20
Nov
2014
Reisen und Arbeiten: Tobi arbeitet auf den Malediven

Reisen und Arbeiten: Zehn Fragen an Tobias, ein analoger Nomade auf den Malediven

Beim letzten Mal meiner Interviewserie “Reisen und Arbeiten: Menschen berichten über ihre Jobs von unterwegs” befragte ich Roland, einen Reisenomaden, der seit 20 Jahren unterwegs ist. Er zeigte Euch verschiedene Möglichkeiten auf, dass Reisen mit dem Arbeiten zu verbinden, nannte die Vor- und Nachteile und gab noch ein paar Tipps auf den Weg. Im dritten Teil stand mir Tobias Rede und Antwort. Seit drei Jahren arbeitet er als Projektleiter auf den Malediven. Ursprünglich hatte ich den Beitrag für einen späteren Zeitpunkt angesetzt, da sie jedoch aktuell auf der Suche nach Bootsbauer und Schreiner sind, veröffentliche ich das Interview heute. Wer also die Lust verspürt mal dem tristen Deutschland zu entkommen und an diesem wunderschönen Örtchen Velaa Private Island zu arbeiten, sollte sich also auch das Interview durchlesen ;).

Arbeiten und Reisen: Tobias auf den Malediven

1. Wo wohnst Du zur Zeit?
Auf den Malediven, zum Teil in der Hauptstadt Male und zum anderen Teil auf der lokalen Insel Inguraidhoo im Raa Atoll.

2. Wie verdienst Du deinen Lebensunterhalt?
Ich bin Projektleiter für den Bau von vier Booten. Diese sind für ein Luxusresort im Noonu Atoll bestimmt. Ein Tauch und Angelboot, ein Lieferboot und zwei Bathellis. Bathellis sind im Grunde schwimmende Gästezimmer, basierend auf einer klassischen maledivischen Bootsform.

3. Was hat Dich an den Ort verschlagen?
Ich war ausgebrannt und gelangweilt von meiner Bürotätigkeit in Bonn. Nach fünf Jahren am selben Schreibtisch wollte ich mal wieder über den Tellerrand hinausschauen. Ein Freund arbeitete damals schon bei einem Resortprojekt auf den Malediven. Ich habe ihn angeschrieben ob er vielleicht noch Unterstützung braucht. Eigentlich wollte ich nur ein paar Monate auf der Baustelle helfen und dann auf Reisen gehen. Jetzt bin ich fast drei Jahre hier…

Inguraidhoo, Malediven

4. Wie kommt man an so einem Job?
In dem Fall war es eher Zufall. Aber man muss bereit sein im richtigen Moment auch in Deutschland loszulassen. Das war nicht einfach! Oft ergeben sich die Gelegenheiten jedoch kurzfristig und wenn man nicht direkt zusagt, ist die Stelle weg. Außerdem hatte ich natürlich zwei Interviews via Skype und haben einen Lebenslauf per E-Mail geschickt.

5. Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?
Sehr unterschiedlich. Früh aufstehen (7 Uhr) E-Mails lesen und beantworten und dann vor Ort die Arbeiten besprechen, koordinieren, Bestellungen organisieren etc. In meinem Team haben wir Kollegen aus acht Nationen, da wird oft mit Händen und Füßen kommuniziert. Der Job ist sehr vielseitig und Arbeitszeiten unter 12 Stunden leider eher selten. Das liegt aber auch daran, dass wir uns gerade mit zwei Booten in der Endphase befinden. Oft nimmt auch der Transport mit Speedboot oder Wasserflugzeug viel Zeit in Anspruch.
Da wir in einem muslimischen Land leben, gibt es nur einen freien Tag pro Woche, den Freitag. Wir arbeiten meist auf einer lokalen Insel, also kein Alkohol oder Schweinefleisch.

In meiner Freizeit gehe ich surfen oder verbringe ein verlängertes Wochenende im Resort. Ab und zu bin ich auch ein verlängertes Wochenende in Sri Lanka, das nur 45 Minuten Flugzeit entfernt ist.

Reisen und Arbeiten: Tobi arbeitet auf den Malediven

Tobis Arbeitsplatz Malediven

6. Ist es das erste Mal, dass Du das Reisen mit dem Arbeiten verbindest?
Nein, nach der Bundeswehr war ich für acht Monate in Südengland um die Sprache zu lernen und erste Berufserfahrungen in der Gastronomie zu sammeln.

7. Seit wann bist Du dort und wie lange hast Du vor zu bleiben?
Ich bin seit Januar 2012 hier und ich werde in einem Monat erst einmal eine längere Pause einlegen. Mit meiner Freundin zusammen geht es wahrscheinlich nach Kalifornien und dann weiter nach Costa Rica. Was danach passiert, ist noch nicht klar. Deutschland steht vorerst nur als Urlaubsland auf der Liste.

8. Vermisst Du Deutschland?
Manchmal schon, speziell meine Familie und guten Freunde. Auch das deutsche Essen und ein kühles Bier nach der Arbeit. Gesundheitlich hatte ich bisher zum Glück noch keine Probleme, aber nach einem guten Hausarzt sucht man hier auch vergebens. Die Überregulierung in vielen Bereichen, Steuern zahlen und das schlechte Wetter vermisse ich allerdings nicht.

9. Was hat Dich dort geprägt oder vielleicht verändert?
Die Arbeit in einem internationalen Team hat mich sehr geprägt. Die Unterschiede zwischen den armen Bangladeshis, die zum Teil ohne Arbeitserlaubnis und fast ohne Geld in der Tasche Ihr Glück suchen, und dem hoch bezahlten europäischen Architekten, Beratern und Consultants ist doch sehr groß. Man versteht das erst im täglichen Umgang miteinander, wie viel Glück wir hatten in der sogenannten westlichen Welt aufzuwachsen. Ich habe viele interessante Menschen aus aller Welt getroffen. Außerdem lernt man zu improvisieren und sich in Geduld zu üben. Mit der deutschen Arbeitsgeschwindigkeit und Qualität können die Malediver nicht viel anfangen.

10. Welche Tipps hast Du für andere, die den selben Weg einschlagen möchten?
Überlegt euch vorher, ob Ihr wirklich die bequeme deutsche Wohnung und den ruhigen Arbeitsplatz aufgeben wollt. Viele haben nur das paradiesische Bild der Malediven (oder andere beliebter Reiseziele) im Kopf und vergessen, dass man auch hier für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss. Prüft ob es sich um eine seriöse Firma handelt. Bereitet Euch auf das Interview vor und stellt vorab viele Fragen, um Überraschungen zu vermeiden. Wer zahlt die Versicherung, ist ein Heimflug pro Jahr und/oder am Ende des Vertrages enthalten, wird das Gehalt in Dollar oder Landeswährung ausgezahlt, wer zahlt die Wohnung und die laufenden Kosten, welche Impfungen sind erforderlich usw.

Team_Fishing_Dhoni_Dhana_whole_crew_gimp (1)

Tobias Arbeitsgeber sucht immer wieder Bootsbauer oder Schreiner auf den Malediven. Wer also Interesse und Lust hat, soll sich bitte bei mir melden (info@bereisediewelt.de). Gerne stelle ich dann den Kontakt zu Tobias her (Nicht mehr zu vergeben…Sorry!). Ansonsten freue ich mich natürlich, wenn Euch der Artikel gefallen hat, über Likes, Shares und/oder Kommentare ☺. Wo würdest Du gerne arbeiten wollen?

 

 

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