6
Okt
2014
1

Reisen und Arbeiten: Wie packe ich es an und bewerbe mich im Ausland?

Reisen und Arbeiten – Wie bewerbe ich mich im Ausland? Bei der Frage nach dem Wie tauchen bei Dir wahrscheinlich unzählige weitere Fragen auf: Welche Qualifikationen brauche ich dafür? Wie läuft das mit dem Vorstellungsgespräch? Besser anrufen oder im Urlaub direkt vorbei gehen? Eins kann ich Dir vorab sagen, dass kann man nicht pauschalisieren, weil es in der Regel sehr unterschiedlich läuft. Ich erzähle Dir aber sehr gerne, wie das bei meinen Jobs ablief und gebe Dir hilfreiche Tipps zur Bewerbung und der Herangehensweise.

Weltkarte_Justgo

In erster Linie brauchst Du natürlich die richtigen Qualifikationen. Ich hatte mich nur auf Jobs beworben, für die ich die richtigen Qualifikationen mitbrachte. Beispielsweise bin ich gelernte Industriekauffrau, Ayurveda Massage Therapeutin und habe ein journalistisches Studium.

In der Stellenausschreibung musst Du nicht zwingend alle Anforderungen erfüllen. Doch die Punkte, die an erster Stelle stehen sind ein Must. Wenn Spanisch meinetwegen mit an vorletzter Position steht, kannst Du davon ausgehen, dass das nicht so entscheidend ist, wie das was davor steht. Also trotzdem bewerben und Deine Stärken für die Stelle hervorheben!

Wenn Du unbedingt einen Job in einem bestimmten Sektor möchtest, aber nicht die gewünschten Qualifikationen mitbringst, musst Du sie Dir aneignen: Weiterbildung, Fernstudium, Webinare, eBooks, Video Tutorials etc.

Ein weiterer Tipp von mir: Frag auch bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer des jeweiligen Landes nach der Liste der dort ansässigen deutschen Firmen an. Dann schaust Du auf die Website der Unternehmen, ob vielleicht Stellen ausgeschrieben sind oder Du bewirbst Dich initiativ.

Falls Du in Erwägung ziehst auszuwandern, würde ich vorab zwei bis drei Wochen Urlaub am Zielort machen. Mit 20 wollte ich unbedingt auf Gran Canaria leben und arbeiten. Ich flog runter, machte mir ein Bild von der Umgebung. Im Vorfeld recherchierte ich schon potentielle Hotels für die ich gerne arbeiten würde. Daraufhin ging ich persönlich dort vorbei. Das kostet Überwindung, aber es ist reine Übungssache. Während es beim ersten Hotel noch holprig lief, sah es bei dem Dritten schon anders aus. Lege Dir das Gespräch vorher in den Mund und übe es ein paar Mal vorm Spiegel.

Wenn niemand zu sprechen war, holte ich mir eine lokale Sim-Karte und rief dort an. In der kurzen Zeit (zwei Wochen) und dafür, dass es auch noch so ad-hoc war, hatte ich zwei Gespräche mit Hoteldirektoren. Leider reichten damals meine Erfahrungen nicht aus. Wie mir aber der Einstieg als Globetrotter trotzdem gelang, kannst Du in meinen drei Posts „Mein Weg ins Nomadentum“ lesen.

Für alle Deine Bewerbungen solltest Du nach Möglichkeit den richtigen Ansprechpartner mit Kontaktdaten recherchieren. Das zeigt zum Einen, dass Du Dich mit dem Unternehmen auseinander gesetzt hast und zum anderen gerät die Bewerbung an die richtige Person. Hierbei helfen auch die Business-Netzwerke Xing und Linkedin.

Das A und O ist im jeden Fall dann eine repräsentative Bewerbung.

·      Ich tendiere zu einem Layout mit eindrucksvollem Foto und wirkungsvollem Bewerbungsdesign. Tipps dazu findest Du hier. Aber nicht vergessen: Noch wichtiger als ein geiles Layout ist natürlich der INHALT.

·      Heb dich von der Masse ab! Verzichte auf Floskeln wie „..hiermit bewerbe ich mich….“, „….mit großem Interesse…blablabla…“. Ist der Einstieg langweilig, kannst Du davon ausgehen, dass der Personalleiter gar nicht erst weiter liest. Sei kreativ und schreibe interessant. Unter Umständen darf es auch ein wenig provokativ oder witzig sein. Das hängt jedoch sehr von der Branche ab.

·      Signalisiere ernsthaftes Interesse! Der erste Absatz ist der Teaser, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen. Warum willst Du den Job? Welche Vorteile bringst Du dem Unternehmen? Da kommen wir direkt zum nächsten Punkt.

·      Lies die Stellenausschreibung GRÜNDLICH und gehe auf die gewünschten Anforderungen im Schreiben ein. Warum bist ausgerechnet Du der Richtige für den Job?

·      Schreibe nicht einfach Deine Stärken auf wie Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, Organisationstalent usw. Lege es mit Beispielen dar. Verflechte Deine Stärken mit Praxisbeispielen und Erfahrungen. „Mein Organisationstalent konnte ich bei dem Projekt XY als XX unter Beweis stellen, bei der ich…“.

·      Bekräftige zum Schluss noch mal Deinen Wunsch für das Unternehmen zu arbeiten. Falls Du Dich im Ausland befindest und nicht die Möglichkeiten hast zu telefonieren, schlage direkt vor, dass ihr gerne ein persönliches Gespräch über Skype oder auch ein anderes Tool führen könnt und Du Dich über eine Rückmeldung freust. Ich hatte beispielsweise, als ich in Singapur wohnte und zurück nach Deutschland wollte, zwei Vorstellungsgespräche mit deutschen Unternehmen via Skype. Jobinterviews über Video sind in der heutigen digitalen Welt nicht mehr unüblich.

·      Halte Dich kurz und prägnant. Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Din A4-Seite sein bei einem Schriftgrad von 11/12/13.

·      Achte auf Rechtschreibung und lasse ggf. jemanden gegenlesen. Vielleicht schläfst Du auch eine Nacht drüber. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, gerade wenn man den Text selbst formuliert hat. Ist mit dem Bloggen nicht anders ;).

Quelle: Trendhunter.com

Quelle: Trendhunter.com

Neben einer repräsentativen Bewerbung spielt der Lebenslauf eine wichtige Rolle:

·      Persönliche Daten sollten klar sein. Übrigens muss man Familienstand, Religionszugehörigkeit wie auch Geburtsdatum nicht mehr erwähnen.

·      Bei den Berufserfahrungen setzt sich immer mehr der „amerikanische“ Stil durch. Das heißt, Du nennst die aktuelle Position zuerst. Die Chronologie erfolgt rückwärts. Somit sieht der Personalleiter sofort, was Du aktuell machst.

·      Füge zu jeder Position eine kurze Tätigkeitsbeschreibung in drei bis fünf Bulletpoints darunter. Hier kannst Du auch wichtige Projekte oder Kampagnen nennen.

·      Die akademische oder schulische Ausbildung kommt am Ende, ebenso wie weitere Qualifikationen (IT-Kenntnisse, Sprachen, Weiterbildungen etc.)

·      Manchmal kann es auch hilfreich sein, Interessen und Hobbies einzufügen, wenn sie für den Job relevant sind. Für den Tourismusbereich zum Beispiel macht es einen guten Eindruck Sportaktivitäten oder als persönliche Leidenschaft Reisen zu erwähnen.

Bist Du jetzt startklar? Dann schick Deine Bewerbungsunterlagen ab.

Hast Du nach ein oder zwei Wochen noch nichts gehört? Dann fass freundlich noch mal nach, ob die Bewerbung angekommen ist. Oft ist es tatsächlich so, dass bei der heutigen Masse an Bewerbungen, die eine oder andere untergeht. Wenn Du die Möglichkeit hast anzurufen, würde ich das immer vorziehen. Das wirkt persönlicher und Dein Gegenüber kriegt direkt ein Bild von Dir. Somit bleibst Du bei demjenigen auch eher im Gedächtnis haften.

In meinem Artikel „Erfolgreich Reisen und Arbeiten: 30 internationale Jobbörsen zeigen Dir Möglichkeiten auf“, findest Du weitere hilfreiche Tipps zu dem Thema.

 

Hast Du noch weitere Fragen dazu, die ich vielleicht nicht beantwortet habe? Du möchtest auch das Reisen mit dem Arbeiten verbinden, aber weißt nicht so richtig wie? Dann könnte mein Coaching interessant sein für Dich. Ich helfe Dir gerne weiter :)!

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende, Weltentdecker und angehende analoge Reisenomaden, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 13 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer infiziert :).

8 Responses

  1. Hi Janine,
    das ist eine gute Zusammenfassung :-) Mich hat nur verwirrt, dass du sagst „Nomadentum“ … Sind das nicht eher die heimatlosen, rumreisenden, von unterwegs arbeitenden?

    Die Punkte sind auf jeden Fall prima. Die exemplarische Bewerbung finde ich sehr interessant. Bin noch nicht auf die Idee gekommen eine Bewerbung so zu gestalten. Super :-)

    Gruß Markus

    1. Reisenomadin

      Hi Markus,

      schön, dass dir der Artikel gefällt :).
      Nomadentum bezeichnet seit jeher Völker, die häufig ihren Wohnort wechseln (wie du schon schreibst :) ). Früher oder gar heute in der Sahara ist das nomadische Leben eine Überlebensstrategie. Die moderne heutige Form des Nomadentums in unserer Gesellschaft sind die digitalen Nomaden und die analogen Nomaden. Menschen, die sich entschieden haben konventionelle, veraltete Lebensformen abzulegen. Diese reisen nicht zwangsläufig von einem Ort zum nächsten und arbeiten immer von unterwegs. Manche moderne Nomaden möchten einfach nur mehr Zeit mit ihrer Familie beispielsweise verbringen und arbeiten aus dem Homeoffice :).

      Viele Grüße,
      Janine

  2. Ich gebe dir recht – es ist immer anders wenn man sich im Ausland bewirbt. Häufig muss man wirklich nicht die Stellenausschreibungen entsprechen.
    Als ich damals durch Neuseeland gereist bin habe ich z.B. einen Job bei einer Bank bekommen und später im Rechnungswesen bei Vodafone. Keine der beiden Berufe habe ich jemals gelernt oder ausgeübt davor und trotzdem habe ich sie bekommen.
    Man muss sich einfach nur trauen :-)

    LG Mel

    1. Reisenomadin

      Liebe Mel,

      na das ist doch ein Paradebeispiel dafür, das Bewerbungen und Jobs im Ausland anders ticken :). Und es ist auch interessant in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern.

      Du hast Recht, zu verlieren hat man nichts. Mut haben und probieren :)!

      Liebe Grüße,
      Janine

  3. Hi Janine,

    klasse Beitrag zu einem Thema, für das es nach solch guten Informationen fehlt.
    Ich finde besonders den Punkt wichtig, sich den Zielort vorher schon mal in einem längeren Urlaub anzusehen. Dann bekommt man die Chance eine Gefühl von der Situation vor Ort zu bekommen und kann sich Wohnungen ansehen, mit Einheimischen sprechen und eventuell sogar schon nach Jobs Ausschau zu halten.
    Ich habe damals in Australien immer ein paar gedruckte CVs dabei gehabt und die direkt vor Ort verteilt 😉
    Liebe Grüße,
    Sebastian

    1. Reisenomadin

      Hi Sebastian,

      vielen Dank für deinen Kommentar und wie Recht du hast!
      Guter Tipp mit den CVs! Ich habe das auch immer so gehandhabt :).

      Liebe Grüße,
      Janine

  4. Pingback : Arbeiten im Ausland – Den Ausstieg richtig planen

  5. Pingback : www.bereisediewelt.de Arbeiten im Ausland: Richtig planen mit der Check- und Packliste - www.bereisediewelt.de

Leave a Reply