26
Aug
2017
Island

Moral & Ethik im Job: Hast Du das Gefühl in diese Arbeitswelt nicht reinzupassen?

Na, dann herzlich willkommen! Vielleicht gehörst Du ebenfalls zu den Leuten, die hohe ethische Wertmaßstäbe verfolgen? Vielleicht reicht es Dir auch einfach nicht mehr, mit dem Strom zu schwimmen oder einfach nur Kohle zu scheffeln? Ich muss in allem was ich tue oder mache einen Nutzen oder Sinn erkennen, sonst widerstrebt es mir dem nachzugehen.

Dazu kommt noch, dass für mich die Basis aller Beziehungen Transparenz, Zuverlässigkeit, Offenheit und Kommunikation ist. Kommunikation ist bekanntlich der Schlüssel zum Erfolg. Ja klar, wirst Du jetzt denken. Nichts Neues und will ja jeder. Jeder will es und keiner lebt es. Wir leben in einem gesellschaftlichen Konstrukt von Lügen. Seit 17 Jahren arbeite ich Vollzeit. In dieser Zeit habe ich diverse Branchen, unterschiedliche Unternehmen vom Startup bis Großkonzern mit unterschiedlichen Menschen und Kulturen durchlebt und kam zu folgenden Erkenntnissen:

  • Die Menschen sind bestrebt, sich stets Vorteile zu verschaffen oder für das Erreichen ihres persönlichen Ziels zu taktieren. Ganz nach dem Motto, wer am lautesten schreit, kriegt seinen Willen – losgelöst von der Qualität der Arbeitsperformance.
  • Die Arbeitswelt ist von Konkurrenzdenken, Machtkämpfen und Ellbogen bestimmt. Introvertierte oder emphatische Menschen haben es hier deutlich schwerer.
  • Eigenverantwortliches Arbeiten ja, selbstständiges Denken nein. Bitte nichts in Frage stellen.
  • Du wirst für ziemlich dumm verkauft! Manager von dies, Head of das – plus mehr Arbeit, gepaart mit Schmeicheleien vom Arbeitgeber oder Kollegen, um die Wertigkeit Deines Egos zu pushen und ebenso an Dein Verständnis zu appellieren und zack bist Du in die Falle getappt. Du darfst mehr arbeiten, mehr Verantwortung tragen und das für das gleiche Geld. Wenn es ganz Dicke kommt, kassieren noch andere die Lorbeeren dafür.
  • Tägliche Floskeln, Phrasen, Lügen, Hoffnung machen, Luftschlösser bauen und das gespielte Bullshit-Bingo von Arbeitgebern komplettieren das Ganze.

Der vermeintliche Traumjob entpuppte sich oftmals als eine Seifenblase, die mich beim Zerplatzen auf Beton aufschlagen ließ.

Wo ist nur die Ethik und Menschlichkeit geblieben?

Es entspricht nicht meinem Naturell durch Machtkämpfe, strategische Spielchen oder durch eine übersteigerte Selbstdarstellung Karriere machen.

Ich kann keine bestimmte Rolle einnehmen, nur um vorteilhaft durch das Leben zu kommen. Trotz meines Fleißes und Engagements bin ich durch mein Naturell oftmals in den untersten Hierarchieebenen oder in mittelmäßigen Gehaltsstufen hängen geblieben.

Ich neigte stets dazu, mich maßlos zu verausgaben, nur um ein wenig Wertschätzung zu erhalten. Ich war bisher freiwillig bereit Überstunden oder einen sonstigen Mehraufwand zu betreiben auf Kosten meiner Gesundheit und nur für etwas Anerkennung. Mein Körper war wahrscheinlich permanent mit leistungssteigernden Stresshormonen gedopt.

Ich habe ein hohes Maß an Qualitätsbewusstsein, einen guten Riecher/Intuition, erledige mit Geschwindigkeit, Präzision und Effektivität die Arbeit. Darüber hinaus besitze ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Investiere viel Kraft und Mühe um Strukturen und ein faires Miteinander zu schaffen.

Ohne mich selbst zu loben, mein Engagement ist überdurchschnittlich. Viele Arbeitgeber bemerkten erst nach meiner Kündigung, dass meine Arbeitsergebnisse von anderen nicht annähernd erreicht werden können. Man könnte mir die alleinige Verantwortung für eine komplette Firma übertragen, ich würde immer so agieren, als sei es meine eigene. Vielleicht geht es Dir genauso? Denn hier ist das Problem. Bist Du noch Arbeitnehmer und lässt Dich Dein Engagement gefühlter Arbeitgeber sein?



Wenn Du Arbeitnehmer bist, war es, ist es und wird es nie Deine Firma sein!

Die Gefahr besteht, dass Deine Aufopferungsbereitschaft nicht bemerkt wird oder bei einem Jobverlust Deine Welt zusammenbrechen könnte. Du möchtest wahrscheinlich nicht, dass Deine langjährigen beruflichen Kraftanstrengungen vergebens waren. Dies kann zu einer tiefen Enttäuschung führen und Dich mental übelst schädigen. Ich sage nur: “Generation Burnout”.

Frage Dich lieber, ob sich Deine abgelieferte Arbeitsleistung noch rechnet? Ist das, was Du täglich an Deinem Arbeitsplatz leistest noch mit dem Gehalt abgegolten oder verkaufst Du Deine Dienstleistung unter Wert? Es gibt eine sogenannte Kosten-Nutzen-Analyse. Dein eingehendes Gehalt steht praktisch den Kosten gegenüber wie Deinen Nerven, Deiner Toleranz gegenüber dem täglichen Blödsinn, mit dem Du Dich auseinandersetzen musst, Deinem Zeitaufwand, Deiner Expertise sowie Berufserfahrung. Passt das alles noch oder stehst Du an einem Punkt, wo Du die Karten neu mischen musst?

Hohe Wertmaßstäbe rechnen sich für Rentabilität und Betriebsklima

Unternehmen müssen wirtschaftlich und wettbewerbsorientiert denken. Dieser Wettbewerb durchzieht oftmals auch durch die Arbeitnehmerebene. Du bist etwas wert, wenn Du Kohle scheffelst, Karriere machst. Bekanntlich kommen nur die Harten in den Garten.

Wie passt also Menschlichkeit und ein empathischer Arbeitgeber in die Wirtschaftswelt? Ich frage mal andersherum: Was haben Arbeitgeber davon, wenn ihre Mitarbeiter ausgebrannt sind, Unmut entsteht, sie ausgebremst oder klein gehalten werden, die Guten letztendlich aufgrund von Frust, mangelnder Wertschätzung und Demotivation gehen? Immer mehr Unternehmen haben Probleme, gutes Personal zu halten oder Fachkräfte zu finden. Es lässt sich nur nicht alles mit Kohle kompensieren.

Moral & Ethik im Job – Was sich moderne Arbeitnehmer wünschen

Meine Generation Y ist das beste Beispiel dafür. Uns sind Wertschätzung, Unabhängigkeit, Sicherheit, interessante Arbeitsinhalte, eigenverantwortliches Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, ein respektvolles Miteinander, Transparenz, Offenheit, Vertrauen und eine Mitgestaltung des Unternehmens wichtig. Beruflicher Prestige und hierarchisches Statusdenken waren gestern. 

Natürlich soll unsere Arbeitsleistung fair und angemessen entlohnt werden, doch verfolgen wir hohe Arbeitswerte. Das sind alles Faktoren, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Motivation und Arbeitsleistung haben. Der Mensch sollte im Fokus stehen und das nicht in Form von Leistungsdruck. Ich plädiere für mehr Menschlichkeit und appelliere an Arbeitgeber eine Unternehmenskultur zu entwickeln, die von Wertschätzung und einem wirklichen Miteinander geprägt ist. Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht nur Kommunikation, sondern ebenso Menschlichkeit und Transparenz. Das wahre Potenzial eines jeden Unternehmens sind die Mitarbeiter.

Also probieren wir doch alle mal mehr Transparenz zu leben und Authentizität zu zeigen sowie an einem Strang zu ziehen! Das würde einiges in vielerlei Hinsicht verbessern und das gemeinsame Arbeiten erleichtern. Amen!

 

1 Response

  1. Treffender könnte man meine jahrelangen Erfahrungen und Gefühle nicht beschreiben. Und ich bin keine Generation Y. Ich habe mich in die Selbstständigkeit geflüchtet, in eine Branche, die einigermaßen human, jedoch schlecht bezahlt ist.

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