2
Nov
2015

Erfahrungsbericht Ayurvedakur in Indien – Teil 2

Im ersten Teil meines Erfahrungsberichts der Ayurvedakur erfährst Du alles über mein Ankommen im Somatheeram Ayurvedic Health Resort und wie so eine Erstverschlimmerung während einer Ayurvedakur aussehen kann. Der Körper wird gereinigt und entgiftet. Kein Kindergeburtstag, kein Chichi. Wellness-Hotel mit Bar ist das hier nicht. Stattdessen erwarten mich zehn Tage ayurvedische Kräutermedizin, therapeutische Behandlungen und ein individueller Diätplan. Und weißt Du was? Ich finde es super! Denn ich habe hier die Chance gesund zu werden, mir und meinem Körper etwas Gutes zu tun und etwas Wunderbares zu erleben. Lese hier den zweiten Erfahrungsbericht über meine Ayurvedakur und was es tatsächlich bewirkt hat.

Das Somatheeram Ayurvedic Health Resort in Kerala.

Das Somatheeram Ayurvedic Health Resort in Kerala.

  1. Tag

Befinden: es geht aufwärts, immer noch müde, aber nicht mehr matschig oder extrem erschöpft

Symptome/Nebenwirkungen: Neurodermitis (besser)

  1. Behandlung: Ganzkörpermassage (Abyangha), 4-Hand-Synchronmassage, Schlammpackung aus Kräuterreispaste, Kräuterbad (Herbal Dhara)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara)

Heute bin ich nach dem Aufwachen nicht mehr ganz so matschig wie ich mich sonst immer fühle. Das Bauchgrummeln ist weg. Das muss ich direkt ausnutzen und zum Strand gehen. Morgens ist die Stimmung am Meer immer ganz besonders.

Das wunderschöne Meer in Kovalam.

Das wunderschöne Meer in Kovalam.

Hinterher gehe ich zu meiner ersten Behandlung für den Tag. Normalerweise hätte ich heute einen Darmeinlauf (Vasti) gekriegt, da sich jedoch mein Körper gestern entschlossen hatte, sich selbst zu reinigen, fällt das weg. Stattdessen erhalte ich heute eine ganz besondere Anwendung. Zum einen bekomme ich eine 4-Hand-Synchronmassage. Zum anderen hat Bindu eine braune Kräuterreispaste angefertigt, die mir zwei Therapeuten komplett von Kopf bis Fuß auf den Körper schmieren. Ich sehe aus als ob ich im Schlamm gebadet hätte. Hinterher heißt es kurz abduschen, um dann noch mal mit Kräuterwasser übergossen zu werden. Danach verspüre ich nur leichte Kopfschmerzen, aber bin nicht mehr ganz so matt wie sonst. Meine Haut fühlt sich butterweich an.

4-Hand-Synchronmassage

Nach dem Mittagessen gibt es für mich eine kleine Rundführung durch das Somatheeram und ich erfahre mehr über das Ayurveda Krankenhaus. Dabei werden mir auch verschiedene Obstbäume gezeigt. Bis dato wusste ich zum Beispiel nicht, wie Mango- oder Papayabäume aussehen.

So sieht ein Papayabaum aus.

So sieht ein Papayabaum aus.

Am Nachmittag bekomme ich eine Kopf- und Rückenmassage mit anschließenden Shirodhara mit Buttermilch. Die warme Milch rinnt mir links und rechts über die Stirn – ich schlafe wieder ein.

  1. Tag

Befinden: gut, klarer Kopf

Symptome/Nebenwirkungen: Neurodermitis (besser)

  1. Behandlung: Ganzkörpermassage (Abyangha), 4-Hand-Synchronmassage, Schlammpackung aus Kräuterreispaste, Kräuterbad (Herbal Dhara)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara)
  3. Behandlung: Abführen über Nacht (Purgation)

Heute wache ich wieder vor dem Wecker auf. Es ist 6.30 Uhr in der Früh. Ich gehe ein wenig spazieren und mein Appetit ist zurück.

Auch heute erhalte ich wieder eine Synchronmassage mit einer darauffolgenden Schlammpackung aus brauner Kräuterreispaste. Ich dusche mich kurz ab und erhalte ein Pizhichil mit Kräuterwasser. Ich fühle mich frisch hinterher.

Am Nachmittag bekomme ich eine Kopf- und Rückenmassage mit anschließenden Shirodhara mit Buttermilch. Die Behandlungen scheinen allmählich zu wirken, zumindest habe ich keine Migräne mehr. Doch heute kommt noch einiges auf mich zu….

Heute Nacht führe ich ab. Der Körper soll mit einem speziellen Pulverextrakt entgiftet und gereinigt werden. Nach einem leichten Abendessen erhalte ich das Pulver, das die Hälfte des Glases füllt. Ich mische das Ganze mit heißem Wasser an. Es schmeckt sehr würzig und scharf. In den nächsten 30 Minuten sollen weitere 2 – 3 Gläser warmes Wasser folgen. Der Bauch fängt an zu rummeln, aber es passiert nichts. Um Mitternacht gehe ich nun doch schlafen, die Müdigkeit lässt sich nicht mehr zurückhalten. In der Nacht wache ich immer wieder mit leichten Bauchschmerzen auf.

© Somatheerem Ayurvedic Health Resort: Herbal Dhara, der Kräuterguss, ausgeübt mit warmen Öl oder Buttermilch

© Somatheerem Ayurvedic Health Resort: Herbal Dhara, der Kräuterguss, ausgeübt mit warmen Öl oder Buttermilch

  1. Tag

Befinden: gut, ein wenig müde durch die Bauchschmerzen

Symptome/Nebenwirkungen: Neurodermitis (besser)

  1. Behandlung: General Massage (Ganzkörpermasse), Kräuterbad (Herbal Dhara)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Stirnölguss (Shirodhara)

Um 6 Uhr morgens stehe ich auf und nehme wieder heißes Wasser zu mir. Das Abführen beginnt.  Abgesehen davon, dass ich müde bin, geht es mir gut. Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Hinterher darf ich ein leichtes Frühstück zu mir nehmen, das aus Reissuppe mit Salz besteht. Um 9 Uhr beginnt meine Behandlung. Heute erhalte ich nur eine leichte Ganzkörpermassage mit anschließendem Kräuterwasserguss. Im Laufe des gesamten Tages darf ich nur heißes Wasser trinken, um mein Verdauungsfeuer nicht durch Kaltgetränke oder schwere Nahrung zu schwächen.

Nachmittags esse ich eine Reisgrütze mit ein wenig Ingwer-Kokosnuss-Chutney. Am späten Nachmittag erhalte ich wieder eine Kopf- und Schultermassage mit anschließenden Shirodhara mit Buttermilch. Abends ist immer noch Schonkost angesagt: Es gibt Zitronenreis mit gedünstetem Gemüse. Insgesamt habe ich es mir schlimmer vorgestellt. Aber mir ging es, bis auf dass ich ein wenig schlapp war, sehr gut.

So sehe ich nach den Behandlungen aus. Lustig oder?

So sehe ich nach den Behandlungen aus. Lustig oder?

  1. Tag

Befinden: müde, aber gut soweit

Symptome/Nebenwirkungen: Neurodermitis (besser)

  1. Behandlung: Massage mit den Füßen (Rejuvenation Massage), 4-Hand-Synchronmassage, Darmeinlauf (Vasti), Augenreinigung (Tharpanam), Ohrreinigung mit medizinischen Rauch (Dhoopanam)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Schlammpackung für den Kopf bestehend aus Kräutern und Buttermilch (Thalapothichil)

An dem heutigen Morgen bin ich trotz Müdigkeit gut gelaunt, denn ich darf endlich wieder richtig essen. Was freue ich mich schon auf mein Banana Stew und Spinat Chappati.

Ich liebe Banana Stew und habe es fast täglich gegessen.

Ich liebe Banana Stew und habe es fast täglich gegessen.

Ich bin ein wenig kaputt heute und die heutigen Behandlungen werden das nicht verbessern. Bindu massiert mich heute mit ihren Füßen. Anschließend erhalte ich eine 4-Hand-Massage. Mit viel Druck und schnellen Bewegungen geht es ritsch ratsch. Es strengt mich an. Hinterher verpasst Bindu mir einen Einlauf (Vasti) mit Kräuteröl, massiert danach meinen Bauch. Das soll die Verdauung noch mal anregen. Als ob das nicht schon reicht, passiert noch etwas sehr spannendes! Ihre Kollegin kommt mit einer Kokosnuss, die lichterloh brennt. In ihr sind verschiedene Kräuter enthalten. Die Kokosnuss liegt in einer Kugel mit einer langen Stange, das mich optisch an eine Mischung aus Bunsenbrenner und Kerzenlöscher erinnert. Der produzierte Rauch wird in meine Ohren eingeflößt, um sie zu reinigen. Hinterher reinigt sie noch meine Augen mit einer Flüssigkeit. Tharpanam nennt man das im Ayurveda. Nach den ganzen Behandlungen bin ich echt geschafft, auch ein wenig gereizt und dünnhäutig. Ich fühle mich gerädert. Das war sehr anstrengend.

Nach dem Mittagessen lege ich mich hin und schlafe bis zur nächsten Anwendung.

Auch heute erhalte ich wieder eine Kopf- und Schultermassage, doch zusätzlich wird mein Kopf hinterher mit einer Schlammpackung bestehend aus Kräutern und Buttermilch eingeschmiert. Das sei besonders gut bei Kopfschmerzen, Migräne und Schlaflosigkeit. Mit einem Bananenblatt wird die Paste auf meinen Kopf abgedeckt und darf jetzt 45 Minuten wirken. Danach bin ich tiefenentspannt.

Die Ohrreinigung findet mit einer brennenden Kokosnuss statt.

Ich muss zugeben, dass mir das nicht ganz geheuer ist ;). Die Ohrreinigung findet mit einer brennenden Kokosnuss statt.

10. / 11. Tag

Befinden: gut

Symptome/Nebenwirkungen: ab der 1. Behandlung Kopf- und Rückenschmerzen

  1. Behandlung: Massage mit den Füßen (Rejuvenation Massage), 4-Hand-Synchronmassage, Augenreinigung (Tharpanam), Ohrreinigung mit medizinischen Rauch (Dhoopanam)
  2. Behandlung: Kopf- und Schultermassage, Schlammpackung für den Kopf bestehend aus Kräutern und Buttermilch)

Trotz einer schlechten Nacht und Schlafstörungen (durch das Festival), fühle ich mich an dem heutigen Morgen frisch. Heute gibt es zum Frühstück meine heißgeliebte Masala Dosai. Dazu esse ich wieder Banana Stew. Ich kann einfach nicht genug bekommen.

Nach dem Frühstück erhalte ich wieder eine Massage mit den Füßen, aber dieses Mal mit ruhigen Bewegungen. Die Anwendung fühlt sich sehr intensiv an und bringt mich runter. Hinterher gibt es wieder eine 4-Hand-Massage. Die Behandlung fühlt sich heute besser an als gestern. Sie wird ruhiger ausgeführt und ich fahre runter. Zum krönenden Abschluss werden wieder meine Augen gereinigt und meine Ohren mit einer brennenden Kokosnuss ausgeräuchert.

Danach habe ich leichte Kopf- und Rückenschmerzen. Eine Stelle macht mir besonders zu schaffen, die auch mitunter meine Migräne auslöst. Wird sich schon geben denke ich! Die Nachmittagsbehandlung wird ausnahmsweise auf morgen früh vertagt, da eine Bootstour durch die Backwaters ansteht und darauf freue ich mich schon tierisch.

Ist es nicht wunderschön hier? Die Stille und Ruhe ist einmalig.

Ist es nicht wunderschön hier? Die Stille und Ruhe ist einmalig.

Die Kopf- und Schulterschmerzen wollen mich jedoch nicht loslassen. Nach meiner Rückkehr suche ich die Ärztin auf. Gott sei Dank ist noch eine Therapeutin da, die auf Marma-Massage (eine Art Akupressur) spezialisiert ist. Sie schmiert mir eine scharfe Flüssigkeit auf die Haut, die meine Muskeln erwärmt und fängt an zu drücken und zu ziehen. Nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei und sie sagt, ich solle einige Minuten warten, dann ist es besser. Sie hat Recht! Zwar machen sich noch starke Kopfschmerzen bemerkbar, aber die Rückenschmerzen sind weg.

Auch wenn meine Nachmittagsbehandlung ausnahmsweise auf den 11. Tag verlegt wurde, schreibe ich sie zu dem 10. dazu. Am nächsten Tag geht es mir sehr gut und ich genieße meine letzte Massage mit Schlammpackung auf dem Kopf.

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: Diese Massage wird mit den Füßen ausgeübt.

© Somatheeram Ayurvedic Health Resort: Diese Massage wird mit den Füßen ausgeübt.

Mit ein wenig Bedauern reise ich heute ab. Die Kur hat viel in mir bewegt und ich verspüre eine klare Verbesserung, auch wenn ich noch nicht vollständig regeneriert bin. Ich habe das Gefühl mitten in der Genesung abzubrechen und zu gehen. Die Ärztin hat Recht behalten: 20 Tage wären besser für mich gewesen. 10 Tage sind eine zu anstrengende Prozedur für den Körper. Ich komme wieder und nehme mir beim nächsten Mal mehr Zeit.

Mein Fazit nach knapp fünf Wochen:

Direkt an meinem Ankunftstag in Deutschland kam meine Neurodermitis wieder. Darüber hinaus machten sich am Ende der Kur immer wieder Magenschmerzen bemerkbar, denen ich aber keine Beachtung schenkte. Zuhause ging ich doch vorsichtshalber zum Arzt, weil sie immer schlimmer wurden. Leider hatte ich eine akute Magenschleimhautentzündung, die mittlerweile wieder weg ist. Wodurch sie ausgelöst wurde, kann ich nicht sagen. Die Symptome, aufgrund derer ich im Somatheeram war, sind jedoch viel besser. Ich bin nicht mehr so extrem erschöpft und hatte seit dem weder Migräne noch Kopfschmerzen. Das ist ein wahres Erfolgserlebnis für mich!

Denke immer daran, dass die Behandlung und Wirkung sehr individuell sind. Jeder hat ein anderes Empfinden oder andere Bedürfnisse. Die Anwendungen, die die Gäste hier erhalten, sind sehr unterschiedlich. Schaue Dir gerne auch dazu dieses kurze Video an. 

Würdest Du eine Ayurvedakur machen? Verrate es mir! Vielleicht hast Du es bereits? Dann teile mir gerne Deine Erfahrungen mit. 

Die Ayurvedakur wurde freundlicherweise durch das Somatheeram Ayurvedic Health Resort unterstützt. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für diese wundervolle Erfahrung! Meine Meinung und Erfahrung sind meine eigenen.

 

 

4 Responses

  1. Was für ein Berich! Da sieht man, dass Ayurveda viel mehr ist als nur so ein bisschen Wellness-Klimbim. Ich hoffe, die Kur hallt noch in dir nach und dass es dir im Schnitt zumindest besser geht als zuvor.

    1. Reisenomadin

      Hi Sissi,

      ja die Kur hat mehr bewirkt als mancher Arzt- und Heilpraktikerbesuch. Ich kann es nur jeden empfehlen mind. einmal so eine Kur zu machen.

      LG,
      Janine

  2. Pingback : Genussstücke im Oktober

  3. Pingback : www.bereisediewelt.de Ayurvedakur in Indien

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