15
Okt
2017
Reisen mit Baby

Wie sich das Reisen mit Baby verändert

***Ein Gastbeitrag von Tanja von Takly on tour***

Baby an Bord – Jetzt wird alles anders

Man hört nicht selten, dass ein Baby ein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Ja, es ändert sich schon verdammt vieles. Genau genommen wird der Reisealltag schlichtweg auf den Kopf gestellt. Aber was genau ändert sich denn im Bezug auf das Reisen? Wir haben nach den ersten Wochen unseres Wohnmobil-Roadtrips Resümee gezogen und fassen mal alle Vor- und Nachteile zusammen, die uns einfallen. 

Was für den einen von Vorteil ist, kann für den anderen von Nachteil sein. Jeder reist individuell und in einem individuellen Tempo. Zum anderen ist jedes Baby unterschiedlich und daher kann man nicht pauschal sagen, genau SO wird das Reisen für Dich mit Kind. Was das eine Baby liebt, hasst das andere, deshalb pass Dich Deinem Kind an und schau einfach, was das beste für dein Nachwuchs ist.    

Reisen mit Baby

@ Takly on tour

Ich muss vielleicht erwähnen, wie wir bisher gereist sind: Wer unsere bisherigen Reisen verfolgt hat weiß, dass wir immer ein recht ordentliches Tempo vorgelegt und eine beachtliche Strecke zurückgelegt haben. Möglichst viel sehen in der zur Verfügung stehenden Zeit, war unser Motto bisher. Und wie ist es jetzt? Wir fassen zusammen, wie sich das Reisen mit Baby verändert – sofern man als Familie alleine unterwegs ist, also ohne weitere Reisegefährten, wie Freunde, Eltern oder Schwiegereltern:

Bei einem Urlaub mit Baby ist die oberste Priorität „Das Baby muss zufrieden sein“. Denn wenn das Baby zufrieden ist, verläuft die Reise in der Regel auch entspannt. 

Reise mit Baby – Fahrten

Dazu zählen sowohl Fahrten auf einem Roadtrip, als auch die Fahrten zum Urlaubsort:

  • Je älter das Baby, desto kürzer die Strecken

Abgesehen davon, dass sie nicht so lange in der Babyschale sitzen sollen, wollen auch Babys schon beschäftigt werden. Gerade im Wohnmobil sehen sie aus dem Baby-/Kindersitz hinten nichts und das ist natürlich langweilig. Heißt, sobald das Baby wach ist, fährt in der Regel ein Elternteil hinten mit. Der Beifahrer war bisher immer für Fotos zuständig, deshalb gibt es seitdem von einigen Streckenabschnitte – und seien sie ach so schön – keine Fotos, da man von der Rückbank im Wohnmobil keine Fotos machen kann.

Reisen mit Baby

@ Takly on tour

  • Festgelegte Essenszeiten müssen eingehalten werden

Was nicht bedeutet „Punkt 12 Uhr“. Aber wo wir vorher – auf einem Roadtrip – angehalten haben, wenn wir hungrig waren, oder auch mal ein kurzer Snack auf die Hand zwischendurch ausgereicht hat, müssen heute regelmäßige Pausen eingelegt werden. Auch hier ist es so, je älter das Baby, desto längere Pausen sind nötig. Mit Babys, die gestillt werden, ist es noch relativ einfach. Kurz anhalten, stillen, Windel wechseln, weiter. Bei Babys, wo bereits mit Beikost begonnen wurde, heißt es mittags Brei aufwärmen, (spät)nachmittags ggf. Obst- oder Abendbrei-Pause und abends Flasche oder Stillen. Mal eben zwei Stunden länger fahren, ist einfach nicht mehr möglich. Allerdings dauert es nur wenige Tage und der neue Reisealltag hat sich eingependelt und Du wirst Dich entsprechend angepasst haben.

  • Die Schlafphasen werden genutzt

Auf einem Roadtrip morgens losfahren und abends ankommen ist mit Baby absolut nicht mehr vorstellbar. Wenn dein Baby viel/gut im Auto schläft, bist Du hier definitiv im Vorteil, denn die Schlafphasen können wunderbar zum Fahren genutzt werden. Sobald das Baby wach ist, ist meist kein entspanntes Fahren mehr möglich, oder einer bespaßt das Baby (auf dem Rücksitz). Mit etwas Flexibilität und kürzer geplanten Streckenabschnitten tust Du nicht nur Dir, sondern auch dem Baby gut und der Urlaub wird entspannter.

  • Wanderungen und Aussichtspunkte müssen zum Teil ausgelassen werden

Kurz anhalten, 300 Meter bis zum Aussichtspunkt wandern, Foto machen und zurück – ist mit Baby so einfach nicht mehr möglich. Das Baby ist gerade eingeschlafen? Dann wirst Du es sicher nicht wecken, um zum nächst besten Fotostopp zu laufen oder eine kurze Wanderung zu machen. Es wird dreimal überlegt, lohnt sich der Weg, um das Baby zu wecken oder es geht einer alleine und der andere bleibt beim Kind im Auto/Camper.

Reisen mit Baby

@ Takly on tour

  • Übernachtungen werden sorgsamer geplant

Einfach irgendwo anhalten und wildcampen oder in der erstbesten Unterkunft absteigen – denn es ist ja nur für eine Nacht – wird doppelt überlegt. Der Sicherheitsfaktor und in Unterkünften der Hygienestandard ist mit Baby ein anderer, als wenn man alleine unterwegs ist.

Reise mit Baby – Unternehmungen

  • (Outdoor-)Aktivitäten verändern sich unter Umständen

Klettern, Paddeln, Mountainbiken sind Outdooraktivitäten, die mit Baby sicher erstmal eine Weile pausieren. Eine Möglichkeit wäre, dass der eine Elternteil alleine aktiv ist, während der andere bei dem Baby bleibt. Aktivitäten, die sich mit Baby sehr gut unternehmen lassen, sind Wandern, Fahrradfahren (sofern das Baby alt genug ist, um in einem Anhänger zu sitzen) und Schwimmen …

  • Kinderwagen oder Tragehilfe

Je nachdem welche Unternehmung Du planst, solltest Du überlegen ob diese Kinderwagentauglich ist, oder doch lieber eine Tragehilfe, z. B. Manduca, zum Einsatz kommt. Beim Wandern ist ein Kinderwagen meist weniger zu gebrauchen, als beim Sightseeing.

  • Abendliche Unternehmungen fallen aus

Las Vegas zum Beispiel lebt erst bei Eintritt der Dunkelheit so richtig auf. Mit Baby ist das nur noch möglich, wenn sich einer alleine auf den Weg macht und der andere bleibt im Hotel oder auf dem Campingplatz bei dem Baby. Aber die meisten Städte haben tagsüber ihren Reiz, aus dem Grunde gibt es wenig Grund zur Traurigkeit.

Reisen mit Baby – Der Urlaub

  • Erholung

Wenn Du gerne stundenlang am Strand oder Pool liegst und in Ruhe ein Buch liest, dann lass Dir gesagt sein, dass das nur möglich ist, sofern dein Partner sich währenddessen mit dem Baby beschäftigt oder der Nachwuchs gerade schläft. So richtig Erholung ist ein Urlaub mit Baby ganz sicher nicht, dafür genießt Du die Zeit, die Du zusammen – als Familie – verbringst wesentlich intensiver.

  • Entschleunigung

Falls Du – wie wir – bisher immer viel im Urlaub unternommen hast, wird dein Urlaub durch ein Baby entschleunigt. Was absolut nicht von Nachteil sein muss. Wenn Du auf einem Roadtrip länger an einem Ort bleibst, oder eine Region, statt ein ganzes Land als Reiseziel wählst, siehst und erlebst Du dein Reiseziel wesentlich intensiver.

Reisen mit Baby

@ Takly on tour

  • Sonnenanbeter suchen den Schatten

Als Sonnenanbeter wirst Du trotzdem in Zukunft Schatten suchen. Das Gute ist, dank Sonnenschirm, Strandkorb oder Bäumen kannst Du die Decke auch nur halb im Schatten auslegen, damit dein Baby vor der Sonne geschützt ist, Du aber in der Sonne liegen kannst.

  • Reiseziele werden sorgsamer geplant

Spontan zum Flughafen und einfach drauf los ist nicht mehr. Gefährliche Länder sind mit Baby in der Regel ebenso unpraktisch, wie dritte Weltländer. Urlaubsziele werden nicht mal eben gebucht, sondern Du beschäftigst Dich eher mit ihnen, wie kinderfreundlich sie sind.

  • Kommunikation

Wenn Du mit einem Baby im Urlaub bist, kommst Du viel schneller mit anderen Leuten ins Gespräch. Ob gewollt oder ungewollt, Du wirst automatisch angesprochen und mit Fragen überhäuft. Das Schöne daran ist, Du wirst von allen Seiten angestrahlt und die Gespräche verlaufen zu 99,9 % positiv, freundlich und nett.

Reisen mit Baby – Städtetrips

  • Städtetrips sind super

Auch wenn Du es nicht glauben magst, Städtetrips sind wesentlich entspannter, als Roadtrips. Eine lange Fahrt im Kindersitz ist langweilig, ein Spaziergang im Kinderwagen oder in der Babytrage dagegen wesentlich interessanter und die meisten Babys schlafen in der Regel in beiden Wagen gleich gut oder sind zumindest zufrieden.

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@ Takly on tour

  • Das volle Kulturprogramm ist eher die Ausnahme

Je älter das Baby, desto mehr will es beschäftigt werden. Ein halber Tag im Museum ist mit jüngeren Säuglingen noch relativ relaxt zu händeln, mit einem Baby ab sechs Monaten und aufwärts wird das schon schwieriger. Erst wenn die Kinder wirklich viel damit anfangen, sind kinderfreundliche Museen wieder angesagt.

  • Auswärts essen gehen

Ein Roadtrip mit dem Wohnmobil macht einem das Essen auf Reisen leichter, da Du selbst kochen kannst, wann Du willst. Je älter das Baby, desto unentspannter und unflexibler ist das Essengehen. Wo vorher gegen 19/20 Uhr begonnen wurde, ein Restaurant zu suchen, ist um diese Uhrzeit heute Schlafenszeit. Aber mit etwas Flexibilität ist hier einiges möglich. Dann gehst Du eben schon am späten Nachmittag oder zur Mittagszeit essen, dann reicht abends vielleicht nur eine Kleinigkeit auf die Hand.

  • Still- und Wickelmöglichkeiten

Das Schöne an Städtetrips ist, dass Du in Städten häufig auf babyfreundliche Cafés und Restaurants triffst. Stillen in einer Ecke oder im Park sind ebenso wenig ein Problem, wie Wickelmöglichkeiten. Diese findest Du in Deutschland übrigens auch häufig in dm-Märkten.

  • Übernachtungsort gut überlegt

Hotel, Pension, Motel, Airbnb, Ferienwohnung oder ein Campingurlaub. Übernachtungsorte werden mit Kind meist besser geplant, als Du es bisher auf Reisen getan hast. Neben einem Campingurlaub sind Ferienwohnungen am praktischsten, da Du Dich ausbreiten kannst und niemanden störst. Aber auch Hotelurlaube können ganz entspannt ablaufen, wenn Du nicht gerade ein Schreikind hast.

Reisen mit Baby – Fazit

Sicher finden sich noch weitere Themen, wie ein Baby den Reisealltag verändert, aber das soll es an dieser Stelle erst einmal gewesen sein. Auch wenn sie die zahlreichen Punkte relativ negativ anhören: Das Reisen mit Baby ist anders, aber es macht großen Spaß. Du nimmst kleine Entwicklungen schneller wahr und erfreust Dich an Kleinigkeiten, wie zum Beispiel einer Kuh auf einer Wiese – die Du vorher vielleicht gar nicht wahrgenommen hättest.

Überlege, welches für Dich die bequemste Reiseart für einen Urlaub mit Baby ist. Unserer Meinung nach ist die beste Reiseart mit Baby eine Wohnmobilreise. Und vor allem: Geh flexibel und entspannt an die Reise mit Baby ran, dann wirst du Dich schnell an den neuen Reisealltag gewöhnen und ihn genießen. Sobald der Nachwuchs aus dem Babyalter raus ist, wird das Reisen wieder etwas entspannter. Ein Kleinkind beschleunigt nicht unbedingt das Reisetempo, aber es wird entspannter, da das Kind richtig am Reisen teilnimmt.

 

Wie ist Deine Erfahrung? Wenn Du mit Baby reist, was hat sich bei Dir am meisten verändert?

 

3 Responses

  1. Liebe Tanja,
    ziemlich vollständig, die Liste. Unterschreibe ich genau so! Ein Punkt fällt mir dann doch noch ein: Thema fotografieren, nicht nur während der Fahrt. Mit Kind bin ich eher ins Knipsen zurück verfallen, denn ich habe nicht mehr die Zeit und auch nicht die Muße, mir so richtig Gedanken über Bildkomposition & Co. zu machen. Auch die Nachtfotografie fällt ja nun mal flach. Schade, aber ich denke, wenn sie ein bisschen älter sind, geht da auch wieder mehr.
    LG, Nicole

  2. Liebe Nicole,

    da hast du absolut recht. Die Fotos werden eher schnell gemacht, Stativ aufbauen ist nur noch selten und wenn macht das eher der Mann – der hat ja mehr Zeit 😉 Da bin ich ganz froh, dass er ohnehin der Profi für die Nachtaufnahmen bei uns ist. Aber irgendwohin fahren und Fotos machen fällt nun leider auch erstmal raus, das habe ich noch gar nicht realisiert.

    Liebe Grüße,
    Tanja

  3. Pingback : Artikelserie ➙ Reisen mit Baby › Der Reise- und Campingblog

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