14
Apr
2018

Erfahrungsbericht Ayurvedakur in Indien – zum 2. Mal im Somatheeram Ayurvedic Health Resort

Angekommen im ayurvedischen Pandora. Es ist meine zweite Panchakarmakur im Ayurveda Hospital Somatheeram Ayurvedic Health Resort. Die Freude ist groß! Der Empfang sehr herzlich. In mir macht sich ein wohliges Gefühl breit. Schön, wieder an diesem wundervollen und vertrauten Ort zu sein.

Es sind nicht nur der erstklassige Service, die bedingungslose Hilfsbereitschaft, die hohen Qualitätsstandards der Konsultationen und Behandlungen, sondern auch viele liebevolle Details, die diesen Aufenthalt immer wieder perfekt machen.

Ayurvedakur in Indien

Ayurvedakur in Indien

Ayurvedakur in Indien

Besonders freue ich mich auf die ayurvedische Küche. Die Gerichte sind ein Gedicht. Das Essen im Somatheeram ist vielseitig, kreativ und originell. Kein Gericht gleicht dem anderen. Jeden Tag gibt es zu jeder Tageszeit etwas anderes und jede Mahlzeit hält geschmacklich eine Überraschung parat. Von der Farbe oder Konsistenz darf man sich hier nicht täuschen lassen. Ich treffe auf Prasad, der F & B Manager des Ayurveda Resorts. Mit einer unglaublichen Ruhe und viel Hingabe erklärt er Neulingen alle Gerichte und hat immer eine schöne Geschichte parat. Ein angenehmer Mann, der mit sehr viel bedacht spricht und Weisheit ausstrahlt. Prasad kommt selber aus einer traditionellen ayurvedischen Familie wie viele Mitarbeiter des Somatheeram Ayurvedic Health Resorts.

Kein Wellness-Bullshit-Bingo –  alles hat Hand und Fuß

Einer meiner Hauptgründe, warum ich wieder in das Somatheeram zurückkehre, ist nicht nur die köstliche Kulinarik, sondern die Menschen, die dieses Ayurveda Resort ausmachen.  

Einer dieser Menschen ist Dr. Sreelatha, Ayurveda Direktorin und Ärztin, die mir seit meinem ersten Besuch sehr ans Herz gewachsen ist. Sie schaffte es, mir alle Zweifel und Sorgen zu nehmen und mich von meiner Migräne zu befreien. Ich bin von Grund auf ein eher kritischer Mensch. Geschwätz, Floskeln oder Phrasen beeindrucken mich wenig. Ich beobachte, erfahre, lasse die Erlebnisse auf mich wirken und ziehe dann ein Resumée. Mit Esoterik oder oberschlauen Weisheiten kannst Du mich jagen. Im Somatheeram arbeiten unter anderem Wissenschaftler, die mit langjährigem Wissen, Erfahrung, der nötigen Pragmatik und ebenso wichtigen Herzlichkeit und Empathie, Menschen behandeln. Hier werden keine Krankheiten oder Symptome behandelt. Der Mensch wird als Ganzes gesehen. Grund genug, mich ein zweites Mal hier behandeln zu lassen – dieses Mal wegen meiner Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk.

Ayurveda ist keine Esoterik, kein Wellness-Chichi, sondern die Wissenschaft vom Leben. Ohne Dogmen, Bekehrungen, überholte Belehrungen oder irgendwelche Glaubensrichtungen aufzuzwingen. Hier lassen sich Menschen aller Welt, aller Kulturen, aller Religionen und verschiedener Karriere-Hierarchien behandeln.

Mein Befinden während der Ayurvedakur

Meine zweite Ayurvedakur gleicht wieder einer Achterbahnfahrt. Beim ersten Mal spielte ich mit dem Gedanken abzubrechen. Obwohl ich gelernte Ayurveda Therapeutin bin und mehrere Jahre in diesem Bereich arbeitete, kam ich während meiner Kur an meine Grenzen. So auch dieses Mal.

Wie bei meiner letzten Kur, fülle ich wieder einen Anamnesebogen aus, unterziehe mich der ärztlichen Untersuchung sowie der Puls- und Zungendiagnose und erhalte für die nächsten 14 Tage einen Ernährungs- und Behandlungsplan. Tschüß Café, tschüß Schoki!

Wie schon bereits bei meinem ersten Erfahrungsbericht beschreibt der Artikel mein auf mich abgestimmten Behandlungsplan und mein subjektives Befinden dabei. Die Art der Anwendungen sind bei jedem unterschiedlich, ebenso wie der gesundheitliche Zustand und die Wirkungsweisen.

Ayurvedakur in Indien

Ayurvedakur in Indien

Die Ayurvedakur: eine Gefühlsachterbahn von zu Tode betrübt bis himmelhochjauzend

Die ersten zwei drei Tage sind von Müdigkeit und Jetlag geprägt. Die General Massage (Ganzkörpermassage) ist am ersten Tag ein super Einstieg um erst einmal runter zu kommen. Ich freue mich wie ein kleines Kind, das Bindhu wieder meine Ayurveda Therapeutin ist. Wie immer spricht sie vor der Behandlung ein Mantra (Gebet), das den Genesungsprozess fördern soll. Die Inder sind gläubig. Das ist keine Show. Es wirkt sehr natürlich, nicht aufgesetzt oder mysteriös.

Die nächsten Tage schlafe ich meistens 12 Stunden am Stück, als ob ich seit Jahren nicht mehr geschlafen hätte. Die Entgiftung setzt bereits ein.

Zwei Wochen lang erhalte ich täglich Herbaldhara (ein Körper-Kräuter-Ölguss). Ayurveda braucht Zeit. Das bedeutet, um ein wirklichen Erfolg zum messen, erfolgen die gleichen Behandlungen über mehrere Tage. Dabei gießen zwei Therapeuten warme Kräuterextrakte über meinen gesamten Körper. Diese Behandlung wird in verschiedenen Positionen ausgeübt: im Sitzen, in Rücken- und in der jeweiligen Seitenlage. Abschließend erhalte ich den Stirnölguss mit Buttermilch.


Am 3. Tag wird mir gegen meine aufkommenden Kopfschmerzen und meine Sehnenscheidenentzündung eine Kräuterpaste in der jeweiligen Region aufgetragen. Sollten die Kopfschmerzen nicht besser werden, soll ich laut Arzt später wiederkommen. Leider entwickeln sich die Kopfschmerzen zu einer Migräne. Im Somatheeram steht 24 Stunden ein Arzt zur Verfügung, somit begebe ich mich vor dem Abendessen noch mal hin.

Er mischt ein Getränk aus Kräutern an. Geruch und Geschmack sind sehr intensiv. Es schmeckt so widerlich und ich habe Schwierigkeiten es überhaupt runter zu schlucken. Was man nicht alles für seine Gesundheit tut. „Und das soll wirklich helfen?“ Kann es mir kaum vorstellen. Doch der Arzt sollte Recht behalten. Eine halbe Stunde später merke ich schon eine Verbesserung und dann sind die Kopfschmerzen weg. Echt faszinierend! Vor allem weil man so gar keinen Schimmer hat, was man letztendlich zu sich nimmt. Egal, hauptsache es hilft.

Die Kur zeigt ihre volle Wirkung

Am 4. Tag fühle ich mich gerädert, matschig und meine Neurodermitis ist ausgebrochen. Die Entgiftung ist im vollen Gange und ich reagiere sensibel auf die Kräuteröle. Und, man mag es nicht glauben, ich habe zwei Kilo mehr auf der Waage.

Ich raffe mich auf, um am Meer spazieren zu gehen. Die frische Meeresbrise tut gut. Ich setze mich auf einen Felsbrocken und lasse meine Gedanken treiben.

Ayurvedakur in Indien

Die Yogastunden spiegeln sich in meinem Handgelenk wieder. Leider hat es die Entzündung verschlimmert. Die Ärztin stellt noch mal die medizinischen Verbände um. Yoga ist vorerst tabu für mich. Es kommen Zweifel in mir auf, ob die Kur mir bei meiner Sehnenscheidenentzündung wirklich helfen kann. Auf der anderen Seite bin ich bei den Gesprächen mit anderen Gästen immer wieder verblüfft, wie positiv sich die Kur auf ihre Gesundheit auswirkt. Unter anderem befinden sich hier Menschen mit akuter Arthritis, Rheuma oder grauem Star.

Manche von ihnen haben keine Mühen gescheut herzukommen. Beispielsweise ist Nancy knapp 25 Stunden aus L.A nach Kerala geflogen. Sie wird während meiner Kur zu einer  Vertrauten. Der Austausch mit ihr tut mir sehr gut.

Viele Menschen kommen auf Empfehlung ins Somatheeram, weil die Schulmedizin nicht weiter weiß und sie selbst mittlerweile verzweifelt sind. Vielleicht bin ich zu ungeduldig? Kann eine entzündliche Erkrankung, die ich seit einem Jahr habe und schon bereits operativ ohne Erfolg behandelt worden ist, innerhalb einer Woche noch heilen? Es machen sich starke Zweifel breit, doch Alternativen habe ich keine. Offen gestanden sehe ich die Kur als letzten Ausweg.

Die Abführ-Nacht

Halbzeit! Am 6. Tag endet die Entgiftung der Panchakarma-Kur. Nach dem Abendessen heißt es abführen. Dafür wird ein spezielles Abführpulver in einem warmen Glas Wasser aufgelöst. Es schmeckt scheußlich und ist scharf. Ich kriege es kaum runter.

Ziel des Reinigungsprozesses ist, all die Gifte, die meinem Blut- und Lymphdrüsenkreislauf entzogen wurden und sich in meinem Magen- und Darmtrackt gesammelt haben, auszuschwemmen.

Für den Tag danach ist mir strikte Ruhe verordnet worden, selbst Strandspaziergänge sind tabu. Der Körper soll nicht unnötig belastet werden. Somit steht heute nur eine leichte Ganzkörpermassage für die Entspannung auf dem Programm.

Der Tag beginnt mit einer leichten Reissuppe, gefolgt von einer Reisgrütze zum Mittag.

Im Gedankenkarussell gefangen

Ich bin unglaublich kaputt, obwohl ich auf der anderen Seite eine innere Unruhe verspüre. Die Gedanken kreisen, mich überkommen Selbstzweifel. Mental bin ich niedergeschlagen. Ich fühle mich dünnhäutiger und angreifbar. Sorgen machen sich breit. Ich wirke schon fast depressiv. Auf einmal stelle ich mein komplettes Leben in Frage. War diese oder jene Entscheidung richtig? Wie soll es weitergehen? Neuanfang? Studieren? Mir schießen zig Gedanken durch den Kopf.

Welche Alternativen habe ich in Deutschland noch? Ehrlich gesagt habe ich keine mehr. Den Mist mit der Sehnenscheidenentzündung habe ich jetzt seit einem Jahr. Das kann sich kaum einer vorstellen, aber es überkommen Dich wahre Existenzängste, wenn Du noch nicht mal alltagstauglich bist. Die Hände sind einfach unser Werkzeug.

Ich treffe auf Nancy, die sagt: “Du siehst nicht gut aus!”

“Ich weiß auch nicht”, erwidere ich, “ich sehe alles so negativ auf einmal und fühle mich ohnmächtig und verzweifelt irgendwie”.

“Ja, das geht jedem nach der Abühr-Nacht so. Eine Ayurvedakur kann sehr heftig sein, wirkt sich auf allen Ebenen aus und ist nicht zu unterschätzen. Akzeptiere Deinen Gefühlszustand. Ich verspreche Dir, morgen spätestens übermorgen ist es besser.”

Ich habe die Nase voll

Am achten Tag erhalte ich im wahrsten Sinne des Wortes einen Behandlungs-Marathon. Es ist anstrengend. Nach dem Stirnölguss sehne ich mich nur nach meinem Bett. Stattdessen  erhalte ich noch einen Öleinlauf sowie eine Nasenreinigung ebenfalls mit Öl. Ich bin fix und fertig. Ja, ja… So eine Ayurvedakur ist kein Kindergeburtstag. Mein Gemüt hat mittlerweile den Tiefpunkt erreicht. Auch die Ärzte sind ein wenig in Sorge was meinen psychischen Zustand angeht. “Don´t worry Janine, be happy”, wird zum Standardspruch der Ärzte.

Wie neugeboren!

Der 10. Tag: Ich fühle mich besser und energiegeladener. Trotz aller Zweifel hinsichtlich meines Handgelenks, spüre ich den Mehrwert der Kur. Vom Kopf her bin ich frisch und klar, nicht mehr so matschig. Es geht aufwärts. Irgendwie hat sich ein Knoten gelöst. Die permanenten Selbstzweifel, die mich begleiten wie  z. B. nicht gut genug, nicht talentiert, geschweige denn intelligent genug zu sein, verschwinden allmählich. Verworrene Zustände bekommen mehr Klarheit. Am Ende des Tunnels ist Licht in Sicht. Ideen manifestieren sich.

Ich treffe auf Nancy: “Du siehst viel besser aus heute. Du fühlst Dich besser richtig? Diese Gefühlsachterbahn macht jeder hier durch.” Die Entgiftung findet nicht nur auf körperlicher Ebene sondern auch auf feinstofflicher Ebene statt. Ich glaube, dass kann nur jemand nachvollziehen, der das selber erlebt hat.”

Heute erhalte ich eine 4 Hand-Synchron-Massage, den Stirnölguss mit Buttermilch, Nasya (Nasenreinigung), einen speziellen Kräuter-Umschlag für das Handgelenk.

Meine Medizin wird noch einmal umgestellt und ich spüre zum ersten Mal eine leichte Verbesserung meines Handgelenks. Die Kur soll noch nachwirken und das endgültige Resultat wird sich erst in wenigen Wochen zeigen.

Ab einer 14-tägigen Kur ist auch noch ein Ausflug mit enthalten. Ich buche am Ende meiner Kur einen Städtetrip nach Trivandrum. Unter anderem besuche ich das renommierteste und bekannteste Sari-Geschäft und mache Trivandrums Straßen “unsicher”.

Fazit meiner Ayurvedakur:

Leider brachte die Ayurvedakur nicht die gewünschte Heilung für mein Handgelenk. Doch sehe ich das mittlerweile pragmatisch: Eine so langwierige Krankheit lässt sich auch nicht eben in zwei Wochen heilen. Selbst die Ayurveda-Ärztin sagte, es könnte gut sein, dass ich mich einer weiteren Operation unterziehen müsste.

Ayurveda ist keine Zauberei, sondern erfordert Zeit. Es war einen Versuch wert. Nichtsdestotrotz hat mich die Ayurvedakur überzeugt. Der Effekt, den man nach einer  Ayurvedakur spürt, ist unbezahlbar und nachhaltig. Der Körper wurde samt seiner Organe entgiftet und entsäuert, das Immunsystem gestärkt. Mein Hautbild hat sich deutlich verbessert. Ich fühle mich ausgeglichener und entspannter. Selbst mein Umfeld spricht mich auf diese Veränderung an und möchte mich beim nächsten Mal unbedingt begleiten.

Ich habe mir fest vorgenommen alle zwei Jahre eine Ayurvedakur als Präventivmaßnahme durchzuführen, um gesund und fit zu bleiben.

Alle Vorteile des Somatheeram Ayurvedic Health Resorts auf einen Blick:

  • 24h Ayurveda Arzt vor Ort
  • Übersetzer für die Arztgespräche auf Anfrage
  • Tägliches Gespräch mit einem Arzt (Package-Bestandteil*)
  • Tägliche, auf Sie abgestimmte Ayurveda Anwendungen (Package-Bestandteil*)
  • Ayurvedische Vollpension inkl. Getränke (Package-Bestandteil*)
  • Ernährungsplan für Ihre Kur (Package-Bestandteil*)
  • Alle für Sie verschriebenen Medikamente kostenlos (Package-Bestandteil*)
  • Tägliche Yoga & Meditations-Kurse (Package-Bestandteil*)
  • Yoga Einzelstunden auf Anfrage (Extra Service)
  • 24h Zimmerservice
  • 24h Rezeptionsservice
  • Internetcafé und WLAN Internetzugang an der Rezeption
  • Halbtägiger Backwater Ausflug (je nach Package*)
  • Ayurveda Restaurant mit großer Sonnenterasse und Meerblick
  • Open Air Bühne für kulturelle Aufführungen
  • Flughafentransfer von und nach Trivandrum kostenlos (je nach Package*)
  • Hauswäscherei
  • Swimmingpool inkl. Handtuch-Service und Lifeguard
  • Strandliegen, Handtuch-Service und Lifeguard am Meer
  • Täglich eine Flasche Wasser gratis pro Gast

Hier findest Du meine bisherigen Artikel über meine Ayurvedakuren in Indien:

Die Ayurvedakur wurde freundlicherweise durch das Somatheeram Ayurvedic Health Resort unterstützt. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für diese wundervolle Erfahrung! Natürlich bleibt meine eigene Meinung dadurch unberührt.

 

 

2 Responses

  1. Wunderbar!!! Ich habe einen kognitiven Artikel gelesen. Ih meine so: Wenn man irgendeine Art von Beschwerden oder gesundheitlichen Problemen hat, muss man alle Methoden (traditionelle und nicht traditionelle) ausprobieren, um die Gesundheit zu verbessern. Indien ist eines der führenden Länder auf dem Gebiet der Medizin.
    Ich möchte, dass Sie alle Beschwerden loswerden!!!
    Ich freue mich auf eine neue Geschichte über einen Ausflug in dieses wunderbare Land.

Leave a Reply

*