel kaputt gemacht und verhindert letztendlich auch ehrliche und echte Kontakte zu den Menschen dort- man ist einfach immer auf Achtung und misstrauisch. Daher werden wir wohl nicht wiederkommen. Wir finden aber schon: man muss es einmal gesehen haben! Wir stöbern mal ein bisschen rum bei dir- schön hier :-) LG Andy,Miri und Skar

    1. Reisenomadin

      Hallo ihr drei ☺,

      Schön, dass euch der Artikel gefällt und ihr meinen Blog gefunden habt ☺! Das freut mich sehr!

      Ja, die ständige Anquatscherei nervt, vor allem weil man sehr vorsichtig sein muss. Den ersten Tag waren wir auch ziemlich angefressen, aber ab dem zweiten nahmen wir es mit Humor, weil wir es zu nehmen wussten ☺. Marrakesch und seine Umgebung ist wunderschön! Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

      LG,
      Janine

  3. Pingback : www.bereisediewelt.de Warum Marrakesch für Vegetarier ein Food-Paradies ist

  4. Ein wunderschöner Bericht über eine farbenfrohe, lebendige Stadt.
    Wir haben auch direkt in der Medina in einem kleinen Riad gewohnt.
    (mein Reisebericht: http://www.pinkdays365.wordpress.com).
    Ich finde die Tipps auch sehr gut, kann ich nur unterstreichen.
    Beim Einkaufen/Handeln habe ich die gleichen Erfahrungen gemacht. Da wir jedoch nur Rucksäcke hatten und ich nicht viel einkaufen konnte, habe ich das den Händlern direkt gesagt und dennoch ihre Waren bewundert. Daraufhin hat sich oft ein freundliches Gespräch (was kein Verkaufsgespräch mehr war) entwickelt.

    Ich werde wieder nach Marrakesch reisen.

    Viele Grüße,
    Elke

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