13
Nov
2016
Island Silfra-Spalte

Silfra-Spalte – Schnorcheln zwischen zwei Kontinentalplatten

Eines meiner Highlights dieser Reise und ein langersehnter Lebenstraum: Das Schnorcheln zwischen zwei Kontinentalplatten und dabei einen Blick ins Innere der Erde erhaschen. Im Meeresboden erstreckt sich ein knapp 20.000 Kilometer langer Riss, der Mittelatlantische Rücken. Island liegt genau auf der Naht zwischen der amerikanischen und eurasischen Erdplatte im Atlantik. Hier schoss so viel Lava empor, dass sich die Vulkane erhoben und Island entstand. Mit jedem Ausbruch driften die Erdplatten weiter auseinander – pro Jahr sind es rund 7 Millimeter. Zwischen den Platten sind tiefe Graben entstanden, darunter die Silfra-Spalte. Sie ist mit eiskalten Wasser gefüllt, das eine jahrzehntelange Reise vom 50 Kilometer entfernten Gletscher hinter sich hat. Das ganze Jahr über bleibt die Wassertemperatur konstant und bewegt sich zwischen 0 °C und 3 °C.

Island Silfra-Spalte

Das Lavagestein ist ein optimales Filtersystem. Die Silfra-Spalte soll mit das klarste und sauberste Wasser der Welt haben. Das wiederum sorgt für eine Sichtweite von bis zu 130 Metern. Das kristallklare Wasser und die einzigartigen Lavafeldformationen sind nur einer der Gründe, darin zu schnorcheln oder zu tauchen. Wo hat man schon die Chance, sich zwischen zwei Kontinenten zu bewegen und in den Bruch hinabzuschauen. Ihr tiefster Punkt liegt 63 Meter unter dem Meeresspiegel. So viel zu den Fakten.

Island Silfra-Spalte

Im Vorfeld beschäftigten mich viele Fragen. Kann man bei der glasklaren tiefen Sicht Höhenangst kriegen, auch wenn man unter Wasser ist? Ich leider unter extremer Höhenangst, auch wenn ich schon den Eiffelturm, den Pico del Teide oder Kölner Dom bestieg. Wie kalt fühlt es sich tatsächlich an trotz Trockenanzug?

Island Silfra-Spalte

Vorab kann ich schon sagen, dass die größte Herausforderung der gesamten Tour für mich das An- und später Ausziehen des Trockenanzugs samt Kopfbedeckung und Handschuhen war. Und das ging, glaube ich, auch dem Rest der Gruppe so. Schließlich muss alles eng anliegen, so dass kein Wasser eindringt. Gott sei Dank gab es CJ, unseren Schnorchelguide. Sie gab uns im Vorfeld viele Tipps und Hinweise, bevor es losging. Der Schnorcheltrip als solches dauert etwa 35 Minuten. Länger ist aufgrund der kalten Temperaturen für den Körper kaum machbar. Lange Thermounterwäsche und warme Strümpfe musste jeder selbst mitbringen. Ein warmer Overall, Trockenanzug und Schnorchel wurde uns von Dive.is gestellt.

Island Silfra-Spalte

Island Silfra-Spalte

Schnorcheln in der Silfra-Spalte

An der Silfra-Spalte gibt es keine Umkleideräume. Unsere Gruppe von acht Leuten zieht sich in einem dafür bereitgestellten (und beheizten) Transporter um. Der Trockenanzug fühlt sich ungewohnt schwer an. Vom Parkplatz aus marschieren wir knapp 200 Meter weiter zur Spalte. Über eine Stahltreppe gelangen wir in das Gewässer. Mit jedem Schritt ins Wasser zieht sich der Anzug zusammen – ähnlich wie bei einem Vakuum. Lediglich die Luft im Brustbereich ermöglicht es uns zu floaten und nicht unterzutauchen. Von oben wirkt noch alles unscheinbar. Ich lege mich auf den Bauch. Unmittelbar schießt Wasser in die Handschuhe und in den Kopfbereich. Das ist normal. Der Rest bleibt trocken.

Island Silfra-Spalte

Die Spalte wirkt unendlich groß und tief, einfach atemberaubend. Mich überkommt eine Ehrfurcht. Wie klein man doch plötzlich in dieser Welt wirkt. Unsere gesamte Erde liegt auf diesen Platten, die sich stetig bewegen. Diese Schnorcheltour stellt sich schnell als etwas ganz besonderes und einzigartiges heraus. Ich weiß nicht, wohin ich als erstes schauen soll. Die abstrakten Felsformationen in verschiedenen Farben, dann das tiefe blau des Wassers und ich floate dazwischen. Wahnsinn!

Island Silfra-Spalte

Unsere Schnorcheltour beginnt in einem Vorbecken der Silfra, mit etwa 15 Metern Tiefe. Über schroffe Felsen, die gerade mal knapp einen Meter unter meiner Brust liegen, gelangen wir in das Höhlensystem der Silfra. Nach 12 Minuten sind meine Zeigefinger taub, aber das ist in dem Moment irrelevant. Es verschlägt mir den Atem! Passiert das gerade wirklich? Die Schönheit dieses Ortes und meinen Gefühlszustand kann ich kaum in Worte fassen. Man muss das einfach erlebt haben! Schnorcheln in der blauen Unendlichkeit. Vor lauter Gucken und Staunen bin ich stets die letzte in der Gruppe, die immer wieder hinterherhingt.

Island Silfra-Spalte

Island Silfra-Spalte

Der letzte Part unserer Tour führt uns in die Silfra-Lagune. Krass, ich sichte schon die Ausstiegstreppe, obwohl wir uns gefühlt noch einige hundert Meter entfernt befinden. Ist die halbe Stunde schon rum? Unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. In der Silfra zu schnorcheln ist ein grandioses Erlebnis und ich bin unendlich dankbar dafür.

Island Silfra-Spalte

Hinweise für das Schnorcheln in der Silfra-Spalte:

  1. Trage warme Thermounterwäsche und warme Strümpfe.
  2. Nimm vorsichtshalber Ersatzkleidung mit, falls doch etwas Wasser in den Trockenanzug gelangen sollte.
  3. Nehme jeglichen Schmuck ab.
  4. Halte die Action-Cam in der Hand. Du bist flexibler als wenn sie fest am Kopf befestigt ist.
  5. Bei Bartträgern gelangt schnell Wasser in die Schnorchelbrille, daher vorher am besten Stutzen.
  6. Das Wasser in die Hände und an den Kopf gelangt ist normal.
  7. Hände und Füße können aufgrund der Kälte taub werden, die Lippen blau.
  8. Wenn Du mehr Zeit brauchst und nicht durchhetzen möchtest, gehe als letztes ins Wasser.

 

Der Artikel entstand in Kooperation mit dive.is. Meine Meinung bleibt wie immer meine eigene.

 

Janine

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende und Weltentdecker auf komfortable Weise, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 14 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer mit dem Reisevirus infiziert :).
Janine

14 Responses

  1. Wow, das sieht ja toll aus! Ich weiß trotzdem nicht, ob ich mich als Frostbeule tatsächlich in das Wasser getraut hätte (meine bisherigen Tauch- und Schnorchelerfahrungen habe ich im 27 Grad warmen Wasser gemacht 😉 )

    1. Janine

      Verstehe ich sehr gut Sabine :). Ich bin auch eine totale Frostbeule, aber es war nicht so schlimm. Unter dem Trockenanzug trägst du noch einen Overall, der dich warm hält und ich hatte auch noch meine Thermounterwäsche an. Am schlimmsten waren Hände, Füße und der Kopf. Der Rest des Körpers war warm :).

      Liebe Grüße,
      Janine

  2. Spannender Artikel. Ich stand vor ein paar Wochen auch vor der Spalte und habe kurz den Finger reingehalten und gedacht: Mann, bin ich froh, dass ich mich gegen die Schnorcheltour entschieden habe. :) Ich finde nämlich alles unter 30 Grad kalt – und bin da wohl noch extremer als Sabine.

    1. Janine

      Haha :D…ich glaube wir drei nehmen uns nichts :). Glaub mir! Wenn du die anderen Artikel auf meinem Blog siehst, ist das meistens in warmen Gefilden. Mir ist schnell kalt. Im Winter schlafe ich im Fleece-Pyjama, mit dicken Wollsocken und Heizdecke :D. Ich schwöre jedoch, dass ich bei der Tour am Körper nicht gefroren habe. Vielleicht war ich auch voller Adrenalin…weiß es nicht. Aber ich spürte ja schon nach 12 Minuten zumindest meinen gefrorenen Finger zumindest nicht mehr :).

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  11. Ich bin begeistert!!!! Ich kannte die Silfra-Spalte noch nicht, doch sie ist jetzt auf jeden Fall auf meiner Bucket List! Der Post ist super interessant und deine Fotos sind auch der Wahnsinn, unglaublich. Da packt mich das Fernweh.. 😀

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