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Nov
2014

Reisen und Arbeiten: Zehn Fragen an Roland, ein analoger Nomade, der schon seit 20 Jahren unterwegs ist

Zum Start meines Relaunch, findet Ihr heute einen ganz besonderen Beitrag zu meiner erst kürzlich gestarteten Interviewserie „Reisen und Arbeiten: Menschen berichten über ihre Jobs von unterwegs.“ Hier geht es darum wie analoge Nomaden das Reisen mit dem Arbeiten verbinden. Im ersten Teil stellte ich euch Tina vor, die drei Jahre als Boutiqueassistentin im ROBINSON Club auf Fuerteventura arbeitete. In dem heutigen Beitrag stellte ich zehn Fragen an meinen guten Freund Roland. Roland ist für mich ein Phänomen und ein absoluter Überlebenskünstler. Seit 20 Jahren ist er als analoger Reisenomade unterwegs. Wie er das macht? Das liest Du hier im Interview:

Roland Claus-Natur Patagoniens

1. Seit wie vielen Jahren bist Du als Reisenomade unterwegs?

Meine erste lange Reise habe ich 1991 unternommen. Sie dauerte drei Monate und ich habe fünf der Kanarischen Inseln besucht. Vorher waren es nur Urlaube von maximal drei Wochen. Auch die Art wie ich gereist bin und das Gefühl was dabei hatte war anders, als in den Urlauben davor. Ich habe mich zum ersten Mal richtig frei gefühlt. Das legte somit den Grundstein für die weiteren Reisen.

2. Was hat Dich dazu verleitet, diesen Schritt zu gehen?

Der Wunsch nach langen Reisen war schon früh vorhanden. Mit 14/15 Jahren erzählte ich damals meinen Freunden, dass ich die Welt bereisen möchte. Es gibt doch so viel zu sehen. Dabei haben zwei Onkel einen entscheidenden Einfluss genommen. Von ihnen erhielt ich immer Postkarten aus der ganzen Welt.

Pinguin in Patagonien

Pinguin in Patagonien

3. Welche Jobs hattest Du bislang? 

Meine Reisen finanzierte ich mit diversen Jobs. So ein Nomaden-Leben ist natürlich nicht mit einem klassischen Job möglich, der nur sechs Wochen Urlaub im Jahr hergibt. Ich habe zwar in meinem gelernten Beruf als Schreiner gearbeitet, jedoch ist auch hier Flexibilität gefragt. Das Reisen stand für mich im Vordergrund, somit hatte ich diverse Jobs: In einer Fabrik, als Auslieferungsfahrer, Reiseleiter, Mountainbike Guide, Requisitenbauer, Erntehelfer, Yogalehrer, Masseur, Radkurier, Kellner, Komparse oder ich arbeitete auch einfach nur gegen Unterkunft und Essen. Gearbeitet habe ich in Deutschland wie auch unterwegs auf Reisen. Eben so, wie es sich ergibt oder wie ich es brauche.

Roland in Machu Picchu

Roland in Machu Picchu

4. Wie findest Du diese Jobs?

Ich muss dazu sagen, dass ich meistens in Deutschland arbeitete und mit einem guten finanziellen Polster auf Reisen ging. Jedoch lebte ich dabei immer sehr minimalistisch, somit konnte ich einiges zusammen sparen. Und wenn es dann nötig war unterwegs zu arbeiten, dann war mir bewusst, dass ich nicht viele Ansprüche haben konnte und jeden Job ausübte, den ich bekam. Wie das geht? Einfach durch fragen, Augen offen halten und die Initiative ergreifen. Wer will, bekommt dann auch einen Job. Wie gesagt, nicht immer den, den man haben möchte. Allerdings gehört es zum Reisen dazu Ansprüche runter zu schrauben.

Roland in Patagonien

Roland am Lago Grey im Torres del Paine Nationalpark in Chile

5. In welchen Ländern warst Du bereits?

Bisher war ich in über 50 Ländern, hauptsächlich in Asien, Ozeanien und Zentral- und Südamerika. Die am häufigsten besuchten Länder und wo es mich immer wieder hinzieht sind Indien, Thailand und Neuseeland. Nach Afrika habe ich es bisher noch nicht geschafft, mal abgesehen von einer kurzen Reise nach Marokko. Aber das kommt bestimmt noch.

Waran

Dem Waran ganz nah

6. Wo hat es Dir besonders gut gefallen?

Meine beiden Lieblingsländer sind Neuseeland und Indien. Neuseeland einfach wegen seiner wahninnig schönen Natur und der endlosen Weite. Außerdem ist es ein perfektes Radreiseland. Indien ist da ganz anders. Es ist vollgepackt mit Menschen und alle Sinne werden ziemlich stark beansprucht, im negativen wie auch im positiven Sinne. Aber genau das macht dieses Land so interessant für mich. Und natürlich wegen meiner Liebe zum Yoga.

Roland Hütte

7. Was sind für Dich die Vor- und Nachteile eines Globetrotter-Daseins?

Selbstverständlich gibt es Vor- und Nachteile beim Reisen. Ein Vorteil ist die viele Zeit die man für sich hat. Man kann sich treiben lassen. Man sieht viele neue Dinge und macht schöne neue Erfahrungen, die einem im Alltag so nicht widerfahren würden. Aber es gibt so viele Vorteile, so dass ich mich bei der Frage jetzt eher auf die Nachteile konzentriere, da es für mich nicht viele gibt. Klar man fühlt sich mal einsam, da man oft alleine unterwegs ist. Gerade wenn ich wieder auf einer diesen langen, unbequemen Bus- oder Zugfahrten wie in Indien unterwegs bin. Auch kann es anstrengend sein sich immer wieder auf neue Leute einzulassen. Aber alles in allem ist es das wert, da für mich die positiven Erfahrungen überwiegen.

Salar de Uyuni - die weltweit, größte Salzwüste

Salar de Uyuni – die weltweit, größte Salzwüste

8. Was hat Dich durch das Reisen geprägt oder vielleicht verändert?

Das Reisen hat mich natürlich in der Art wie ich denke, und wie ich mein Leben führen möchte, geprägt. Ich bin durch das Reisen mit dem Buddhismus und Yoga in Kontakt gekommen. Das sind Bereiche, die einen großen Einfluss auf mein Leben haben. Auch wollte ich schon immer ein freies, unbestimmtes Leben führen, das mir auf Reisen am besten gelingt. Dazu kommt noch die Lust auf andere Kulturen. Es macht mir einfach Spaß unterwegs zu sein und neues kennenzulernen.

Pillar to the sky

9. Fühltest Du Dich zwischendurch auch einsam oder hast Deutschland vermisst? 

Einsamkeit tritt natürlich manchmal auf Reisen auf, aber es tritt bei mir auch in Deutschland auf. Und ich muss dazu sagen, dass ich mich auf Reisen immer mehr Zuhause gefühlt habe als in Deutschland. Klar vermisse ich Deutschland manchmal. Ich bin auch immer wieder gerne dort. Aber das Gefühl hält nicht für lange an, und ich bin dann wieder froh auf Reisen zu sein. Ich finde Einsamkeit gehört zum Leben dazu. Es kann einen auch stark machen, da wir uns dann bewusster mit uns selber auseinandersetzen.

Roland Claus-Vulkan Villarica,Chile

Besteigung des Vulkans Villarica in Chile

10. Welche Tipps hast Du für diejenigen, die den gleichen Weg einschlagen möchten? Was sollten sie beachten? 

Überlege warum Du Reisen möchtest! Willst Du nur mal raus für ein paar Monate, um dann wieder zurückzukehren und ein normales Leben zu führen? Wenn Du ein Dauernomade werden willst, musst Du auf einiges verzichten wie finanzielle Sicherheit oder einen großen Freundeskreis. Man ist oft alleine unterwegs. Beziehungen sind oft nicht sehr tief und man muss sich damit abfinden, sich immer wieder von lieb gewonnenen Menschen zu verabschieden. Mein Tipp ist, bevor man alles aufgibt zu Hause, erst mal eine längere Reise auszuprobieren. Das ist eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob Du wirklich für dauerhaftes Reisen gemacht bist. Denn vielleicht bleibt es ja bei einer Reise!? Ein kompletter Ausstieg ist nicht einfach und das muss man sich gut überlegen.

Patagonien

Patagonien

Hast Du Fragen dazu :)? Dann schreib mir. Nach und nach, werde ich hier immer mehr Menschen vorstellen, die Dir Möglichkeiten aufzeigen, dass Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden. Hierbei erzählen Sie natürlich auch von den Vor- und Nachteilen dabei und geben Dir noch hilfreiche Tipps für die eigenen Umsetzung. 

 

8 Responses

  1. Pingback : www.bereisediewelt.de Reisen und Arbeiten: Zehn Fragen an Tobias, ein analoger Nomade auf den Malediven

  2. Nadine

    Mich würde interessieren wie Roland sein Alter plant. Hat er Rücklagen um sich mit über 70 über Wasser zu halten? Ansonsten ein sehr beeindruckendes Leben.

  3. roland

    hallo nadine,
    wie ich mein alter plane? hmm natürlich werde ich nicht viel rente bekommen, aber ich versuche einfach gesund zu leben und das zu tun was mir spaß macht. denn ich kann von heute auf morgen sterben oder ich kann auch über 90 werden. das kann mir eben keiner sagen, und deswegen gehe ich das risiko ein riskikoreich zu leben. obwohl ich selber das gar nicht so empfinde, denn das zu tun worauf man lust hat, auf sich zu achten körperlich und geistig, ist für mich mehr sicherheit als die vermeintliche rente die ich vielleicht mit 67 bekomme….
    lg roland

  4. Pingback : www.bereisediewelt.de Auslandsjobs: Tanzchoreografin im Robinson Club

  5. Hallo

    Das ist ein toller Beitrag. Ich bin jetzt auf meiner 2. Langzeitreise. Die erste war 2 Jahre lang. Das Leben und Arbeit auf reisen ist super spannend und es ist schön auch mal andere Erfahrung zu lesen.

    LG marie

    1. Reisenomadin

      Hallo Marie,

      sehr interessant. Vielleicht wärst du ja auch ein Kandidat für meine Interviewserie Reisen & Arbeiten :).

      Liebe Grüße,
      Janine

  6. Josi

    Hey, ich würde gerne wissen wie das mit dem arbeiten unterwegs funktioniert. Ich meine wegen steuern oder ähnlichem. Man kann ja nicht einfach in ein land kommen und nach einem job suchen sondern muss ja bestimmt sich irgendwie anmelden.. eine arbeitserlaubnis haben usw.

    1. Janine

      Hallo Josi,

      eine spannende Frage, zu der man einen gesonderten Artikel verfassen könnte. Denn das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei meinen Jobs im Ausland, behielt ich meinen festen Wohnsitz in Deutschland, arbeitete teilweise für deutsche Unternehmen, aber auch für ausländische. In Griechenland und Spanien zahlte ich z. B. als Festangestellte damals dort meine Steuern und ebenfalls in die Rente ein. Als Selbstständige in Asien jedoch in Deutschland, da ich in Deutschland gemeldet war sowie auch publiziert habe. Innerhalb der EU brauchst du keine Arbeitserlaubnis.

      Also, um es kurz zu beantworten…du kommst nicht drumherum irgendwo Steuern zahlen zu müssen, jedoch hängt das von den Begebenheiten ab.

      Der Artikel könnte noch hilfreich für dich sein :):
      https://www.bereisediewelt.de/reisen-und-arbeiten-wie-packe-ich-es-an-und-bewerbe-mich-im-ausland/

      Viele Grüße,
      Janine

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