16
Feb
2015

Reisen und Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff – 12 Fragen an Julia

Du willst die Welt bereisen, an den schönsten Orten der Erde verweilen und dabei noch Geld verdienen? Am besten jeden Tag woanders sein und die Mittagspause nutzen, um in der Sonne zu entspannen oder neues zu entdecken? Ja, das geht tatsächlich! Vielleicht ist ein Job auf einem Kreuzfahrtschiff etwas für Dich? Meine Interviewserie „Reisen & Arbeiten“ geht weiter. Dieses Mal stand mir Julia von Globusliebe Rede und Antwort. Sie berichtet hier von ihren persönlichen Erfahrungen vom Leben und Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff und gibt Dir wertvolle Tipps mit auf dem Weg.

Julia von Globusliebe.com

Julia als Manager des Film- und Fototeams auf dem Schiff.

Was waren Deine Beweggründe Dich damals auf dem Schiff zu bewerben?

Schon mein Papa hat in jungen Jahren als Koch auf der damaligen MS Europa gearbeitet und mir viele spannende Stories von der Seefahrt erzählt. Damals war alles noch viel lockerer, er hatte viel mehr Freizeit, konnte stundenlang von Bord gehen und hat viele Abenteuer erlebt. 2011 heuerte meine jüngere Schwester zum ersten Mal auf einem Kreuzfahrtschiff an. Da waren die Bedingungen dann schon etwas härter. Es gab viel Arbeit und wenig Freizeit. Trotzdem hatte es einen besonderen Reiz für mich und ich wollte unbedingt am eigenen Leib erfahren, wie es ist, auf einem großen Kreuzfahrtschiff über die Weltmeere zu schippern und mein Geld auf hoher See zu verdienen. Es erschien mir die perfekte Möglichkeit zu sein, um Reisen und Arbeiten zu kombinieren.

Als was arbeitest Du auf dem Schiff?

Angefangen habe ich als Manager des Foto- und Filmteams. Zuletzt arbeitete ich im Bereich Edutainment. Manch einer kann sich darunter nichts vorstellen. Der Begriff setzt sich aus Education und Entertainment zusammen und steht somit für Unterhaltung, die bildet. An Bord war ich zuständig für die sogenannten Edutainer, die von der Reederei bezahlt werden, um die Gäste an Bord zu unterhalten und zu bilden. Diese Edutainer können beispielsweise landeskundliche Lektoren sein, die die Gäste auf ihre Landgänge vorbereiten, indem sie spannende Vorträge über die Destinationen halten. Es können aber auch Tanzlehrer sein, Buchautoren, Gedächtnistrainer oder wissenschaftliche Lektoren.

Ich bin der Ansprechpartner für die Edutainer, das heißt, ich betreue sie an Bord, entscheide wann und wo welche Veranstaltungen stattfinden, reserviere die entsprechenden Räume, entwerfe Flyer und bereite die Vorträge vor. Während den Veranstaltungen bin ich natürlich dabei, denn am Ende einer jeden Cruise bewerte ich die Qualität der Vorträge. Neben der Planung und Organisation gibt es viel administrativen Bürokram zu erledigen.

Welche Voraussetzungen muss man dafür mitbringen?

Planungs- und Organisationstalent sind gefragt! Das sollte also definitiv zu den Stärken zählen. Ich persönlich habe eine Ausbildung zur Medienkauffrau in einem Zeitungsverlag gemacht. Anschließend habe ich Media & Entertainment Management in Holland studiert und mich während meines Auslandssemesters in Südostasien auf Event Management spezialisiert.

Wenn es um die allgemeinen Voraussetzungen für die Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff geht, sollte man auf alle Fälle extrem belastbar sein, gute Englischkenntnisse mitbringen, seefest und vor allem dazu in der Lage sein, mehrere Monate lang auf Privatsphäre zu verzichten. Lebt und arbeitet man auf hoher See, muss man lernen, sich an die Gegebenheiten anzupassen. Lange Arbeitstage, wenig Freizeit, viele Regeln und noch mehr Einschränkungen. Damit kommt lange nicht jeder klar.

Welche Schiffsfahrtrouten (Länder) waren dabei?

In 2,5 Jahren Schiffszeit sind schon so einige Länder zusammengekommen, die ich besucht habe. Manche habe ich ziemlich gut kennengelernt, in anderen nur eine kurze Mittagspause verbracht. Ich war zum Beispiel in Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Polen, Russland, Spanien, Portugal, Zypern, Malta, Türkei, Ägypten, Israel, Jordanien, Island, Färöer Inseln, England, Irland, Schottland, Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Bahrain.

Ein Sonnenaufgang in den Fjorden Norwegens: Einer der seltenen Momente, die für immer in Erinnerung bleiben.

Ein Sonnenaufgang in den Fjorden Norwegens: Einer der seltenen Momente, die für immer in Erinnerung bleiben.

Warum hast Du den Job schon einmal an den Nagel gehängt?

In meinen ersten beiden Einsätzen war ich nicht bei der Reederei, sondern über eine Drittfirma angestellt und habe als Manager des Film- und Fototeams an Bord gearbeitet. Der Job an sich war abwechslungsreich und machte mir sehr viel Spaß, aber es steckte jede Menge Druck dahinter. Alles drehte sich um Verkauf und Umsatzsteigerung. Arbeitstage von 12 und mehr Stunden waren die Regel und wenn das Team mal nicht funktionierte, gab es einen auf den Deckel. Ich will die Zeit im Nachhinein nicht schlecht reden, denn ich habe, beruflich sowie privat, sehr viel gelernt und betrachte es als wertvolle Erfahrung. Nach neun Monaten hatte ich jedoch die Schnauze voll und habe den Job an den Nagel gehängt.

Was machst Du zwischen den Saisons?

Wenn ich nicht auf dem Schiff arbeite, reise ich oder verbringe meine Zeit mit meiner Familie und mit Freunden. 2014 war ich mit dem Backpack in Neuseeland, Australien, Hawaii und Los Angeles unterwegs. In meinem letzten „Urlaub“ war ich in der Toskana, in Portugal und in New York. Das Wort Urlaub setze ich dabei bewusst in Anführungszeichen, denn Urlaub darf man es eigentlich nicht nennen. Vielmehr ist man zwischen zwei Schiffseinsätzen arbeitslos, denn mit dem Absteigen vom Schiff, endet das Arbeitsverhältnis. Lohn und Versicherungen werden nicht gezahlt.

Wie sieht so ein typischer Alltag bei Dir aus?

Einen typischen Alltag auf dem Schiff zu beschreiben, ist verdammt schwer, denn einen typischen Alltag gibt es nicht. Jedes Crewmitglied ist rund um die Uhr im Einsatz und immer auf Abruf parat. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Landtagen und Seetagen. An Landtagen liegt das Schiff im Hafen und die Gäste gehen nach dem Frühstück von Bord. An diesen Tagen fange ich morgens so früh wie möglich an zu arbeiten und erledige meine Büroarbeit, damit ich mittags raus kann. Am Nachmittag muss ich wieder an Bord sein, habe Lektorenvorträge, Lesungen oder Tanzkurse. Da hier alles sehr weit im Voraus geplant wird, bin ich im Kopf bereits eine Woche weiter und bereite die nächste Reise vor. An Seetagen, an denen das Schiff den ganzen Tag auf dem Meer ist, wollen die Gäste natürlich rund um die Uhr versorgt und unterhalten werden. Für die Crew bedeutet das am meisten Arbeit, denn die Tage sind vollgestopft mit Entertainmentprogramm, Vorträgen, Shows, Buffets und anderen Veranstaltungen.

Was gefällt Dir besonders gut?

Das Beste an meinem Job auf dem Schiff ist natürlich die Zeit, in der ich nicht arbeiten muss. Ich nutze jede Gelegenheit, um mir die Städte und Länder anzusehen, in denen wir halten. Sobald ich Freizeit habe, verlasse ich das Schiff um erstens an die frische Luft und ans Tageslicht zu kommen und zweitens um etwas von der Welt zu sehen. In 2,5 Jahren bin ich viel rumgekommen, habe tolle Ausflüge begleitet und traumhaft schöne Mittagspausen verbracht. Manchmal hat man allerdings nur wenige Stunden Zeit und die Sightseeing Tour wird zum absoluten Stressprogramm. Trotzdem sind es Eindrücke, die man sammelt. Deshalb mag ich es besonders gerne, wenn wir einen Hafen mehrere Male anlaufen und man öfters die Chance hat Land und Leute kennenzulernen.

Was mir außerdem am Schiffsleben gefällt, ist die Tatsache immer auf dem Meer zu sein. Ich liebe den Blick auf das endlose Meer während das Schiff fährt und genieße so oft es geht die wunderschönen Sonnenuntergänge, die ich hier erlebe.

Beim Blick auf das endlose Meer sind die negativen Seiten des Schiffslebens schnell vergessen.

Beim Blick auf das endlose Meer sind die negativen Seiten des Schiffslebens schnell vergessen.

Was gefällt Dir weniger gut?

Weniger gut gefallen mir die vielen Regeln, Einschränkungen und Verbote. Fernab von jeglicher Realität, komme ich mir manchmal vor, wie ein dreijähriges Kind, das ständig kontrolliert wird. Was außerdem ziemlich anstrengend ist, ist die Schnelllebigkeit auf dem Schiff. Da es weder Wochenenden noch freie Tage gibt, geht es immer, immer weiter. Ich vergleiche es mit einem Computer, der monatelang auf Hochtouren läuft, immer heißer wird und nicht ausgeschaltet werden darf. Was ich hier an Bord an einem einzigen Tag erlebe, mit wie vielen Menschen ich spreche, was ich sehe und erledige, das erleben manche in einem ganzen Monat nicht. Diese Schnelllebigkeit lässt einem kaum Zeit zum Runterkommen und Abschalten. Das Schiffsleben kommt mir oft vor, wie ein Schnellzug, der mit einer Mordsgeschwindigkeit durch die Gegend rast und nicht mehr mitbekommt, was sich rechts und links abspielt. Nach einem sechsmonatigen Einsatz ist man völlig gerädert. Zu Hause fällt mir dann immer extrem auf, wie angespannt ich die ganze Zeit war.

Zusätzlich gibt es viele kleine Dinge, die mich nach einer gewissen Zeit aufregen. Da wäre zum Beispiel das immer gleiche Essen in der Kantine, die wenigen Rückzugsorte für die Crew, die fehlende Frischluft in den Kabinen und das ständige Gefühl vom Eingesperrt sein. Außerdem fehlt mir der Sport sehr. Ich liebe es im Wald joggen zu gehen, durchzuatmen und meinen Kopf freizukriegen. Das kann ich auf dem Schiff leider nicht.

Mehr zu den Vor- und Nachteilen vom Leben und Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es hier.

Was hat Dich geprägt und vielleicht sogar verändert?

Das Schiffsleben hat mir klar gemacht, was echte Freiheit bedeutet. Ich weiß nun, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist. Ich habe gelernt Dinge wertzuschätzen, die ich früher für selbstverständlich gehalten habe. Für jemanden, der noch nie auf einem Schiff gearbeitet hat, mag es komisch klingen, wenn ich sage, dass ich mich darüber freue, wenn meine Klospülung mal funktioniert oder darüber, dass ich nach 24 Uhr noch an die frische Luft darf. Alles Dinge, die auf dem Schiff nicht selbstverständlich sind. Vor kurzem gab es zum allerersten Mal, seitdem ich auf dem Schiff arbeite, Tomaten zum Frühstück. Das ist unvorstellbar, aber ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind an Weihnachten.

Baden im Toten Meer in Israel. Hier wäre Julia ohne ihre Arbeit auf dem Schiff vielleicht noch nicht gewesen.

Baden im Toten Meer in Israel. Hier wäre Julia ohne ihre Arbeit auf dem Schiff vielleicht noch nicht gewesen.

Weißt Du schon, was Du nach der Saison machst?

Am 2. Februar endete mein aktueller Vertrag. Ich stieg in Dubai ab und flog (auf eigene Kosten) nach Bangkok. Hier traf ich meine Familie und verbringe im Moment ein paar chillige Tage mit meinen Herzmenschen auf Koh Lanta. Anschließend werde ich mit meiner Schwester weiterreisen. Im März ziehe ich nach Berlin. Weitere Pläne für 2015 habe ich bisher nicht und auch noch kein neues Aufstiegsdatum fürs Schiff. Ich lasse mich überraschen was kommt und freue mich tierisch auf die Zukunft.

Was würdest Du anderen empfehlen, die sich für das Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff entscheiden?/Welche Tipps würdest Du ihnen auf dem Weg geben?

Das Schiffsleben ist fernab von jeglicher Realität und hat nichts mit dem wirklichen Leben da draußen zu tun. Entscheidet man sich dafür auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, stürzt man sich in ein Abenteuer voller Höhen und Tiefen, voller extrem guter und zugleich auch extrem schlechter Momente. Sobald man eine Woche auf dem Schiff erlebt hat, weiß man genau was ich meine. Wichtig ist auf jeden Fall, sich darüber bewusst zu sein, dass das Arbeiten auf dem Schiff keine Kreuzfahrt und erst recht keine Reise ist. Man sieht die Welt, aber zahlt dafür auch einen ziemlich hohen Preis. An die nicht vorhandene Privatsphäre und die erheblichen Einschränkungen muss man sich gewöhnen.

Vielen Dank noch mal an Julia für dieses inspirierende Interview! Und, kannst Du es Dir vorstellen auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten? Hast Du vielleicht noch Fragen? Dann schreib es in die Kommentare!

Du möchtest auch das Reisen mit dem Arbeiten verbinden, aber weißt nicht so richtig wie? Dann schau mal hier vorbei. Ich helfe Dir gerne weiter :)!

 

3 Responses

  1. Pingback : www.bereisediewelt.de Auslandsjobs: Tanzchoreografin im Robinson Club

  2. Hey, ich hätte mal ein paar Fragen zu den Castings. Das Telefon INterview habe ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Nun ist meine Frage, ob ich auf irgendetwas besonders achten muss, oder ob ich mich auf etwas bestimmten vorbereiten kann. Beworben habe ich mich als Fitnesstrainerin. Danke schon mal für die Antwort.
    Lg
    Jacky

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