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Dez
2015
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Die Offenbahrung: Wie finanziere ich meine Reisen?

Ich bin Lotto-Millionär!!!! Nein, Quatsch. Finanzielle Unabhängigkeit wäre schon geil, aber dem ist leider nicht so. Stattdessen ist es eine Frage der Prioritäten. Ich habe viele Jahre kaum mehr als 1.000 Euro netto verdient und war dennoch vier Jahre im Ausland, habe meine Ausbildungen usw. finanziert. Jetzt wird der eine oder andere denken, „ja, aber jetzt bist Du ja Reiseblogger und kriegst eh alles gesponsert“. Also räume ich doch gleich direkt am Anfang mal mit dem Gerücht auf. Der Blog gleicht einen Teilzeitjob mit dem ich kaum Geld verdiene und nicht annähernd die investierte Arbeitszeit und Kosten gedeckt kriege. Mindestens 90 % aller Kooperationsanfragen lehne ich ab, weil sie entweder dreist sind oder nicht zu meinem Blog passen.

Dieses Jahr unternahm ich mehrere Reisen, wo zwei davon, und das auch nur zum Teil, gesponsert wurden. Das war einmal der Kurztrip nach Straßburg und die Ayurvedakur, wo ich den Flug für 700 Euro jedoch selbst getragen habe. Edinburgh, Wien, Teneriffa, Marrakesch, Normandie, Magdeburg und viele weitere Wochenendtrips wurden komplett aus eigener Tasche finanziert. Warum mache ich das Ganze? Ich liebe das Reisen und ich liebe diesen Blog. So hat jeder sein Hobby, seine Träume oder Interessen. Der eine spielt Tennis, fährt gerne schnelle Autos oder ist ein Technik-Geek und bei mir ist es das Reisen.

Wenn Du also Wünsche oder Träume hast, dann frage Dich immer wie sehr Du es wirklich willst. Sätze wie „Das kann ich nicht aus XY Gründen“, „Das schaffe ich nie“, „Das ist aussichtslos“ sind Ausreden etwas vorzuschieben. Denn was besonders wichtig ist, fang an Deine Träume und Dich selbst ernst zu nehmen! Wenn Du es wirklich willst, dann kannst Du es auch. Bremse Dich nicht aus! Sei diszipliniert, zielstrebig und überlege Dir wie Du Dein Ziel erreichen kannst. Das beschränkt sich nicht nur auf das Reisen, sondern auf alles im Leben. Meine Leidenschaft war und ist es ferne Länder zu bereisen und zu entdecken. Wie mache ich das?

Sparsam sein

Klingt simpel und trotzdem tun sich viele schwer damit! Wenn ich Geld brauche, drehe ich jeden Euro um. Ich gehe nicht zu Starbucks, sondern trinke meinen Kaffee zu Hause. Ich gehe nicht auswärts essen, sondern koche selbst. Als es wirtschaftlich einige Zeit sehr schlecht um mich stand, bin ich sogar jede Woche zur Blutplasmaspende gegangen (nicht zu verwechseln mit der Blutspende, die man nur alle drei Monate machen darf). Die Wohltat wird mit 20 Euro belohnt. Damit habe ich meinen Wochenendkauf zum Beispiel getätigt.

Ich lebe sehr minimalistisch und zwar so sehr, dass ich viele Jahre kaum Möbel wie ein Bett oder ein Fernseher hatte. Die meiste Zeit war ich unterwegs, somit war dafür kein Bedarf. Anstatt Bahn zu fahren, gehe ich zu Fuß oder nehme das Fahrrad. Ich bin in keinem Fitnessstudio, sondern laufe an der frischen Luft – am liebsten am Rhein. Meine gelernten Yoga-Übungen führe ich mittlerweile selbst zu Hause aus oder nutze eine super Yoga-App dafür. Klamotten kaufe ich selten und wirklich nur dann, wenn ich sie brauche.

Nebenjobs

Seit ich denken kann, habe ich zwei bis drei Jobs. Heute arbeite ich nebenbei mein Teilzeitjob als freie Journalistin und Online Marketer. Früher habe ich gekellnert, Promotion gemacht, fungierte als Kleindarsteller und Komparse und arbeitete als Hostess. Ich war in der Künstleragentur und hatte manchmal sogar sehr coole Aufträge für Fotoshoots oder Werbefilme. Hier werden auch immer wieder Charakterköpfe gesucht. Es gehörten aber auch weniger tolle Jobs dazu, wie sechs Wochen lang vor Weihnachten, acht Stunden am Tag, bei bibbernder Kälte Promotion für das neue iPhone zu machen. Als Hostess stand ich in hübschen Schühchen manchmal zehn Stunden auf der Messe, bevor mir meine Füße am Abend abfielen.

NRW Duell im WDR

Verkauf Dein Zeug!

Überlege Dir bei allem was Du hast, ob Du es wirklich brauchst. Wenn es seit über einem Jahr oder mehr im Keller liegt, ohne das Du dem je Beachtung geschenkt hast, trenne Dich. Ich verkaufte mein Auto, meinen Schrank und ein paar Klamotten, was mir insgesamt knapp 4.000 Euro brachte.

Die restlichen Sachen stellte ich bei meiner Mutter unter. Auch wenn ich heute keine Dauerreisende mehr bin, sortiere ich einmal im Jahr aus. Eigentum empfinde ich mittlerweile als Ballast. Alleine die Horrorvorstellung, das bei jedem Umzug wieder mitzuschleppen, gibt mir den nötigen Antrieb, dass jährlich auch durchzuziehen. Ich empfinde es als unglaublich befreiend, loszulassen. Mich vom materiellen Besitz zu trennen ist gleichzeitig auch ein Aufräumen der Seele. Persönliche Dinge wie Fotos oder andere Sachen behalte ich natürlich.

Reisen und Arbeiten

Da ich mir langfristige Auslandsaufenthalte nie leisten konnte, kam die Idee das Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden – quasi ein analoger Nomade zu werden. Ich habe einige Jahre in Clubhotels auf Fuerteventura und Kos gearbeitet und habe das dabei verdiente Geld wieder genutzt um weitere fremde Länder und Kulturen zu entdecken.

Das Arbeiten im Clubhotel war allerdings kein Kindergeburtstag. Der Alltag im Clubhotel besteht aus einer 6-Tage-Woche und einem Vollprogramm von 9 Uhr bis 24 Uhr. Dafür ist das verdiente Geld jedoch reines Taschengeld, denn Flug, Unterkunft, Krankenversicherung und Essen im Restaurant wird Dir zur Verfügung gestellt. Meine einzigen Fixkosten bestanden aus meiner Handy-Karte und einer zusätzlichen Privatversicherung.

Insgesamt habe ich drei Saisons gemacht, bevor ich dem Clubleben den Rücken zukehrte. Danach arbeitete ich als freie Ayurveda Therapeutin in verschiedenen Kliniken und Hotels wie in Travemünde, Österreich oder Madeira.

rp_clubhotel.jpg

Couchsurfing, Wwoofing, Workaway oder Working Holiday

Damit habe ich noch keine Erfahrungen gemacht, aber Sarah von Rapunzel will raus hat die Dienste schon ausgiebig genutzt und bringt wertvolle Erfahrungen auf dem Gebiet mit. Unter anderem hat sie durch Workaway auf einer Kaffeeplantage auf Hawaii gearbeitet und ist bekennender Couchsurfing-Fan.

Sonja arbeitet derzeit mit dem Working Holiday-Visum als Wildlife Ranger auf der australischen Insel Magnetic Island. Sie darf Baby-Krokodile, Schlangen und Koalas auf dem Arm halten und Wildlife-Touren begleiten.

Julia von Globusliebe wwoofte auf einer Schafsfarm in Neuseeland und scherte Schafe den lieben langen Tag.

Wie Du siehst ist das alles nur eine Frage der Prioritäten. Reisen kann jeder, es hängt nur davon ab, wie. Wenn Du Deinen Lebensstil runterschraubst, minimalistischer lebst, kannst auch Du reisen.

Work and Travel Australien Wildlife Ranger

Hast Du eventuell noch weitere Tipps, um Geld zu sparen? Wie finanzierst Du Deine Reisen?

 

Janine

Ich bin Janine und schreibe auf Bereise die Welt wie Vollzeitarbeitende, Weltentdecker und angehende analoge Reisenomaden, die Lust am Reisen ausleben können. Seit 13 Jahren reise ich, vier davon war ich als analoger Nomade durchgehend unterwegs. Ich sage immer, wer einmal Blut geleckt hat, ist für immer infiziert :).

15 Responses

  1. Hey Janine,

    ein wirklich schönes Thema. Da kommt mir Vieles von bekannt vor. Zwar nicht das Arbeiten auf Reisen, aber in vielen Dingen ist das bei mir ähnlich (gewesen). Auch ich habe immer in den Schulferien gearbeitet, um meine Reisen zu finanzieren. Heute spare ich sehr viel. und sortiere immer wieder aus.

    Einige Spartipps habe ich noch für Deine Leser: Flohmärkte oder Ebay für die Klamotten und Bücher. Mitfahrgelegenheiten nutzen (egal ob Fahrer oder Mitfahrer) sei es für Arbeitswege oder auch Fahrten zu Freunden oder Urlaubszielen. Im Urlaub selbst, muss es nicht immer ein (teures) Hotel sein. AIRBNB bietet nette Möglichkeiten oder auch einfach mal Bed & Breakfast – sind oftmals viel schöner und persönlicher.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    1. Reisenomadin

      Hey Tanja,

      Danke für deine weiteren Tipps :)! Prima. Mit AirBnb habe ich auch gute Erfahrungen und meistens sind es bei mir auch Guest Houses oder B & B. Ganz vergessen in dem Artikel zu erwähnen ;).

      Liebe Grüße,
      Janine

  2. Hallo meine Liebe,
    vielen Dank für die Erwähnung meines Schafsjobs!
    Das war echt eine tolle Erafhrung in Neuseeland und ich habe in dieser Zeit verdammt viel Geld für Unterkünfte gespart.

    Es gibt so viele Möglichkeiten, um Geld zu sparen und ich bin
    überzeugt davon, dass viele von denen, die ständig jammern, sich das Reisen nicht leisten zu können, genug Kohle haben. Sie lassen nur viel zu viel davon durch die Finger rinnen ohne es zu merken.

    In meinem Artikel gibt es noch mehr Anregungen, um sich das
    Reisen zu finanzieren, wie zum Beispiel Klamotten auf dem Trödelmarkt verkaufen. Damit habe ich mal 1.500 Euro in einem Sommer verdient.

    http://globusliebe.com/wie-ich-meine-reisen-finanziere/

    Alles Liebe aus Singapur,
    Julia

    1. Reisenomadin

      Liebe Julia,

      1.500 Euro mit dem Trödelmarkt ist nicht schlecht ☺. Danke für deinen Tipp!

      Liebe Grüße nach Singapur,
      Janine

  3. Cooler Text. Mir geht es eigentlich ganz ähnlich. Sparsam lässt sich auch leben, ohne wirklich viel zu verpassen. Ich gehe hier auch kaum auswärts essen und kaufe mir auch viele Dienstleistungen im Ausland. In der Schweiz war ich sicher schon mindestens 10 Jahre nicht mehr beim Frisseur.

    1. Reisenomadin

      Ja das stimmt Oli :). Ich gehe zum Beispiel auch nur zweimal im Jahr zum Friseur und das nur, weil ich es dann muss :D.

      LG,
      Janine

  4. Anja

    Wir reisen auch sehr gerne und oft, vorzugsweise in die Staaten. So oft haben wir diesen Satz schon gehört: habt ihr im Lotto gewonnen?
    Ja, und dann fängt man auch schon an sich zu erklären, warum und wieso man es sich leisten kann. Beide Vollzeitjobs, keine Kinder, nur 1 Auto, beide aufgehört zu rauchen usw. …..
    Manchmal begegnen wir auch Menschen die uns schon fast vorwurfsvoll die Antwort vorweg nehmen: ja ihr habt ja auch keine Kinder, dann kann man das,
    Wir leben auch sparsam….gehen sehr selten weg (Kino o.ä., )einzig Essen gehen gönnen wir uns mal. Selbstverpflegung auf der Arbeit statt Kantine, im Urlaub übrigens auch meistens. Keine teuren Hobbys, eher im Gegenteil. Ich mache in meiner Freizeit Gewinnspiele und betreibe Couponing, also ich verdiene quasi am Hobby 😀
    Bevor Neuanschaffungen getätigt werden, werden Preise verglichen und auch gehandelt. Altes wird verkauft und so zu Barem gemacht.
    Wir sind Schnäppchenjäger, gucken IMMER nach Angeboten egal ob Lebensmittel, Kleidung oder oder oder….
    Das Geld liegt quasi auf der Straße, man muss sich nur bücken 😉

    1. Reisenomadin

      Liebe Anja,

      diese Sätze kommen wir sehr bekannt vor. Oftmals ist es vielleicht auch mit Neid verbunden. Ich denke viele sind evtl. auch ein wenig phantasielos, wenn es um das Erfüllen von Träumen geht. Und es ist natürlich eine Frage der Prioritäten. 2 Wochen Luxusurlaub in einem 5 Sterne Hotel kann ich mir nämlich auch nicht leisten ;). Nur davon mache ich das Reisen nicht abhängig. Ich reise des Reisens Willen und dafür mache ich auch gerne Abstriche.

      Liebe Grüße,
      Janine

  5. Pingback : www.bereisediewelt.de Ein krasses Jahr geht vorbei - Achtung, es wird persönlich! - www.bereisediewelt.de

  6. Hey Janine,

    tolles Thema – tolle Tipps.:)

    Ich kann noch empfehlen Verträge zu vergleichen. Manchmal macht man nur ein paar Euro im Monat gut, aber übers Jahr kommt da auch ganz schön was zusammen. Auch sollte man überprüfen, ob wirklich jede Versicherung notwenig ist. Ich bin zum Beispiel über meine Kreditkarte im Ausland versichert. Daher könnte ich meine Bestehende kündigen.

    Man kann auch nicht nur Gebrauchtes verkaufen, sonder auch gebraucht kaufen. So hab ich bei meiner jetzigen Wohnung viel Geld gespart. :)

    Beim Handy kann viel gespart werden. Meist reich ein kleiner Vertrag vollkommen aus. Ich hab walle Abos gekündigt und mache genau wie du Zuhause Sport und gehen nicht dafür ins Fitnessstudio.

    Dann ist ja für mich zur Zeit der Geldfresser Nummer 1 mein Auto. Deshalb kommt es jetzt weg. Ich spar mir Steuern, Sprit, TÜV, Versicherung, Reparaturen und so weiter. :)

    Woofing und Housesitting habe ich selbst noch nicht ausprobiert. Klingt aber mega spannend.

    LG Lydia

    1. Reisenomadin

      Hallo Lydia,

      Danke für deine Tipps! Stimmt, dass mache ich auch. Verträge zu vergleichen halte ich für normal und sollte eigentlich immer im Alltag geschehen :D.

      Meine Möbel sind übrigens auch alle aus dem Second Hand-Laden, weil ich total auf Vintage und Retro stehe.

      Ja ein Auto frisst leider sehr viel Geld. Solange du kein Berufspendler bist, würde ich auch davon absehen.

      LG,
      Janine

  7. für Frauen sind Blutspenden eher keine Option. Oder man futtert wie wild Eisentabletten oder macht Eiseninfusionen (teuer). Ich bewundere dich, dass du so minimalistisch sein kannst. Ganz ohne meinen mädchenhaften schnick-schnack könnte ich ehrlich gesagt nicht leben…
    Ich habe mir als Azubi (Lohn mtl. ca. 700 Euro) eine Japan-Reise (ca. 3500 Euro) finanziert durch systematische Wettbewerbsteilnahmen online und Warenverkauf auf Ebay. Damals liess sich so noch gut Geld verdienen, mittlerweile ist Ebay überschwemmt von billigem Kram.

  8. Ein ganz toller Artkel mit wertvollen Tipps. Das wird sicherlich einigen eine sehr große Hilfe sein, wenn es darum geht, eine eigene Reise finanzieren zu können.

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