22
Okt
2017
Produktivität und Leistungen steigern

Das klassische Arbeitsmodell? Nichts für mich! Warum jeder Mensch seine Produktivität und Leistung steigern kann

Spannende Wochen und Monate liegen hinter mir, ebenso wie erkenntnisreiche Erfahrungen. Wer neugierig ist, findet hier einen Auszug. Doch der Auslöser für diesen Artikel brachte mir ein weiteres Schlüsselerlebnis der vergangenen Wochen, das mich zum Nachdenken anregte. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Es lief gut. Ein Startup, dessen Büro in einem stylischen Loft ist. Die Aufgaben vielseitig, die Bezahlung top. Es gab keine rationalen Gründe, diesen Job abzulehnen. Ich reflektierte. Die Offenbarung: Bei den richtigen Voraussetzungen, glaube ich, dass jeder Mensch fähig ist herausragende Leistungen zu erbringen.

„Wähle einen Beruf, den Du liebst, und Du brauchst keinen Tag in Deinem Leben mehr zu arbeiten.“ – Konfuzius

Dienst nach Vorschrift ist nicht mein Ding. Der Gedanke daran, den ganzen Tag auf einem Stuhl 40 Stunden in der Woche in einem Großraumbüro zu verbringen und im schlimmsten Fall den gleichen Aufgaben nachzugehen, gleicht einem Suizid für mich. Wie heißt es so schön: „Routine ist tödlich!“ Im Telefonat vor dem Vorstellungsgespräch, sagte der Geschäftsführer zu mir „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie die nächsten zwei Jahre ausschließlich einer Tätigkeit nachgehen können oder wollen.“ Er hatte Recht. Ich könnte niemals den ganzen Tag nur texten oder Social Media betreiben. Noch kann ich von morgens bis abends stillsitzen. Ich habe Hummeln im Hintern. Brauche vielseitige Aufgaben und Herausforderungen, sonst langweile ich mich schnell. Ich bin Teilzeitangestellt, Selbständig und als Freelancer tätig und ja, ich liebe es. Während sich mein Umfeld die Hände vor dem Kopf schlägt und meint, ich müsste doch mal zur Ruhe kommen, suche ich schon wieder eine neue Herausforderung. Zum Beispiel habe ich jetzt beschlossen noch mal zu studieren. Wie ich den täglichen Flexibilitätsspagat schaffe, liest Du hier. Für mich hat sich dieses bunte Arbeitskonzept bewährt.

Während ich durch chronische Neugier, Wissbegierde und Rastlosigkeit getrieben bin, hatte ich schon immer 1.000 Interessen. Unkonventionelle Arbeitsformen, viele Projekte oder Jobs gleichzeitig zu verfolgen wird geradezu als anrüchig, unseriös und flatterhaft gesehen. In Island ist es zum Beispiel völlig normal, dass ein Zahnarzt noch als Reiseführer tätig ist, der Fotograf noch ein Hotel betreibt usw. Warum auch nicht? Wer schreibt vor, wie wir unser Leben zu führen haben? Die Grenzen entstehen in unserem Kopf. Unsere Gesellschaft hat eine klare Ansicht, was sich gehört und was nicht. Das heutige Arbeitskonzept wird als selbstverständlich betrachtet, als „normal“ bezeichnet. „Das gehört sich so“, wirst Du wahrscheinlich schon mal gehört haben.

„Flexible Arbeitszeiten? Virtuelles Office? Wo kommen wir dahin?“

Die gesellschaftliche Akzeptanz, insbesondere bei Arbeitgebern, findet noch ungenügend Anklang für unkonventionelle Arbeitsformen. Großraumbüros sind für Arbeitgeber zum Beispiel kostensparend und der Trugschluss hält sich eisern, dass ein virtuelles Office nicht genügend Transparenz schafft. Das mag vielleicht von der Tätigkeit abhängen. Meine Arbeit ist jedoch für meinen Vorgesetzten sehr wohl transparent und es gibt klare Strukturen und Regeln. Im Management-Tool Trello stehen die anstehenden To-Dos und woran ich aktuell arbeite mit Checklisten. Kommuniziert wird via Telefon, E-Mail, WhatsApp, Skype oder was noch so alles an Kommunikationsmitteln zur Verfügung stehen kann. Mit Toogle erfasse ich meine Zeit. Anhand der täglich abzuliefernden Ergebnisse lässt sich meine Arbeitsleistung messen.

Däumchen drehen? Definitiv nicht! Langeweile dafür aber auch nicht und trotzdem genügend Flexibilität und Freiraum. Für mich habe ich festgestellt, dass ich im Homeoffice weitaus mehr und vor allem effizienter arbeite als im Büro. In der gleichen Zeit kriege ich viel mehr geschafft.

Wenn man Menschen in KEIN Korsett steckt

Studien zeigen, dass es sich im Homeoffice konzentrierter und effektiver arbeiten lässt, während man im Großraumbüro zig Reizen, der Dauergeräuschkulisse und Hektik ausgesetzt ist. Arbeitnehmer sollen in Großraumbüros weniger leistungsfähig sein und im Homeoffice produktiver arbeiten.

Forscher der Durham Business School und des Beratungsunternehmens JBA klassifizierten zum Beispiel die Mitarbeiter in zwei Gruppen: Die einen kamen fünf Tage in der Woche ins Büro und die anderen hatten flexible Arbeitszeiten und -orte. Das Ergebnis zeigte, wenn Mitarbeiter ihre Arbeit selbstständig verteilen und organisieren konnten, erhöhte sich deren Produktivität. Mit zunehmender Anwesenheitspflicht und Bindung an das Büro war die Bereitschaft da, mehrmals im Jahr blau zu machen. Ebenso erhöhen sich die krankheitsbedingten Ausfälle.

Die individuellen Bedürfnisse mögen unterschiedlich sein und lassen sich trotz belegbaren Studien vielleicht nicht pauschalisieren. In meinem Fall kann ich das jedoch eins zu eins unterschreiben.

Die ständigen Ablenkungen, Reizüberflutungen und permanente Ansprechbarkeit strengen mich in einem Großraumbüro sehr an. Das ging soweit, dass ich irgendwann chronisch erschöpft war. Dazu kommt noch die soziale Kontrolle und auf dem Präsentierteller zu sein. Jeder sieht und hört jeden Deiner Schritte oder schaut auf Deinen Bildschirm. Stressfaktor pur.

Im Homeoffice habe ich die gewünschte Rückzugsmöglichkeit. Ich kann den Arbeitsplatz für mich so gestalten, dass mein Wohlbefinden steigt. Ist mir kalt, mache ich die Heizung an. Möchte ich frische Luft, mache ich das Fenster auf. Ich organisiere und gestalte meinen Tag selber, sofern ich keine festen Kundentermine habe.

Unter den richtigen Voraussetzungen vollbringst Du herausragende Leistungen 

Lange hielt ich mich für nicht klug, talentiert oder gut genug. Ja sogar dilettantisch. Ich bewunderte immer die anderen. Meine Komplexe kompensiere ich bis heute mit überdurchschnittlichen Fleiß und Engagement. Viel Arbeit mit der ausbleibenden Honorierung oder Wertschätzung. Doch wenn die Begebenheiten stimmen, schaffe ich es mit Geschwindigkeit, Präzision und Effektivität die Arbeit mit sehr guten Ergebnissen zu erledigen. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch unter bestimmten Voraussetzungen, herausragende Leistungen vollbringen kann.

Du hast zu funktionieren!

Starre oder klassische Arbeitsmodelle sind nichts für mich und kann ich mir auch nicht mehr vorstellen. Ein Punkt, den ich erst viel später verstand, war, das Kreativität, ein Schreibflow oder gute Leistungen nicht auf Kommando kommen. Menschen funktionieren nicht immer auf Knopfdruck. Sie sind keine Maschinen und trotzdem wird das erwartet und verlangt. Wer das nicht kann, ist unfähig und nicht kompetent genug. Produktivität und Leistungen sind manchmal Tagesform- oder von den verschiedenen Bedürfnissen abhängig.

Das Problem ist oftmals, dass nur die Anwesenheit im Büro als Arbeitszeit gemessen wird. Manchmal habe ich am Wochenende, spätabends oder um 5 Uhr in der Früh einen Einfall und haue in die Tasten. Bei einem klassischen Arbeitsmodell würde mir diese Zeit jedoch niemals angerechnet werden, auch wenn ich dann fünf Stunden vor dem Laptop saß.

Ich brauche Freiheit, Flexibilität und Struktur gleichermaßen

Mein Leben ist ein organisierter bunter Blumenstrauß. Nur dann kann ich das bestmögliche aus mir herausholen, fühle mich wohl und kann die an mich gesetzten Ansprüche erfüllen. Wohlfühlen ist ein entscheidender Faktor für mich. Fühle ich mich ausgebremst oder befinde mich in einer unbehaglichen Situation, nimmt das Einfluss auf meine Motivation und Performance.

In meinem Artikel „Moral & Ethik im Job“ reiße ich weitere klassische Probleme in der Arbeitswelt an und was sich moderne Arbeitnehmer wünschen. Hier ein Auszug davon:

„Meine Generation Y ist das beste Beispiel dafür. Uns sind Wertschätzung, Unabhängigkeit, Sicherheit, interessante Arbeitsinhalte, eigenverantwortliches Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, ein respektvolles Miteinander, Transparenz, Offenheit, Vertrauen und eine Mitgestaltung des Unternehmens wichtig. Beruflicher Prestige und hierarchisches Statusdenken waren gestern.“

Fazit

Die größten Erkenntnisse die ich daraus ziehe sind: Toleranz, Offenheit und Akzeptanz. Meine Marotten und Bedürfnisse zu akzeptieren und mir dabei treu zu bleiben. Es bringt nichts sich zu verbiegen oder über Teufel komm raus in dem Normrädchen mitzulaufen. Es wird Dich immer wieder frustrieren, erschöpfen oder zu einem Bore/Burn-Out führen. Des Weiteren gibt es nichts Erleichterndes als festzustellen, was man braucht, um sich an seinem Arbeitsplatz wohlzufühlen und die Leistungen zu erbringen, die auch Deinem Selbstanspruch genügen. Stelle Dir hierbei folgende Fragen:

  1. Mache ich meinen Job gerne? Die Grundvoraussetzung für herausragende Leistungen ist der Spaß an der Arbeit.
  2. Welche Arbeitskonditionen brauche ich, um mich wohlzufühlen? Ein Büro für das Gemeinschaftsgefühl? Oder bewegst Du Dich doch lieber draußen in der Natur? Brauchst Du Menschen, um Dich herum oder doch eher den Rückzug?
  3. Gönne ich mir genügend Ruhepausen? Viel hilft viel. Nein! Produktivität und Leistungen sind keine Konstante.

Prüfe das einmal für Dich. Horche in Dich hinein und desto zufriedener und gelassener wirst Du werden.

 

 

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