25
Mai
2017

Ahnenforschung – Wie ein DNA-Test meine Herkunft verrät

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Ahnenforschung. Wer waren meine Vorfahren? Woher stammen sie? Woher komme ich? Seit jeher höre ich mir an und das auch von meiner eigenen Mutter „Janine, Du siehst nicht Deutsch aus.“ Das schürt natürlich noch mehr die Spannung und das Interesse an der eigenen Herkunft.

Dazu kommt, dass ich mich schon etwas wurzellos fühle. Meine Rastlosigkeit und mein Drang nach Freiheit sind unbändig. Gibt es hierfür vielleicht eine Erklärung? Es soll ja das wissenschaftlich belegte Reise-Gen geben. Manche meinen, ich sei wie eine Nomadin – immer unterwegs oder auf der Flucht. Es fällt mir schwer länger an einem Ort zu bleiben. Dabei ist in mir der tiefe Wunsch verankert, anzukommen. Und ein Stück weit bin ich das. Hier im Rheinland fühle ich mich zu Hause, der Reise- und Bewegungsdrang ist geblieben.

Ich begann vor einiger Zeit einen Stammbaum anzulegen, aber kam nicht sehr weit. Die Ahnenforschung erwies sich als sehr mühselig und aufwendig. Zumal ich oft von den ausländischen Behörden keine Antwort erhielt. Jemanden zu beauftragen wäre zu teuer gewesen. Das Thema lag also wieder auf Eis.

Letztes Jahr sah ich die Kampagne einer bekannten Reisesuchmaschine. Sie packte mich! Doch wollte ich mich bei dem Wunsch auf der Suche nach meiner Ethnizität nicht von einem Gewinnspiel abhängig machen. Also ging es in die Recherche. Wer bietet diese Tests an? Wie seriös ist das Ganze? Ich las Erfahrungsberichte und durchforstete Foren.

Kurz erklärt – Was ist DNA und wie funktioniert die Entschlüsselung?

Die DNA ist Träger aller Erbinformationen, sprich Gene. Seit April 2003 gilt das menschliche Erbgut offiziell als vollständig entschlüsselt. Zwar ist die Bedeutung aller Gene noch nicht bekannt, diese werden jedoch seit 2003 in Folgeprojekten des Humangenomprojekt erforscht. Hierbei wird die Abfolge der Basenpaare (der Doppelstrang der DNA) der menschlichen DNA auf ihren einzelnen Chromosomen durch Sequenzieren (die Reihenfolge der Basen wird bestimmt) identifiziert. Klingt kompliziert, nicht wahr?

Die Entdeckung des Erbguts ist ein boomendes Geschäft. Dementsprechend waren teilweise auch die Preisspannen meiner Recherche ebenso unterschiedlich die angebotenen Leistungen. Ich entschied mich für MyHeritage und zahlte dafür 79 €.

Wie funktioniert der DNA-Test? 

Besonders hat mir gefallen, dass ich den Fortschritt des Tests während des gesamten Prozesses auf der Webseite verfolgen konnte. Von der Bestellung bis zum Ergebnis vergingen knapp acht Wochen. Ich forderte mein DNA-Kit an. Das Set enthielt Anweisungen über die Aktivierung des Kits und wie ich die DNA-Probe entnehme. Die Wange wird für einige Sekunden abgetupft und anschließend in einer kleinen Phiole mit Flüssigkeit gegeben. Das Ganze ging in einem vorhandenen Rückumschlag zur Analyse ins Labor. Nach ca. sechs Wochen erhielt ich per E-Mail die Einladung mein Ergebnis anzuschauen.

DNA-Test Ahnenforschung

© Screenshot MyHeritage

Das Ergebnis – Wer bin ich?

Lange Rede, kurzer Sinn. Wahrscheinlich bist Du genauso gespannt wie ich, als ich voller Neugier vor der E-Mail saß. Mein Herz pochte. Zig Gedanken schossen mir durch den Kopf. Das Ergebnis spiegelt mein bereits vorhandenes Wissen über meine Vorfahren wieder, dennoch hält es einige Überraschungen parat. Erste Überraschung: Ich bin zu 0 % Deutsch. Schon krass! Damit habe ich nicht gerechnet. Hat die Mama wohl Recht behalten, dass ich nicht Deutsch aussehe. Meine Mutter ist übrigens Engländerin, doch auch das bin ich nur zu 8 %. Allerdings bin ich zu 20 % irisch und schottisch. Interessant oder?

DNA-Test Ahnenforschung

© Screenshot MyHeritage

Mit einer deutlichen Mehrheit von 48,3 % bin ich jedoch osteuropäisch. Das ist schon viel. Davon sind 29,2 % baltisch, die restlichen 19,1 % verteilen sich auf Gebiete wie Polen, Rumänien und die Ukraine. Baltisch hätte ich nie mit gerechnet. Vor kurzem erfuhr ich allerdings von meiner Oma, dass die Vorfahren von meinem englischen Großvater aus Rumänien stammen und die Eltern von Vatersseite aus Ostpreußen, was heute Polen ist.

Die restlichen 8 % verteilen sich auf England, Spanien und Italien. Das ist schon lustig, wo mich doch viele nur von meinem Aussehen her für eine Südländerin halten und das jetzt nur einen geringen Prozentsatz darstellt.

DNA-Test Ahnenforschung

© Screenshot MyHeritage

Für mich ist das Ergebnis unglaublich ergreifend. Gleichzeitig bin ich erstaunt, berührt und es macht mich ein wenig sprachlos. Schon in meinem Artikel „Wie mich das Reisen veränderte“ erzähle ich, welche Perspektivwechsel mir das Reisen mit sich brachte. Ebenso bin ich der Überzeugung das Reisen uns persönlich wie auch beruflich weiterbringt. Ich denke, wenn Menschen mehr reisen würden oder gar so einen DNA-Test machen, dass wir viel mehr Toleranz gegenüber anderen Nationen und Kulturen entwickeln würden. Oscar Wilde erkannte es richtig:

„Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.“

Letztendlich hat die Reisesuchmaschine, die damals die DNA-Kampagne ins Leben rief, Recht: Wir haben mehr mit der Welt gemeinsam, als wir denken. 

Mehr über MyHeritage

Ich möchte hier anmerken, dass ich keine Kooperation mit MyHeritage habe und es sich auch nicht um Werbung handelt, die vergütet wird. Es ist einfach meine persönliche Empfehlung. Nach aufwendiger Recherche, bin ich sehr zufrieden mit dem Anbieter. MyHeritage hat eine riesige Datenbank mit über 2,1 Milliarden Profilen, 7 Milliarden historischen Aufzeichnungen und 85 Millionen registrierten Nutzern. Die Nutzer können den Ursprung ihrer Vorfahren der direkten väterlichen (Y-DNA) oder mütterlichen (mtDNA) Linie identifizieren. Über die autosomal-DNA (Family Finder) können Verwandte auf allen Linien entdeckt werden. Man erhält eine prozentuale Aufteilung der ethnischen Wurzeln und eine Bestätigung bzw. Widerlegung der nahen Verwandtschaft mit einer anderen Person. Alle DNA-Daten werden laut eigenen Angaben privat und sicher gespeichert. Letztendlich musst Du Dir jedoch ein eigenes Bild machen und Dich für den Anbieter entscheiden, der Dir richtig erscheint.

 

 

11 Responses

  1. Wahnsinn. Das würde mich ja auch mal reizen. Ich speicher mir das direkt mal ab. Ich weiß von meinen Vorfahren nur, dass ich irgendwo polnisches und holländisches Blut in mir haben muss… aber man weiß ja nie.

    LG Mel

  2. Endlich ein Einblick in die ‚deutsche‘ Auflistung! Vielen Dank dafür! 🙂
    (Ich wusste nicht, wie myHeritage die Länder aufklamüsern würde…)

    Genau so wie du, betreibe auch ich schon etwas länger Ahnenforschung, komme aber aus dem Rheinland tatsächlich nicht heraus! :’D

    Auch wenn ich nicht Deutsch aussehe; mein Charakter ist zu 100% Deutsch, bekomme das immer wieder gesagt. :’D
    Sobald ich aus Japan wieder zurück bin, werde auch ich diesen Test machen. Ich freue mich drauf, auch wenn die Sorge mitspielt anschließend nur zwei Länder (Deutschland und Pakistan) entdecken zu können.
    Naja… bleibt abzuwarten. 🙂

    Vielen Dank, dass du uns einen Einblick gewährst! 🙂

    1. Janine

      Da schreibst du etwas :). Vom Verhalten bringe ich auch die typischen deutschen Eigenschaften mit wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin, Zielstrebigkeit, Fleiß und so weiter und sofort. Das war mir nie bewusst, bis ich im Ausland arbeitete und man mir sagte, ich sei Deutsch durch und durch 😀 (vom Verhalten her). Das ist schon lustig!

      Letztendlich ist es egal, wie viele Länder es sind oder welche. Ich finde es einfach spannend etwas über die eigene Herkunft zu erfahren :). Bin gespannt, was bei dir rauskommt.

      Viel Spaß noch weiter in Japan!

      Liebe Grüße,
      Janine

  3. Oh, das hatte ich mir tatsächlich auch schon des Öfteren überlegt! Mein Vater kommt aus Schlesien, was ja heutzutage auch Großteils zu Polen gehört. Über die Vorfahren meiner Eltern wiederum weiß ich zum Beispiel aber gar nichts – das wäre bestimmt mega spannend, vor allem nachdem ich regelmäßig (sogar bei der Einreise in die USA) gefragt werde ob ich Russin sein *lach* Muss ich auf jeden Fall bald nachholen den Test – Danke für deinen tollen Bericht!

    1. Janine

      Ja spannend :)! Dann geht es dir ja ähnlich wie mir noch vor ein paar Wochen. Das mit der Einreise ist schon lustig ;).

      Freut mich, wenn der Artikel dir weitergeholfen hat.

      Viele Grüße,
      Janine

  4. Das ist echt spannend. Wie sicher kann man sich sein, dass das alles stimmt? Ich habe einen Stammbaum, den meine Oma erstellt hat, gefunden, demnach habe ich bis ins 17. Jahrhundert preussische Wurzeln. Ich traue meine Oma aber auch zu, dass sie da geflunkert hat, um heiraten zu können. Vielleicht kommen bei meiner Analyse auch noch weitere Länder heraus. Ich bin nämlich nicht so deutsch vom Verhalten her. 😉 Naja bis auf die Pünktlichkeit, aber bei mexikan. und bras. Freundinnen ist man eh immer pünktlich. 😉
    Lustigerweise werden der Vater meines Freundes und mein Freund selbst oft für Südländer (Spanier, Italiener) gehalten. Das geht soweit, dass er oft auf Spanisch angeredet wird und die Leute dann überrascht sind, dass er kein Spanisch spricht.

    LG Myriam

    1. Janine

      Liebe Myriam,

      100 % sicher kannst du dir nie sein. Ich denke, dass kein seriöser Anbieter dir eine Garantie auf Richtigkeit oder Haftung gewährt. Am besten einfach mal die AGBs durchlesen. Ich habe jedoch im Vorfeld ausführlich recherchiert, Foren durchforstet und Videos auf YouTube geschaut, die alle MyHeritage schon getestet haben. Die vorhandenen Infos der Protagonisten stimmte mit den Testergebnissen überein. Bei mir verhält sich das Ergebnis ähnlich, sorgte jedoch noch für Überraschungen.
      Vielleicht mache ich bei Zeiten einen weiteren DNA-Test bei einem anderen Anbieter, um die Ergebnisse zu vergleichen ;).

      Das hört sich auf jeden Fall bei dir so an, als ob der Test auch eine spannende Sache sein könnte :).

      Liebe Grüße,
      Janine

  5. Hallo Janine,
    Du hast ja fast die halbe Welt in Dir, unglaublich. Auch ich habe Ahnenforschung betrieben, bin aber in der Mitte steckengeblieben. Es ist wirklich sehr zeitaufwändig und kostet auch. Seit wir nur noch unterwegs sind, fehlt mir auch die Zeit. Das mit dem DNA-Test ist sehr interessant, das wusste ich noch nicht. Vielleicht muss ich mich da einmal drum kümmern. Und Du hast recht: Wenn einmal das Reisefieber gepackt hat, den lässt es nie wieder los. Wir reisen schon seit über 30 Jahren rund um die Welt, zuerst im Rahmen unserer Urlaubsmöglichkeiten, jetzt in Vollzeit. Alles Gute für Dich.

    1. Janine

      Haha…die halbe Welt soweit würde ich nicht gehen :). Bezieht sich zumindest alles auf Europa, aber trotzdem cool.

      Wow 30 Jahre!? Das ist ja unglaublich :). Toll! Ich wünsche Euch auch alles Gute und viele weitere tolle Reisen.

      Viele Grüße,
      Janine

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